Linux als Betriebssystem für Intel-Macs
Bin schon da!
Windows wird neuerdings als Killerapplikation für Apples Intel-Macs gefeiert. Dass Linux dort schon längst Wurzeln geschlagen hat, scheint irgendwie kaum jemanden zu interessieren.
Windows wird neuerdings als Killerapplikation für Apples Intel-Macs gefeiert. Dass Linux dort schon längst Wurzeln geschlagen hat, scheint irgendwie kaum jemanden zu interessieren.
| Inhalt |
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| 64 | Bitparade Terminalemulationen im Technik- und Performance-Vergleich. 66 | Tooltipps Change, Meld, Dia, Wengophone und NG, Crossover Office und SSH-Eater im Test. 68 | Metadaten in Gnome Leaftag speichert zu Bild- und anderen Daten Meta-Informationen in SQLite. |
Am 5. April ließ Apple die Nasdaq förmlich explodieren: Die Aktien des kalifornischen Hart- und Weichobst-Fabrikanten legten um mehr als fünf Prozent zu, was der US-Technologiebörse ein neues Fünf-Jahres-Hoch bescherte. Grund für die Hausse war nicht etwa ein genialer Produktwurf wie weiland I-Pod und I-Tunes, sondern die höchst banale Betasoftware Boot Camp [1], die es Intel-Macs ermöglicht, auch Windows XP zu starten. Von dieser Fenestrierung der angebissenen Frucht versprechen sich die Anleger offenbar eine besonders reiche Ernte.
Das Trainingslager für Apple-Rekruten kommt als 83 MByte großer Download und verträgt sich nur mit OS-X-Releases ab 10.4.6 (Tiger). Im Päckchen finden sich Treiber für die Intel-Hardware der I-Macs, Mac Minis und Macbook Pros sowie ein Boot Camp Assistant. Der Hilfs-Schleifer brennt zunächst eine Treiber-CD für Windows XP und richtet dann eine Partition für Microsofts Betriebssystem auf der Mac-Platte ein. Schließlich bootet er von einer vorhandenen Installations-CD Win XP SP2 und füttert es mit dem vorgefertigten Treiber-Set.
Voilà, künftig startet der Mac auf Verlangen auch in das artfremde Betriebssystem. Doch fehlt der Support für einzelne Hardware-Features wie etwa das Apple-USB-Modem, die I-Sight-Kamera oder die Tastaturbeleuchtung des Macbook Pro.
Dem gut informierten, Open-Source-affinen Beobachter allerdings entringt all das bestenfalls ein müdes Gähnen - und unwillkürlich die Frage, auf welche Weise derart dröges Zubehör wohl Apple dazu qualifiziert, als Shooting Star der Hightech-Welt zu brillieren. Schließlich hat der Pinguin schon Wochen vor der Boot-Camp-Freigabe den intelschen Apfel angeknabbert - ohne jedoch irgendwelche merklichen Reaktionen an der Börse zu ernten. Debian, Gentoo, (K)Ubuntu, Slackware - welches Schweinderl darf es denn für den Intel-Mac sein?
Auch Linux fühlt sich auf allen Intel-Mac-Varianten heimisch. Wohl macht die Installation des quellfreien OS etwas mehr Aufwand als der Drill im Boot Camp - aber nicht viel mehr. Grund zum Ansetzen der Code-Feile liefert vor allem der Bios-Ersatz EFI [2], der dem Betriebssystem von vornherein im Protected Mode kommt: Darauf ist kaum ein OS gefasst, startet doch das angestaubte Bios im Real Mode - aus Gründen, die noch von den Vorvorfahren überkommen sind. Generell aber vertragen sich EFI und Linux bestens, wie Intel schon früh in einem Papier dokumentiert hat [3].
Die Anpassungen beschränken sich im Wesentlichen auf den EFI-konformen Bootloader Elilo [4], das Bootmenü-Toolkit Refit ([5], Abbildung 1) sowie modifizierte Vmlinuz- und Initrd-Dateien. Letztere gibt's samt einer Bedienungsanleitung und zahlreichen Erfahrungsberichten auf der Mactel-Linux-Website [6]. Dort findet sich auch - für nur gedämpft experimentierfreudige Zeitgenossen gedacht - eine auf Ubuntu basierende Live-CD, die gefahrlose Selbstversuche mit Linux auf dem Intel-Mac ermöglicht.
Abbildung 1: Das Bootmenü-Toolkit Refit vereinigt auf den Intel-Macs problemlos angeblich Unvereinbares.
Der nächsten OS-X-Release 10.5 (Leopard) will Apple die finale Version von Boot Camp gleich beilegen. Da sollten sich die Softwerker aus Cupertino vorher noch mit den Mactel-Spezialisten abstimmen und das Multiboot-Paket auch zur Kooperation mit Linux bewegen. Den Shareholder würde das wohl weniger beeindrucken, den Anwender dafür umso mehr: Er hätte die freie Wahl zwischen der besten Software aus drei Welten.
| Infos |
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| [1] Apple Boot Camp: [http://www.apple.com/macosx/bootcamp/] [2] Extensible Firmware Interface: [http://www.intel.com/technology/efi/] [3] Linux und das EFI: [ftp://download.intel.com/technology/efi/docs/pdfs/IDF04linux_EFIS005.pdf] [4] Elilo: [http://elilo.sourceforge.net/] [5] Refit: [http://refit.sourceforge.net/] [6] Mactel-Linux: [http://www.mactel-linux.org/wiki/Main_Page] |
| Der Autor |
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| Der Fachjournalist Jörg Luther verantwortet seit Ende 2004 als Chefredakteur Konzept und Inhalte des Magazin-Schwesterblatts "LinuxUser". |
Copyright © 2002 Linux New Media AG
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