Spätestens seit Jesse James Garretts Essay [http://www.adaptivepath.com/publications/essays/archives/00385.php] über Ajax genießt diese Technik große Beliebtheit. Webapplikationen, die sich so verhalten, als liefen sie nativ auf dem Client, sprießen wie Pilze aus dem Boden. In einem der neuesten Werke über Ajax bringt Autor Johannes Gamperl den Entwicklern die Vorzüge der Webtechnologie nahe.
Einführung in Ajax
In der Einleitung leistet sich der Autor allerdings eine fragwürdige Pauschalisierung: Er bezeichnet Ajax als Synonym für das Web 2.0. Es besteht neben Ajax jedoch aus vielen weiteren Komponenten. Die folgenden Kapitel lassen diesen Schnitzer aber schnell vergessen. Gamperl führt den Leser sehr strukturiert und mit vielen Beispielen in die Ajax-Programmierung ein. Alle neun Kapitel lassen sich in drei Kategorien einteilen: Javascript, XMLHTTP-Request und Praxisbeispiele (etwa Googles Map-API, Amazons Buchkatalog und ein Ajax-Chat). Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung, sodass sich der Leser schnell zurechtfindet.
Obwohl sich Ajax laut eigener Angaben an fortgeschrittene Webentwickler und Profis wendet, geht Gamperl sehr detailliert auf die Funktionsweise von Javascript, XML und CSS ein. An manchen Stellen wirkt das Buch wie eine Methodenreferenz. Viele Codebeispiele helfen das Erklärte nachzuvollziehen. Angenehm fällt auf, dass der Autor oft Fußnoten benutzt, um auf weiterführende Literatur zu verweisen.
Nachdem man sich in über fünf Kapiteln alle Eigenheiten von Javascript zu Gemüte geführt hat, erläutert Johannes Gamperl endlich den Umgang mit XMLHTTP-Request, dem Herzen von Ajax. Hier geht er auch auf eines der Kernprobleme von Ajax ein: die History. Gamperl zeigt, wie sich das Problem umgehen lässt, nicht per »Vor«- und »Zurück«-Button innerhalb einer Ajax-Applikation zu navigieren. Leider hört hier die Erklärung möglicher Stolpersteine auf, obwohl Ajax oft deutlich mehr Probleme mit sich bringt. Trotz dieser Auslassungen und kleinerer Mängel bietet das Buch dem Leser eine gute und detaillierte Einführung in das Thema.
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Johannes Gamperl:
Ajax - Web 2.0 in der Praxis
Galileo Press, Bonn, 2006
435 Seiten
35 Euro
ISBN 3-89842-764-1
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Freie Kultur
Lawrence Lessig ist bekannt als Initiator von Creative Commons. Diese Organisation entwirft Lizenzmodelle, die es Kulturschaffenden jeder Couleur ermöglichen, ihre Werke unter ihren eigenen juristischen Bedingungen zu veröffentlichen. Das schafft Unabhängigkeit von großen Verlagen, ohne dass die Urheber der Verwertung durch Dritte machtlos gegenüberstehen: eine Grundlage für freie Kultur, vergleichbar mit der Rolle der GPL im Softwarebereich. "Freie Kultur" heißt deshalb die deutsche Übersetzung von Lessigs Buch "Free Culture".
Der Autor ist prädestiniert für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Copyright. Er nimmt die amerikanische Gesetzeslage unter die Lupe und leuchtet ihre historische Entwicklung seit der Entstehung im Großbritannien des 18. Jahrhunderts detailliert aus.
Lessig demonstriert mit Anekdoten aus unterschiedlichsten Lebensbereichen die Absurdität der Entwicklung des Patentrechts und des Copyright in den USA. Zu zahlreichen technischen Bereichen kennt Lessig ähnliche Geschichten. So hat der amerikanische Digital Millennium Copyright Act (DMCA) aus dem Jahr 1998 Copyright-Inhabern Eingriffe in die Rechte von Programmierern, Kulturschaffenden und Konsumenten in bislang unbekannter Dimension ermöglicht. Lawrence Lessig bezieht dagegen klar Stellung und begründet seine Position mit einer schlüssigen Argumentation.
Auch für europäische Leser sind die Informationen aus "Freie Kultur" von direktem Interesse: Musik-, Film- und Software-Industrie drängen auch in der EU auf eine Gesetzgebung nach Vorbild des DMCA - mit ersten Teilerfolgen. Durch seine unterhaltsame Erzählweise ist das Buch ebenso spannende Lektüre wie lesenswerte Informationsquelle und Argumentationshilfe für Verteidiger freier Kultur, zu der Software zählt. (agr)
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Lawrence Lessig:
Freie Kultur
Open Source Press, München, 2006
304 Seiten
45 Euro
ISBN 3-937514-15-5
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