Erst kürzlich entfachte Linus Torvalds mit einem derben Kommentar auf einer Gnome-Mailingliste einen heftigen Streit über die richtige Desktop-Umgebung [1]. Auch wenn dies nur die Meinung eines einzelnen - wenn auch prominenten - Anwenders widerspiegelt, wirft sie doch ein Licht auf die neuerlichen Annäherungsversuche der KDE- und Gnome-Fraktionen. Diese Ausgabe der Projekteküche bricht eine Lanze für Gnome und stellt zwei noch sehr junge, ambitionierte Projekte vor.
Tomboy
Das erste Programm stammt von dem Gnome-Entwickler Alex Graveley, der passenderweise seit Anfang Dezember einem Team der OSDL [2] angehört, das die Zusammenarbeit zwischen Gnome und KDE verbessern soll. Die Software Tomboy [3] widmet sich einem bekannten Problem - der Verwaltung von Notizen. Mittlerweile gibt es zwar bereits dutzende Programme, die es den Anwendern erleichtern, kurze Gedächtnisstützen auf dem Desktop abzulegen.
Tomboy geht dabei aber einen neuen Weg. Jeder Notizzettel stellt sich als eine Wiki-artige Seite dar. Legt ein Benutzer eine neue Notiz an, versieht er sie mit einem Titel und schreibt den Text in ein einfaches Textfeld. Dabei kann er das Geschriebene mit üblichen Schrift-Formatierungen wie fett, kursiv oder durchgestrichen versehen.
Der Clou an Tomboy ist, dass ein Text Verweise auf andere Notizen enthalten kann. Markiert der Benutzer ein Wort oder einen ganzen Satz und klickt auf den Button »Verknüpfung«, erstellt Tomboy automatisch eine neue Notiz, die als Titel den markierten Text enthält. Abbildung 1 zeigt vier Notizen, die sich gegenseitig referenzieren - wie in einem Wiki. So fällt es leicht, seine Notizen zu strukturieren.
Abbildung 1: Tomboy schafft Ordnung im Chaos der Notizzettel. In Wiki-Manier verlinken Anwender ihre Notizen miteinander. So geht nichts mehr verloren.
Außerdem bietet Tomboy die Möglichkeit, URLs einzugeben. Klickt der Anwender darauf, öffnet sich automatisch ein Browserfenster mit der entsprechenden Seite. Die Suche erleichtert den Umgang mit sehr vielen Notizzetteln. Die integrierte Suche zeigt im Ergebnisfenster alle Zettel an, in denen der gesuchte Begriff vorkommt. Ein Doppelklick öffnet die entsprechende Notiz.
Graveley benutzt Mono als Programmierumgebung für Tomboy, das der Anwender also zuerst installieren muss. Für alle großen Distributionen gibt es allerdings bereits fertige Binärpakete. Die Installation der entsprechenden Bibliotheken für die Mono-Umgebung lohnt sich; mit Tomboy ordnen Anwender kurze Gedächtnisstützen auf einfachste Weise.
Searchparty
Das zweite Gnome-basierte Projekt trägt den Namen Searchparty [4]. Der ursprüngliche Urheber ist Seth Nickell. Sanford Armstrong und Raphael Slinckx haben im Rahmen von Googles "Summer of Code" Nickells Idee implementiert. Der Name Searchparty lässt bereits vermuten, welches Prinzip hinter dem Programm steckt. Benutzer, die etwa bei Google die gleichen oder ähnliche Suchbegriffe suchen, sollen sich irgendwo im Internet zusammentun können, um Informationen auszutauschen.
Armstrong und Slinckx haben dafür ein Browser-Plugin für Firefox und Gnomes Epiphany entwickelt. Sucht ein Anwender etwa bei Google nach einem Begriff, zeigt Searchparty einen Button »Join Search Party« im Browser an. Ein Klick darauf öffnet ein neues Chatfenster.
Dort treffen sich dann alle Searchparty-Benutzer, die nach einem ähnlichen Begriff gesucht haben. In diesem Chat tauschen sie dann etwa Links zu dem jeweiligen Thema aus oder diskutieren. Der Name Party macht klar, dass die Treffen eher spontan und von relativ kurzer Dauer sind. Damit unterscheidet sich Searchparty von den gängigen Chatsystemen, in denen sich nur Benutzer zusammenfinden, die ein langfristiges Interesse an einem Thema haben.
Die zweite, die so genannte Server-Komponente, kümmert sich um die Verwaltung aller Benutzer in den Searchparty-Chats. Sie greift auf den zurzeit einzigen Server [searchpartyproject.com] zu. Er verwaltet die gesuchten Begriffe, zeigt an, wie viele Benutzer sich in den Chaträumen befinden, und eröffnet auf Wunsch neue.
Somit bietet das Projekt eine bahnbrechende und zugleich simple Möglichkeit, an gesuchte Informationen zu gelangen. Es erweitert gewissermaßen bestehende Suchmaschinen. Da Searchparty noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es noch wenige Benutzer und die Chaträume sind meist leer. Entwickelt sich die Software aber so schnell weiter wie bisher und findet eventuell Einzug in Gnome, können sich Anwender darauf freuen, bald schneller an gesuchte Informationen zu gelangen.