Open Source im professionellen Einsatz

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Desktop-Tools für Metacity

Aktive Ecken

Viele Gnome-Anwender schätzen die Einfachheit des Window-Managers Metacity, der ohne Allüren seine Arbeit verrichtet. Wer dennoch Funktionalität vermisst, wird vielleicht bei den hier vorgestellten Erweiterungen Brightside und Devil's Pie fündig.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, da macht Software keine Ausnahme. Der eine Anwender mag es barock üppig, der andere lieber sachlich. Auch bei Window-Managern herrschen die Extreme vor, vom minimalistischen TWM bis zum hochkomplexen Enlightenment, der seine Fenster mit Schnörkeln und sogar Animationen verziert [1].

Metacity, der Window-Manager für den Gnome-Desktop, will dem Benutzer das Leben vereinfachen, statt ihn mit vielen Konfigurationsmöglichkeiten zu verwirren. So beschränkt er sich auf die Kernkompetenz eines Window-Managers: Fensterdekorationen zeichnen, Fenster auf dem Bildschirm anordnen und bewegen. Zusatzfunktionen wie virtuelle Desktops werden von Gnome-Applets übernommen.

Die beiden Programme Brightside und Devil\'s Pie, die dieser Artikel vorstellt, erweitern Metacity um eine Reihe weiterer nützlicher Funktionen. Brightside macht die Ecken und Kanten des Gnome-Desktops sensibel für den Mauszeiger, mit dem der Benutzer zum Beispiel seine virtuellen Desktops umschalten kann. Devil\'s Pie erlaubt es ihm, in Konfigurationsdateien verschiedene Aktionen festzulegen, die der Desktop beim Starten von Programmen ausführt. Beide Programme benutzen zur Kommunikation mit dem Window-Manager die Extended Window Manager Hints [2].

Aktive Bildschirmecken

Manche Distributionen wie Ubuntu Dapper Drake und Fedora Core 5 enthalten Brightside in ihren Repositories. Alternativ führt der Weg zum Programm übers Selbstkompilieren des Pakets von [3]. Bei den Anforderungen gibt sich Brightside bescheiden, es setzt fast nur die üblichen Gnome-Bibliotheken voraus. Eine ungewöhnliche Voraussetzung ist lediglich die Bibliothek Libwnck, die Informationen über laufende Desktop-Programme liefert und die Programmierung von Programmen wie Task-Umschaltern vereinfacht.

Ist das Paket mit »make install« installiert, finden sich auch die ausführbaren Programme »brightside« und »brightside-properties« auf der Platte. Im Gnome-Menü taucht Brightside unter »System | Einstellungen | Weitere Präferenzen« auf. Konfiguriert wird Brightside mit »brightside-properties«, dessen Menü- und Dialogtexte bisher nicht übersetzt sind (Abbildung 1). Damit die Aktionen wirksam werden, muss der Anwender »brightside« von Hand starten oder über »gnome-session-properties« in die Liste der in einer Gnome-Session zu startenden Programme eintragen.

Abbildung 1: Mit Brightside lässt sich für jede Ecke des Bildschirms eine Aktion festlegen, die das Programm ausführt.

Abbildung 1: Mit Brightside lässt sich für jede Ecke des Bildschirms eine Aktion festlegen, die das Programm ausführt.

Für die vier Bildschirmecken ist jeweils eine Aktion voreingestellt, die sich über die Ausklappliste verändern lässt, vom Leise- und wieder Laut-Schalten der Soundausgabe über das Aktivieren des Bildschirmschoners bis zum Schlafmodus. Leider sind diese Aktionen im Quellcode einprogrammiert, statt dafür zum Beispiel eine Konfigurationsdatei zu verwenden. Prompt funktionierte auch die Funktion zum Starten des Bildschirmschoners (Start Screensaver) nicht, denn sie verwendet Kommandos des Programms Xscreensaver, das aber in Fedora Core 5 fehlt.

Eigene Aktionen

Um andere als die voreingestellten Aktionen den Bildschirmecken zuzuweisen, bietet Metacity so genannte Custom Actions. Wählt der Benutzer sie aus, öffnet Brightside einen kleinen Dialog, in den er das auszuführende Programm eintragen kann (Abbildung 2). Um den Screensaver unter Fedora Core 5 über eine Bildschirmecke zu aktivieren, trägt man unter »On entering region« den Befehl »gnome-screensaver-command --activate« ein. Die beiden Optionen, die Brightside beim Verlassen der Ecke auszuführen anbietet, bleiben ungenutzt. Der Screensaver beendet sich ja selbst, wenn der Benutzer die Maus bewegt.

Abbildung 2: Mit der Einstellung »Custom action« kann der Benutzer auszuführende Programme eintragen, die Brightside nicht von Haus aus kennt.

Abbildung 2: Mit der Einstellung »Custom action« kann der Benutzer auszuführende Programme eintragen, die Brightside nicht von Haus aus kennt.

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