Open Source im professionellen Einsatz

Viele Open-Source-Programme erhalten durch Avahi interessante Zeroconf-Features

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Mit Zeroconf annoncieren Programme ihre Dienste im Netzwerk. Was nüchtern klingt, ist in der Praxis spannend, nützlich und verblüffend einfach, wie das ausgewählte Dutzend Beispiele zeigt.

Um Dienste im Netz zu nutzen, muss jeder Anwender normalerweise den Server oder ein zentrales Verzeichnis kennen, das die Dienste listet. Zeroconf, genauer DNS-SD (Service Discovery), ändert das grundlegend. Der Artikel zu Avahi ab Seite 64 erklärt die technischen Hintergründe. Kurz: Zeroconf nimmt den Anbieter in die Pflicht, seine Dienste bekannt zu geben. Das klappt verblüffend gut und kommt ohne zentralen Server aus. Multimedia-, Instant-Messaging und Telefonie-Software ist damit einfacher zu bedienen, auch administrative Aufgaben gehen leichter von der Hand.

Die nächsten Abschnitte stellen Anwendungen vor, die zusammen mit Avahi die Segnungen von Zeroconf für sich nutzen und sich in einem Kurztest bewährten. Tabelle 1 gibt einen systematischen Überblick und nennt die Dienstetypen.

Tabelle 1:
Zeroconf-Programme

Administratives

In die Admin-Kategorie fallen Druckerverwaltung oder Remote-Desktop-Technik. Vor allem aber profitieren Dateimanager von Zeroconf. Es ist beispielsweise möglich, sämtliche FTP-, SSH- und SFTP-Dienste automatisch zu listen und auf Wunsch einzubinden.

Avahi-Discovery (siehe Seite 70) durchforstet die Vielfalt an Diensten, die Rechner per Zeroconf anbieten. Das Programm beantwortet zum Beispiel die Frage, welchen Servicetyp ein Musikplayer zur Verfügung stellt. Falsche Typen sind eine mögliche Ursache, wenn Konsumenten und Anbieter sich nicht finden. Das GUI zeigt zudem Detailinformationen, etwa die Zeroconf-TXT-Einträge. Avahi-Discovery ist Bestandteil der Avahi-Distribution [1].

In abgespeckter Form steckt Discovery-Funktionalität auch im SD-Applet (Service Discovery). Das Programm hängt sich in die Systemleiste des Gnome-Desktops und führt in einem simplen Menü zu FTP-, SSH- und Webdiensten. Weil die meisten Benutzer diese drei Services am häufigsten benötigen, ist das Applet überaus praktisch.

Der Gnome-Dateimanager Nautilus greift auf seine Ressourcen über eine Abstraktionsschicht zu, das Gnome Virtual Filesystem (VFS, [3]). Dieser Mechanismus bindet auch Zeroconf-Dienste ein, wenn VFS entsprechend konfiguriert ist (Abbildung 1). Ein Zeroconf-Dienst sieht dann aus wie ein gewöhnliches Dateisystemobjekt. Gängige Linux-Distributionen liefern Gnome-VFS derzeit ohne Avahi-Unterstützung aus. Wer in den Genuss dieser Integration kommen will, muss das VFS selbst kompilieren.

Abbildung 1: Wurde Gnome-VFS mit Avahi-Unterstützung übersetzt, dann präsentiert Nautilus die verteilten Ressourcen wie ein normales Verzeichnis.

Abbildung 1: Wurde Gnome-VFS mit Avahi-Unterstützung übersetzt, dann präsentiert Nautilus die verteilten Ressourcen wie ein normales Verzeichnis.

Auch der KDE-Dateimanager Konqueror (Abbildung 2) bedient sich einer modularen Abstraktionsschicht. Jeder der so genannten KIO-Slaves ist für eine Ressource eines Typs zuständig. Mit einem Zeroconf-Modul gewappnet bindet Konqueror auch diese Dienste ein.

Abbildung 2: Ein KIO-Slave-Modul verleiht dem Konqueror Zeroconf-Fähigkeiten. Die Pseudo-URL »zeroconf:/« bindet alle Dienste baumartig ein.

Abbildung 2: Ein KIO-Slave-Modul verleiht dem Konqueror Zeroconf-Fähigkeiten. Die Pseudo-URL »zeroconf:/« bindet alle Dienste baumartig ein.

KDE nutzt bisher aber die Apple-Bibliotheken für Zeroconf. Seit kurzem gibt es mit »kdnssd-avahi« Ersatz für die Service-Discovery-Bibliothek von KDE. Sie stimmt Konqueror & Co. ganz auf Avahi ein. Leider liefern die meisten Distributionen KDE ganz ohne Zeroconf aus und wenn doch, dann mit den Apple-Bibliotheken. Da hilft nur, die »kdnssd-avahi«-Komponente manuell zu übersetzen.

Fernzugriff

Wie der Name andeutet ist der KDE Personal File Server (KPF) ein Mini-Server, der Dateien anderen Rechnern zur Verfügung stellt. Hinter KPF verbirgt sich ein einfacher Webserver, der seine HTTP-Dienste im Netzwerk via Zeroconf bekannt gibt. Schreib- und Lesevorgänge laufen über das WebDAV-Protokoll. KPF gehört zu jeder KDE-Distribution.

Für den Fernzugriff auf einen Desktop integriert KDE das VNC-Protokoll. In Zeroconf-fähigen Installationen informiert der Remote-Framebuffer (KRFB-Server) die Remote-Desktop-Clients (KRDC) über neue Angebote. User und Admins finden damit jede freigegebene Desktop-Ressource, um per KRDC darauf zuzugreifen. KRFB und KRDC sind feste Bestandteile jeder KDE-Distribution.

Wer wissen will, wie sehr sein Rechner gerade die CPU und den Speicher beschäftigt, greift unter KDE zum Systemguard. Dessen Server-gestütztes Pendant namens KDE Systemguard Daemon (KSysguardd) erweitert die Einsichten auf die Interna ferner Maschinen (Abbildung 3). Da KSysguardd seine Ressourcen im Netzwerk via Zeroconf bekannt gibt, finden Admins die Liste aktiver Clients vor und überwachen die Maschinen bequem von ihrem Arbeitsplatz aus. KSysguard und KSysguardd gehören zu allen KDE-Distributionen.

Abbildung 3: KSysguard überwacht lokale und ferne Ressourcen: CPU-Last und Speicherbelegung bleiben so jederzeit im Blickfeld.

Abbildung 3: KSysguard überwacht lokale und ferne Ressourcen: CPU-Last und Speicherbelegung bleiben so jederzeit im Blickfeld.

So lange nicht jedes Programm Zeroconf beherrscht, wirken kleine Brücken Wunder. Zum Beispiel die Avahi-Bookmarks: Dieser Mini-Webserver ist mit dem Python-Framework Twisted Web [4] realisiert. Er verbreitet HTML-Listen mit Web- und FTP-Ressourcen - gewissermaßen eine Bookmark-Liste der Zeroconf-Ressourcen. Avahi-Bookmarks ist Bestandteil der Avahi-Distribution.

Auf FTP-Dienste hat sich der KFTP-Grabber spezialisiert (Abbildung 4). Der FTP-Client zeigt die per Zeroconf publizierten FTP-Dienste in einer Seitenleiste an.

Abbildung 4: KFTP-Grabber listet in der Seitenleiste »Sites Near You« alle Zeroconf-Ressourcen des Typs »_ftp._tcp«.

Abbildung 4: KFTP-Grabber listet in der Seitenleiste »Sites Near You« alle Zeroconf-Ressourcen des Typs »_ftp._tcp«.

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