Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2006
345

Freenet

Mit dem Durchbruch des Internets zum allgemein gebräuchlichen Medium setzte leider auch eine in vielen Ländern sehr umfangreiche Regulierung ein. Sie geht Bürgerrechtsorganisationen nicht nur in Diktaturen zu weit, auch in westlichen Demokratien sehen Internet-Aktivisten Regierungseingriffe ins einst quasi anarchistische weltweite Netz als Gefahr für die Meinungsfreiheit.

Dieser Ansicht ist auch Ian Clarke, der einen Teil der Meinungsfreiheit im Internet durch die Gewährleistung von Anonymität sichern möchte. Das war einer von zwei Gründen, aus denen er mit der Arbeit an Freenet [6], nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen deutschen Internet-Provider, begann. Dabei handelt es sich um eine freie Software, die das Internet als Träger nutzt, um darüber ein in sich geschlossenes so genanntes Darknet aufzubauen: ein dynamisches Netzwerk, bestehend aus einer Vielzahl voneinander unabhängiger und gleichberechtigter Peers.

Doppelte Herausforderung

Das Vorhaben ist zweifellos auch eine technische interessante Aufgabe, die dem Freenet-Erfinder neben dem politischen Aspekt den zweiten Ansporn für seine Arbeit liefert. Eher zufällig stieß der Informatiker bei der Untersuchung eines bereits Jahre zuvor entwickelten Algorithmus darauf, dass dieser zu einer für die Zwecke von Freenet perfekt geeigneten Netzwerktopologie führt.

Bei Version 0.1 aus dem Jahr 2000 handelte es sich noch in erster Linie um einen Filesharing-Dienst, dessen Benutzer sich nicht zurückverfolgen ließen. Die Anfang April 2006 in einer Alphaversion erschienene Ausgabe 0.7 implementiert Freenet größtenteils neu und enthält eine neue Schnittstelle. Sie erleichtert es, beliebige andere Dienste wie Chat und Instant Messaging auf Freenet-Basis zu realisieren. Bislang existiert ein Usenet-ähnliches Messageboard-System sowie mit den so genannten Freesites eine Parallelstruktur zum World Wide Web, bei der sowohl Anbieter als auch Betrachter aller Seiten anonym bleiben.

Statt auf TCP setzt die neue Freenet-Version auf UDP, ein effizienterer Routing-Algorithmus minimiert nebenbei Probleme mit Firewalls und NAT-Routern, auch wenn Port-Forwarding weiterhin nötig bleibt. Der Benutzer steuert die in Java-geschriebenen Freenet-Software per Webinterface im Browser (Abbildung 3) oder via Telnet.

Abbildung 3: Freenet 0.7 befindet sich noch im Alphastadium und wird - wie hier zu sehen - über ein Webinterface oder über eine Telnet-Sitzung gesteuert.

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