Windows-Anwender erwarten das Einfache. Auf Software-CDs finden sie gewöhnlich eine Datei »setup.exe«, die den Inhalt eines Programmpakets auf die Festplatte bringt und meist auch die spätere Deinstallation ermöglicht. Als einziges Unix-artiges System adaptiert PC-BSD [1] dieses Vorgehen.
Im ewig währenden Diskussionsthema Paketverwaltung lautet das wichtigste Argument gegen den Weg von PC-BSD und Windows: Für Linux existieren bereits mehrere hervorragende Paketsysteme, auch Laien lernen den Umgang mit deren grafischen Frontends schnell. Außerdem entfernen sie Software rückstandsfrei wieder, die Pakete bleiben außerdem schlank, da sie nicht alle Shared Libraries mitbringen müssen.
Für eine Umsetzung Windows-ähnlicher Installationsroutinen spricht, dass eine gewohnte Umgebung Nutzern den Schritt zu Linux erleichtern würde und dass Pakete, die alle verwendeten Bibliotheken enthalten, mit noch weniger Aufwand zu installieren sind. Die Firma Bitrock beackert dieses Feld mit ihrem Install Builder [2] bereits seit 2003; dieser Installer war anfangs das einzige Produkt des Unternehmens.
Technik
Install Builder haben die Aufgabe, das Zusammenstellen der Dateien eines Softwarepakets durch eine grafische Oberfläche zu erleichtern. Das Archiv enthält Informationen darüber, in welche Verzeichnisse des Zielsystems die enthaltenen Dateien gehören, sowie einen Installer und einen Uninstaller. Der User startet die ausführbare Datei, ein grafischer Assistent führt ihn durch die Installation.
Mit Installjammer [3] hat der Texaner Damon Courtney nach mehreren Jahren Arbeit inzwischen den ersten produktionstauglichen Install Builder für Linux veröffentlicht, der unter einer freien Lizenz steht, der Mozilla Public License. Die kommerziellen Linux-Werkzeuge Bitrock Installer und das Installer Toolkit der deutschen Firma Plaasoft [4] kosten rund 200 US-Dollar respektive Euro (Tabelle 1). Nach Angaben von Plaasoft wird die schon zu 95 Prozent fertige Version 3.0 bei gleich bleibendem Preis neben Stand-alone-Installern auch noch RPM-, DEB- und TGZ-Pakete generieren. Freie Linux-Software ist in diesem Bereich dünn gesät, Freshmeat führt nur Izpack [5], das sich auf Java-Pakete spezialisiert hat.
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Installjammer 1.0
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Bitrock Installer 3.7
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Plaasoft Installer 2.1
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Preis
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frei, Mozilla Public License
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ca. 200 US-Dollar
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ca. 200 Euro
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Plattformen
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Linux, Windows
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Linux, Windows, Mac OS X
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Linux, Windows
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Systemvoraussetzungen unter Linux
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X11
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GTK
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Qt
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Paketformate
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Stand-alone-Installer
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Stand-alone-Installer
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Stand-alone-Installer, ab Version 3.0 auch RPM, DEB und TGZ
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Besonderheiten
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Mac OS X eventuell lauffähig
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Lizenzierung pro Plattform und Anzahl der User
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Neue Version 3.0 zu 95% fertig
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Installjammer läuft dank der TCL-Codebasis unter Windows und unter Linux. Mac OS unterstützt es offiziell zwar nicht, aber auch für dieses Betriebssystem gibt es einen TCL-Interpreter, sodass Installjammer auch damit einsetzbar ist.
Installation
Das Binary »InstallJammer-1.0-Linux-x86-Install« steht auf der Projekt-Homepage zum Download bereit und startet die Installation des Programms. Führt der Anwender diese ausführbare Datei mit Benutzerrechten aus, landet Installjammer unterhalb des Homeverzeichnisses. Verfügt der Prozess über ausreichende Rechte, installiert er die enthaltenen Dateien standardmäßig unter »/usr/local/«. Als Sprachen stehen Installjammer-Benutzern Englisch, Französisch und Spanisch zur Auswahl.
Die Installationsroutine gibt einen ersten Eindruck davon, wie auch eigene, mit Installjammer erstellte Oberflächen aussehen, wobei sich allerdings beispielsweise die Grafiken austauschen lassen. Den Hauptteil der Arbeit erledigt die Installerdatei »main.tcl«. Sie enthält die Dialoge sowie die Logik und kopiert die Zip-komprimierten Programmdateien an ihre Ziele im lokalen Dateisystem.
Nach dem Start präsentiert sich Installjammer zunächst mit einer leeren Projektliste. Die Toolbar-Schaltflächen verzieren Crystal-Grafiken des KDE-Standard-Theme. Der Assistent fragt nach dem Verzeichnis, in dem sich alle Programmdateien und Bibliotheken befinden. Es empfiehlt sich daher, diese nach dem Kompilieren aus dem Quelltext in ein eigenes Verzeichnis zu installieren, nicht unterhalb von »/usr/«.