Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2006

Vier Notebooks der Mittel- und Oberklasse im Test

Starthilfe

Trotz aller Fortschritte in der Treiberentwicklung bereiten Notebooks mit ihrer spezialisierten Hardware gerne Probleme. Manchmal ist aber nur ein wenig Starthilfe nötig, um Linux dennoch einrichten und verwenden zu können, wie das Linux-Magazin bei vier aktuellen Geräten herausfand.

688

Bei herkömmlichen Desktop-PCs und Servern leistet die automatische Hardware-Erkennung moderner Distributionen meist ganze Arbeit, manuelle Eingriffe während der Installation sind trotz der Gerätevielfalt selten geworden. Notebooks bleiben jedoch ein Sonderfall, da Hersteller hochspezialisierte Komponenten und noch dazu in ungewöhnlicher Konstellation verwenden.

Dank Centrino hat sich bei Notebooks mit Intel-Prozessoren ein Quasi-Standard etabliert, der den Herstellern einige Komponenten vorschreibt. So sind in allen vier getesteten Geräten Pentium-M-Prozessoren und der Intel-915-Chipsatz verbaut, zusammen mit dem WLAN-Modul Intel Pro-Wireless 2915ABG - für aktuelle Distributionen problemlos, passende Treiber gibt es seit einiger Zeit.

Bei den Grafikadaptern und der Peripherie hingegen haben die Hersteller freie Hand und setzen je nach Gusto auf die verschiedensten Lösungen. So sind etwa die Flash-Kartenleser der hier getesteten Notebooks entweder über einen speziellen PCI-Controller von Ricoh angebunden oder über den Cardbus-Adapter - für beide Lösungen gibt es aber noch keine Treiber. Nur das Lynx Multimedia Notebook 6300 benutzt einen USB-Adapter, der einwandfrei funktioniert.

Andere Hardware wie die Grafikadapter von ATI und Nvidia lassen sich nur mit proprietären Treibern ausreizen, oder das jeweilige Gerät benötigt besondere Kernelparameter, um überhaupt zu starten. Die folgenden Abschnitte beschreiben die notwendigen Einstellungen und auch Einschränkungen bei den einzelnen Notebooks.

Acer Travelmate 8102

Als einziges Gerät im Testfeld ist das Acer Travelmate 8102 sowohl mit einem DVI-Ausgang als auch einem herkömmlichen VGA-Anschluss ausgestattet. Beide lassen sich prinzipiell unabhängig voneinander ansteuern, sodass echter Dual-Head-Betrieb mit externen Monitoren möglich wäre. Der dazu erforderliche proprietäre ATI-Treiber für den Radeon-X700-Chip ließ sich jedoch nicht verwenden, womit auch die 3D-Hardwarebeschleunigung ausfiel und die Auflösung auf 1400 mal 1050 Pixel statt 1680 mal 1050 Pixel begrenzt war.

Auch der per PCI angebundene Ricoh-Flash-Kartenleser sowie der Smartcard-Reader des Travelmate 8102 sind nicht benutzbar, hier fehlt es derzeit an passenden Treibern. Der Bluetooth-Adapter und das WLAN-Modul bereiteten wie die übrigen Komponenten hingegen keine Probleme. Erwähnenswert ist das DVD-Laufwerk, es verarbeitet nicht nur Double-Layer-Medien, sondern kann auch DVD-RAMs beschreiben.

Die Installation von Suse Linux erwies sich als ungewohnt schwierig. Egal ob der Autor die DVDs der Version 9.0, 9.2 oder 10.0 verwendete - der komplette Rechner stürzte ab, sobald im grafischen Menü des CD-Bootloaders eine Taste gedrückt wurde. Mit den Isolinux- und Syslinux-Versionen von Debian Sarge, Knoppix 3.6, Mandriva 2005 oder Fedora Core 4 gab es keine Probleme.

Installationshürden

Die Kernel aller Distributionen reagierten allerdings allergisch auf den Advanced Interrupt Controller (APIC) des Travelmate 8102. Ohne den Kernelparameter »noapic« ließ sich keine der Linux-Distributionen booten. Auch die Installation der einzelnen Distributionen war äußerst fragil, weshalb man möglichst viele Konfigurationspunkte bei der Installation überspringen und die Hardware später mit den Werkzeugen der jeweiligen Distribution einrichten sollte. So gab es beim Versuch, die grafische Oberfläche unter Mandriva 2005 einzurichten, unschöne Grafikfehler, die eine weitere Bedienung des Installationsprogramms unmöglich machten.

Die Installation von Suse Linux 10.0 ist besonders kompliziert, da hierzu die Notebook-Festplatte ausgebaut und in einen herkömmlichen Desktop-Rechner eingebaut werden muss. Weil die Festplatte des Travelmate noch einen herkömmlichen parallelen ATA-Anschluss (PATA) besitzt, benötigt man hierzu einen Adapter, den es zum Beispiel für knapp zwei Euro unter der Bestellnummer ATA 44-40A bei Reichelt Elektronik [1] gibt. Da Yast nach der rechnerunabhängigen Software-Installation neu startet, ist es kein Problem, an dieser Stelle die Festplatte wieder in das Notebook einzubauen.

Zuvor wollen jedoch das Kernelmodul »lp« sowie alle Parallelport-Module aus »kernel/drivers/parport« entfernt oder verschoben sein. Da sich bei der Ersteinrichtung des Systems die Hardware-Erkennung nicht überspringe lässt, lädt Yast auf der Suche nach Druckern die Treiber und bringt damit das Travelmate 8102 zuverlässig zum Absturz - obwohl das Notebook nicht einmal über einen Parallelport verfügt. Auch die Netzwerkeinrichtung darf nicht während der Erstkonfiguration erfolgen, da »modprobe« beim Laden des Moduls »tg3« stehen bleibt und Yast die Konfiguration nicht abschließen kann.

Nach Abschluss der Einrichtung erfolgt der erste Neustart, jetzt lassen sich Netzwerk, WLAN und Bluetooth problemlos einrichten, die Kernelmodule bereiten dann keine Probleme mehr - allerdings ist der APIC nach wie vor für Linux tabu, selbst mit Kernel 2.6.16-rc1 gelang es dem Autor nicht, ihn ohne Kernelabsturz einzusetzen.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

comments powered by Disqus

Ausgabe 05/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 7,62
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.