Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2006
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Bitparade: PDF-Viewer im Vergleich

Lesehilfen

PDF ist das plattformneutrale Austauschformat für formatierte Dokumente. Die Software muss sie nicht nur anzeigen, sondern auch mit den Spezialeigenschaften des Formats umgehen. Den richtigen PDF-Reader für die eigenen Ansprüche zu wählen spart Zeit und Nerven.

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Die Firma Adobe hat das PDF-Format von Anfang an als plattformübergreifendes Format konzipiert. So hat es sich zu einem Standard für den Austausch elektronischer Dokumente entwickelt. Adobe hat das Dateiformat in einer umfangreichen Referenz [7] dokumentiert, behält sich aber proprietäre und undokumentierte Erweiterungen vor.

Linux-Programmierer können leider nicht auf das SDK von Adobe zurückgreifen, trotzdem stehen auch für das freie Betriebssystem Programme für das Erzeugen, Betrachten und Bearbeiten von PDF-Dateien zur Verfügung (siehe Tabelle 1). Für die erste dieser Aufgabe eignen sich Pdflatex, verschiedene Java-Bibliotheken, Ghostscript [2], FOP und Open Office. Die Bibliotheken Ghostscript, Poppler [5] und Itext [8] erleichtern den Programmierern das Schreiben von PDF-Betrachtern.

Tabelle 1:
PDF-Reader im Vergleich

 

 

Adobe Reader 7

Kpdf 0.5.3

Evince 0.5

Epdfview 0.1.5

Gv 3.6/Gsview 4.8

Xpdf 3.01pl2

Startgeschwindigkeit

-

++

+

+

+

++

Suchfunktionen

+++

++

+

+

keine

+

Formulare

++

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

Kommentare

++

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

Text extrahieren

++

++

+

nicht implementiert

+

über externes Programm

Bildausschnitt exportieren

++

+

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

Lesezeichen

nur in Acrobat-PDF-Dateien

++

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

Präsentationsmodus

++

++

+

nicht implementiert

nicht implementiert

nicht implementiert

Mit vielen Funktionen warten die Betrachter Adobe Reader [3], Kpdf und Evince [9] auf. Wer besonderen Wert auf Geschwindigkeit legt, findet auf diesen Zweck optimierte Anwendungen in Xpdf [4], Epdfview [10], Gv [1] sowie Gsview [6].

Mit Kpdf, Evince, Epdfview, Xpdf und dem Adobe Reader bieten die meisten Programme im Testfeld eine Funktion zur Textsuche in PDF-Dokumenten an. Adobe Reader, Evince und Kpdf zeigen auf Wunsch auch die Metadaten einer PDF-Datei an, beispielsweise Autor, Titel und Schlüsselwörter.

Metadaten

Die Gliederung eines Dokuments blenden die meisten PDF-Reader auf der linken Seite oder in einem separaten Fenster als Baumstruktur ein. Die Referenz [7] bezeichnet diese Gliederung als Outline. Sie dient als visuelles Inhaltsverzeichnis und bietet Links zu bestimmten Stellen des Dokuments. In einigen Programmen heißen diese Gliederungen etwas irreführend Bookmarks oder Index. PDF-Gliederungen zeigen alle Reader außer Gv und Gsview korrekt an.

Eine gute Übersicht über eine PDF-Datei bieten auch die Vorschaubilder. Der Reader erzeugt sie selbst, falls sie nicht bereits als Bilder im Dokument eingebettet vorliegen. Im Testfeld zeigen die Programme Kpdf, Evince und der Adobe Reader Vorschaubilder an. Bei Gliederungspunkten und Vorschaubildern handelt es sich um interne Hyperlinks innerhalb einer PDF-Datei. Solche Links können außerdem im Inhaltsverzeichnis und im Fließtext stehen. Mit ihnen hatten als einzige Viewer im Testfeld Gv und Gsview Schwierigkeiten.

Adobe hat im PDF-Standard auch benutzerdefinierte Lesezeichen vorgesehen, die in der PDF-Datei eingebettet sind. Dem Leser erlauben sie es, per Mausklick an eine bestimmte Stelle des Dokuments zu springen. Das proprietäre Windows-Programm Acrobat speichert Lesezeichen in der PDF-Datei. Der Adobe-eigene Reader zeigt ausschließlich auf diese Weise erzeugte Lesezeichen an. Die freien PDF-Erzeuger legen Lesezeichen in externen XML-Dateien ab.

Immer aktuell

Während der Arbeit an einem Dokument verändert sich dessen Inhalt ständig. Dann ist eine automatische Aktualisierung der PDF-Datei im PDF-Viewer als Arbeitserleichterung sehr willkommen. Als erster PDF-Viewer führte Gv eine automatische Aktualisierung im so genannten Watch-Modus ein. Mittlerweile enthalten auch Xpdf und Kpdf dieses Feature. Die Konkurrenten erledigen die Aufgabe nur auf manuelle Anforderung des Benutzers, Anwender des Adobe Reader müssen ein Dokument neu öffnen, wenn es sich verändert hat.

Autoren können PDF-Dokumente mit Einschränkungen versehen. Sie untersagen es Betrachtern, Inhalte rauszukopieren oder ein Dokument zu drucken, oder sie begrenzen die Druckqualität. Darüber hinaus lässt sich verbieten, die Datei mit einem anderen Dokument zu einem neuen PDF zusammenzufügen, und ein Passwort festlegen, das der Benutzer zum Öffnen eingeben muss.

Solche Einschränkungen kennen außer Adobe Acrobat auch die Linux-Programme Ghostscript [2] und Pdftk [12]. Dazu versehen sie die PDF-Dateien mit zwei Passwörtern: das optionale User-Passwort, das den Betrachter zum Öffnen der Datei berechtigt, und das Owner-Passwort, das Zugang zu den Sicherheitseinstellungen verschafft.

Diese Maßnahmen verschlüsseln die Datei aber nicht; es liegt ganz an dem verarbeitenden Programm, die vorgegebenen Einschränkungen zu beachten oder auch zu ignorieren. Ein wirksames Digital Rights Management (DRM) ermöglichen sie also nicht; es handelt sich eher um eine Aufforderung an den Nutzer und seine Software, das Dokument nur entsprechend den Vorgaben des Autors zu verwenden. Fast alle Programme im Testfeld fragen das User-Passwort ab, bevor sie ein PDF-Dokument öffnen. Lediglich Gv und Gsview kamen damit nicht zurecht und verabschiedeten sich mit einer Fehlermeldung, ohne die Datei anzuzeigen.

Feinere Einschränkungen beachten Xpdf, Evince und der Adobe Reader. Kpdf überlässt es Root, die Einschränkungen systemweit ein- oder auszuschalten. Hat der Administrator keine Einstellung vorgenommen, entscheidet der Nutzer selbst. Dieses Verhalten offenbart den unverbindlichen Charakter der PDF-Sicherheitseinstellungen.

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