Open Source im professionellen Einsatz

Linuxtag 2006 in Wiesbaden

Hessen-Rundschau

Ein neuer Standort und neue Organisatoren: Der Linuxtag litt 2006 in Wiesbaden erneut unter geringeren Besucherzahlen, präsentierte jedoch ein dicht gedrängtes Programm mit prominenten Rednern.

Willkommen am neuen Veranstaltungsort in Wiesbaden (links). Die Politik auf Standbesuch (mittleres Bild), von links: Ellen Reitmayr von Open Usability, Oliver Zendel und Nils Magnus vom Linuxtag e.V. mit Justizministerin Zypries. Künstlicher Horizont im superbreiten Format: Der freie Flugsimulator Flightgear (rechts).

Willkommen am neuen Veranstaltungsort in Wiesbaden (links). Die Politik auf Standbesuch (mittleres Bild), von links: Ellen Reitmayr von Open Usability, Oliver Zendel und Nils Magnus vom Linuxtag e.V. mit Justizministerin Zypries. Künstlicher Horizont im superbreiten Format: Der freie Flugsimulator Flightgear (rechts).

Nach vier Jahren in Karlsruhe fand der Linuxtag dieses Jahr erstmals in Wiesbaden statt. Ein einziges Stockwerk der Rhein-Main-Hallen beherbergte Messestände und Vortragssäle. Auch organisatorisch gab es 2006 Neues: Die Durchführung übernahm die Open Services GmbH, eine Tochter der German Unix User Group (GUUG) - an der Programmgestaltung war der Linuxtag e.V. jedoch nach wie vor maßgeblich beteiligt.

Am Eröffnungstag blickten die Aussteller noch ein wenig besorgt leere Gänge entlang, besonders die Referenten auf dem Business- und Behörden-Kongress standen enttäuscht vor vielen unbesetzten Sitzreihen. Dabei hatten sie mit Linux in Arztpraxen, einem Ausblick auf die Zukunft von Samba und dem Unternehmenseinsatz von Smartcards mit OpenSC interessante Themen zu bieten.

Doch bereits am zweiten Tag füllte sich das überschaubare Messezentrum. Der Linuxtag 2006 zog insgesamt rund 9000 Besucher an - im Vorjahr waren es noch 12000. Das Programm umfasste über 100 Vorträge, dazu zahlreiche Tutorials und Workshops. Den Ablauf prägten distributionsspezifische Tracks, die sich Debian, Ubuntu, Open Solaris, Open Suse und BSD widmeten.

Das Open-Source-Jahrhundert

Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth erklärte in seiner Keynote das 21. Jahrhundert zum Zeitalter der freien Software - das proprietäre Entwicklungsmodell sei überholt. Zuvor hatte sich der Südafrikaner mit KDE- und Kubuntu-Entwicklern getroffen, die er stärker in sein Projekt einbinden möchte (siehe auch "Zahlen und Trends" in diesem Heft).

Als zweiten Keynote-Speaker begrüßte der Linuxtag Kernel-Ziehvater Andrew Morton. Er gab an die Entwickler die Devise "Merge Early" aus: Neuerungen für den Kernel sollen danach möglichst frühzeitig bei der Kernel-Mailingliste eingereicht werden, und zwar in kleinen, überschaubaren Codeportionen. So ließen sie sich am besten in Linux integrieren.

Viele Kernelfeatures litten unter dem so genannten Sourceforge-Syndrom. Sie würden zu lange als eigenständige Projekte auf dieser Plattform entwickelt und erst in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstand an den Kernel herangetragen. Dann seien sie bereits so umfangreich und komplex, dass sich die Abstimmung mit dem Rest des Kernels zu aufwändig gestalte. Das sei beispielsweise beim Dateisystem Reiser 4 der Fall gewesen.

Prominenz aus der Politik war am vorletzen Veranstaltungstag zu Besuch. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries informierte sich am Gemeinschaftsstand des Linux-Verbands (LIVE) über freie Software in der Bildung. Auf ihrer Runde durch den Ausstellungsbereich stattete sie weiteren Projekten wie Open Office, Wikipedia und Open Usability einen Besuch ab. Am Stand des Flugsimulators Flightgear konnte sie sehen, wie sich Open Source mit Spielspaß verbinden lässt.

Video-Archiv

In den kommenden Wochen sollen Video-Aufzeichnungen der Vorträge verfügbar sein [http://www.linuxtag.org/2006/de/home/videostream/recordings.html]. Bereits während der Veranstaltung gab es einen Livestream aus einem der Säle.

Ob der Linuxtag im nächsten Jahr wieder in Wiesbaden stattfinden wird, ist laut Pressesprecher Andreas Gebhard noch offen: Die Organisatoren wollen zunächst die Erfahrungen der diesjährigen Veranstaltung auswerten, bevor sie sich an die Planung für 2007 machen.

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