Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2006

LPI-Zertifizierung

Willkommen im Club

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Wer als Linux-Administrator beim Kunden oder Arbeitgeber punkten will, muss sich aus der Masse der Bewerber abheben. Zertifizierungen wie die des Linux Professional Institute beweisen Kompetenz und erhöhen damit die Chancen auf den gewünschten Job oder Auftrag.

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Zertifikate bestätigen eine bestimmte Qualifikation, sie erleichtern die Verständigung zwischen Angebot und Nachfrage. Das gilt bei großen Firmen, die Zertifizierungen zur Vorselektion verwenden, in kleineren ohne eigenes IT-Know-how belegen sie das Linux-Wissens des Bewerbers.

Die distributionsübergreifenden Linux-Zertifizierungen des LPI (Linux Professional Institute, [1]) haben sich einen guten Namen gemacht und sind anerkannter Standard bei vielen Firmen. Der Artikel beschreibt den Prüfungsablauf und berichtet über Erfahrungen. Zudem bildet er den Anfang einer Reihe im Linux-Magazin, die Schritt für Schritt auf die Prüfungen vorbereitet.

Seit dem Jahr 2000 bietet das Linux Professional Institute ein Zertifizierungsprogramm an. Entstanden ist das gemeinnützige LPI mit Sitz in Toronto/Kanada aus der Community. Die Prüfungen gestalten sich distributionsübergreifend und firmenneutral. Anwender, die bisher ihr System mit einigen Mausklicks in Suse Yast oder ähnlichen Werkzeugen zusammenstöpseln, müssen entsprechend erst einmal von der Pike auf lernen, ein System ohne diese Hilfsmittel zu administrieren.

Das Projekt ist nicht als statisches Element, sondern als kontinuierlicher Prozess zu verstehen, an dem sich alle Community-Teilnehmer beteiligen dürfen und sollen. Jedem Interessierten steht es frei, neue Fragen einzureichen oder vorhandene zum Löschen vorzuschlagen.

Das LPI erstellt und evaluiert die Prüfungen mit Hilfe psychometrischer Methoden und Verfahren. Fragen, die selbst gute Prüflinge meist falsch beantworten, sind offensichtlich nicht eindeutig. Sie fallen ebenso durchs Raster wie Fragen, die Teilnehmer mit niedriger Trefferquote überdurchschnittlich oft korrekt beantworten. Der Verdacht liegt dann nahe, dass sie die Lösung erraten haben.

Gut selektiert

Das Ziel dieser Selektionen sind aussagekräftige und verlässliche Prüfungen, die Aufschluss über das Know-how des Absolventen geben. Erfahrene Administratoren aus der Linux-Community beteiligen sich an dem fortlaufenden Optimierungsprozess der Prüfungen. Das gewährleistet möglichst praxisbezogene und realistische Fragen - der wichtigste Anspruch des LPI.

Abzulegen sind diese Prüfungen praktisch jederzeit in einem Prüfungszentrum [2] der beiden weltweit agierenden Partner von LPI: Pearson VUE [3] oder Thomson/Prometric [4]. Diese Unternehmen sind auf das Abnehmen von Prüfungen ganz unterschiedlicher Anbieter spezialisiert und unterhalten in jeder größeren deutschen Stadt wenigstens ein Prüfungszentrum, ebenso in der Schweiz und Österreich.

Die Prüfungen

Für den Junior Level Administration (LPIC-1) muss der Kandidat die Prüfungen 101 und 102 bestehen. Voraussetzungen für die Zulassung sind ein gültiger Personalausweis, eine auf der LPI-Webseite [1] kostenlos zu beantragende LPI-Identifikationsnummer sowie etwa 130 Euro Prüfungsgebühr. Der Test findet entweder unter persönlicher Aufsicht oder kameraüberwacht an einem PC statt. Innerhalb von 90 Minuten (120 Minuten LPI 2) müssen die Aspiranten nacheinander etwa 60 bis 90 Fragen am Bildschirm beantworten. Das sind in der Mehrzahl Single- oder Multiple-Choice-Fragen, gelegentlich sind auch Pfade oder Programmnamen gefragt.

Das LPI gewichtet die Sachgebiete unterschiedlich, was sich in der Anzahl der Fragen pro Thema niederschlägt. Diese kommen zufallsgesteuert aus einem mehrere tausend Fragen umfassenden Pool, den die Mitarbeiter des LPI kontinuierlich aktualisieren. Sie suchen auch permanent im Internet nach Originalfragen aus den Prüfungen, um sie aus dem Pool zu entfernen.

Alle Hilfsmittel wie Spickzettel, Fachbücher oder gar ein Linux-Notebook sind strikt verboten. Nach Abschluss der Prüfung erfolgt die Auswertung direkt im Prüfungszentrum. So erfährt der Teilnehmer sofort im Anschluss, ob er bestanden hat oder nicht. Die Durchfallquote liegt mit etwa 33 Prozent außergewöhnlich niedrig. Probanden, die nicht bestehen, können nach einer Pause von mindestens zehn Tagen einen erneuten Versuch starten.

Abbildung 1: Auf Events wie dem Linuxtag bietet das LPI für 50 Euro die schriftliche Form der Prüfung an.

Inhaltlich geht es bei 101 und 102 um die Installation und Grundkonfiguration eines Arbeitsplatzrechners sowie das Erledigen von Administrationsaufgaben, etwa Bootkonfiguration, Benutzerverwaltung oder Softwarepflege über die Kommandozeile [5]. Die Tests stehen sowohl in deutscher, als auch in englischer und japanischer Sprache zur Verfügung.

Der Intermediate Level Administration (LPIC-2) setzt eine bestandene LPIC-1-Zertifizierung voraus und erfordert den erfolgreichen Abschluss der beiden Prüfungen 201 und 202. Hier steht die Administration von Linux- Rechnern im Netzwerk im Vordergrund. Vor allem geht es um den Betrieb von Rechnern mit den unterschiedlichsten Diensten wie DHCP, DNS, FTP, NFS, NIS, Samba oder Apache [5]. Die Prüfungen stehen derzeit nur in englischer Sprache zur Verfügung, eine deutsche Variante ist jedoch in Arbeit und wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2006 erscheinen.

Die dritte Ausbaustufe, der LPCI-3, ist noch in Vorbereitung, das Erscheinen für das Jahr 2007 vorgesehen. Detaillierte Inhalte und Lernziele stehen jedoch bislang noch nicht fest.

Weltweit wurden bislang mehr als 110000 LPI-Prüfungen abgenommen, etwa 14000 davon in Deutschland. Insgesamt wurden bislang 32000 Zertifizierungen erteilt, ungefähr 3700 davon alleine in Deutschland. Das Prüfungsverhältnis von LPIC-1 zu LPIC-2 liegt bei etwa zehn zu eins. Demnach nennen in Deutschland gerade mal 500 Administratoren ein LPIC-2-Zertifikat ihr eigen.

Ein
Erfahrungsbericht

Abbildung 2: Mathias Huber, Redakteur beim Linux-Magazin.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich Ende 2003 im Selbststudium auf meine erste LPI-Prüfung (LPIC 101) vorbereitet habe. Zunächst informierte ich mich über den Prüfungsablauf und registrierte mich auf der LPI-Website. Die Prüfung buchte ich bei einem Pearson-VUE-Partner in München. Dabei habe ich mich frühzeitig auf einen Termin festgelegt - so war ich gezwungen, den Stoff zügig innerhalb eines festen Zeitrahmens durchzuarbeiten. Ich habe mir etwa drei Monate Zeit gegeben und an den meisten Wochentagen nach meiner Arbeit als Webentwickler ein bis zwei Stunden gelernt, vor der Prüfung auch gelegentlich am Wochenende.

Das wichtigste Dokument zur Prüfungsvorbereitung war für mich der Stoffplan mit den detaillierten Lernzielen [http://www.lpi.org/de/obj_101.html]. Es lohnt sich, ihn genau zu lesen und vor allem die Gewichtung der Fragen durchzurechnen. So fand ich heraus, dass das Thema "GNU- & Unix-Befehle" in der Prüfung 101 fast ein Drittel des Gewichts - und damit der zu erwartenden Fragen - ausmacht. Die Punkte "Dateisysteme" und "Linux Installation & Package Management" decken jeweils ein weiteres Viertel ab. Daher habe ich meine Vorbereitung mit dem am stärksten gewichteten Bereich begonnen und mich schließlich zu den quantitativ weniger entscheidenden Themen durchgearbeitet.

Ohne praktische Arbeit am Rechner kann ich mir das Lernen für LPI-Prüfungen nicht vorstellen. Was man selbst gemacht hat, merkt sich besser als Angelesenes. Wer die Optionen der Kommandos selbst ausprobiert hat, kann sie auch in der Prüfung auseinander halten. Daher habe ich mir auf einem alten PC ein Testsystem aufgesetzt - und auch mehrmals zerschossen.

Ich habe hauptsächlich mit Jeff Deans LPI-Buch gelernt, das allerdings schon damals nicht mehr aktuell war, inzwischen ist allerdings eine aktualisierte Neuauflage geplant, die noch im Juni dieses Jahres erscheinen soll. Die Unterlagen von Florian Kalhammers Linux-Praxis-Webseite [http://www.linux-praxis.de] waren beim Lernen ebenfalls eine große Hilfe. Die Manpages der behandelten Programme sind selbstverständlich Pflichtlektüre.

Zum zielgerichteten Lernen gehört die Erfolgskontrolle. Daher habe ich die Fragen in Jeff Deans Buch bearbeitet. Mehr Spaß macht allerdings eine interaktive Prüfungssimulation, wie sie auf der Linux-Praxis-Homepage zu finden ist. Diesen Test habe ich mindestens einmal am Tag gemacht.

Ehrlich gesagt: Während der ersten Wochen habe ich die Tests nie bestanden. Doch das änderte sich bald und ich konnte zusehen, wie meine Punktzahl stetig wuchs. Gerade für jemanden, der allein lernt, ist diese Erfolgskontrolle eine wichtige Motivation. Die Äuflösung zu den Fragen zeigt das Programm übrigens nicht, aber ich konnte sehen, bei welchen Fragen ich falsch lag. Die betreffenden Themen habe ich dann vertieft gelernt. Als meine Ergebnisse in der Simulation regelmäßig über 90 Prozent lagen, stand bald die Prüfung vor der Tür. Ich konnte beruhigt hingehen und habe bestanden. (Mathias Huber)

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