Open Source im professionellen Einsatz

Hartmut Noacks Linux Audio Workstation

Eins, zwo, Linux-Audio!

Für Linux gibt es zwar hervorragende Audiosoftware, doch ihre Einrichtung ist ein Geduldspiel. Ein Linux- und Musikenthusiast aus Berlin-Weißensee möchte Abhilfe schaffen: Wrapper-Skripte, Presets und eine Dokumentation sollen rasch zur fertigen Audio-Workstation führen.

Abbildung 1: Gitarre plus Linux plus Ardour: Hartmut Noack im Heimstudio.

Abbildung 1: Gitarre plus Linux plus Ardour: Hartmut Noack im Heimstudio.

Die Welt der freien Software bietet alles, was man zur anspruchsvollen Audio-Verarbeitung und zum Musizieren am Computer braucht. Hartmut Noack jedenfalls ist davon überzeugt. Die Bedienungsfreundlichkeit lässt nach Ansicht des Linux-Enthusiasten aus Berlin aber zu wünschen übrig: "Die Programme gibt es. Sie sind aber für den Anfänger so schwer zu konfigurieren, dass er sie nicht benutzen wird, weil er nach zehn Minuten aufgibt."

Diese Erfahrung hat er im Jahr 2000 selbst gemacht, als er auf Linux umstieg. Bereits damals priesen die Distributoren die Audio-Fähigkeiten des freien Betriebssystems. Doch nach zwei vergeblich vor dem Rechner verbrachten Nächten gab er frustriert auf.

Nun will der 39-Jährige, der eine kleine Webdesign- und Supportfirma betreibt, mit seinem Projekt Linux Audio Workstation (LAW, [1]) Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Wrapper-Skripten mit passenden Presets, Samples und Templates sowie einer Dokumentation, die Einsteigern über die ersten Hürden beim Musizieren mit freier Software hinweghelfen sollen. Das Motto lautet: Von null auf Linux-Audio in 15 Minuten.

Zusammenspiel

Ein funktionierendes Audiosystem unter Linux besteht aus einer Vielzahl von Komponenten, die zusammenspielen. Beispielsweise muss der Soundserver Jack bereits laufen, damit sich die Audio-Anwendungen beim Start damit verbinden können. Ist das nicht der Fall, geben die Programme keinen Ton aus, stürzen ab oder frieren ein. Eine sinnvolle Fehlermeldung bekommt der Anwender in den seltensten Fällen - ein echter Showstopper für Anfänger.

Der modulare Aufbau der freien Audiowelt stellt vor allem Umsteiger von Windows oder Mac OS noch vor weitere Probleme: Während bespielsweise kommerzielle Sequencer wie Cubase ihren eigenen Synthesizer mitbringen, greifen GPL-Programme auf externe Softsynths oder Plugins zurück [2]. Auch hier steht vor dem Musizieren das Konfigurieren.

Starthilfe zum Auftakt

Die Bash-Skripte des LAW-Projekts, die in »~/bin/law« untergebracht sind, sorgen dafür, dass Audio-Anwendungen mit allen benötigten Komponenten starten. Das Skript »zynstart-safe.sh« beispielsweise, ein Wrapper für den Softwaresynthesizer Zynaddsubfx, prüft zunächst, ob Jack läuft, und startet ihn gegebenenfalls samt der grafischen Oberfläche Qjackctl (Abbildung 2). Danach ruft es den Softsynth mit geeigneten Voreinstellungen auf und verbindet ihn mit dem Soundserver (Abbildung 3). Das Patch für die Synthesizer-Presets hat Hartmut selbst entwickelt, da er die Standardklänge von Zynaddsubfx "dumpf und unbefriedigend findet".

Abbildung 2: Das Wrapper-Skript start zunächst den Soundserver Jack ...

Abbildung 2: Das Wrapper-Skript start zunächst den Soundserver Jack ...

Abbildung 3: ... und anschließend den Softwaresynthesizer Zynaddsubfx.

Abbildung 3: ... und anschließend den Softwaresynthesizer Zynaddsubfx.

Mit KDialog erstellte Nachrichtenfenster informieren den Anwender darüber, was vor sich geht. Das Startskript für Jack beispielsweise spielt zur Erfolgskontrolle eine Audiodatei ab und gibt Hinweise zur Fehlerbehebung, falls nichts zu hören ist. Unter anderem schlägt es vor, andere Anwendungen zu beenden, die das Audiodevice blockieren.

Auf seine Skripting-Fähigkeiten gibt Hartmut nicht viel: "Ich bin als Hacker nicht geeignet, daher verwende ich eine Syntax, die man jedem in zehn Minuten erklären kann." Die LAW-Skripte stellt er im Web [1] unter GPL zur Verfügung und bittet um Feedback: "Ich hoffe, durch den Open-Source-Prozess werden die Skripte besser, wenn Leute Sachen finden, die ich falsch mache."

Skripte gibt es derzeit für den Harddisk-Rekorder Ardour, die Synthesizer Alsa Modular Synth und Zynaddsubfx sowie den Midi- und Audio-Sequencer Muse. Für diese Programme sowie für die Schlagzeugsoftware Hydrogen liefert der Berliner auch selbst erstellte Samples und Presets mit, damit Einsteiger bereits alles vorfinden, um loszulegen.

Eine komplette Multimedia-Distribution wie etwa Dynebolic [3] oder Angnula [4] möchte Hartmut nicht erstellen. Er will Interessierten dabei helfen, einen gewöhnlichen Linux-PC mit möglichst wenig Aufwand zu einer benutzbaren Audio-Workstation auszubauen. Die Installation der Pakete erklärt er im Wiki von Audio4Linux [5]. Sein LAW-Framework entwickelte er zunächst unter Suse Linux 9.3, seit neuestem setzt er auf Ubuntu Dapper Drake. Seiner Meinung nach ist es derzeit "das einzige leicht installierbare System, das gepflegt ist und einen Multimedia-fähigen Kernel hat".

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