Realbasic portiert Visual-Basic-Projekte nach Linux
Der Türenöffner
Unter Windows geschriebene Basic-Programme mit wenig Aufwand auf Linux und sogar auf den Mac portieren - das verspricht Realbasic. Wie gut dies funktioniert, verrät der Artikel.
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Unter Windows geschriebene Basic-Programme mit wenig Aufwand auf Linux und sogar auf den Mac portieren - das verspricht Realbasic. Wie gut dies funktioniert, verrät der Artikel.
Als gut lesbare und leicht zu erlernende Programmiersprache ist Visual Basic unter Windows ebenso beliebt wie verbreitet. Wer auf Linux umsteigt, muss seine Visual-Basic-Programme jedoch normalerweise in einen anderen Basic-Dialekt übertragen. Für eine direkte Portierung unterscheiden sich freie Basic-Varianten wie Gambas [1], HBasic [2] oder WXBasic [3] zu sehr vom Original.
KBasic [4] verspricht zwar vollständige Syntaxkompatibilität zu Visual Basic, befindet sich nach mehreren Entwicklungsjahren aber immer noch in einer recht unstabilen Betaphase. Die Firma Real Software hat jetzt mit Realbasic [5] eine kommerzielle Software vorgestellt, die Visual-Basic-Projekte problemlos übernehmen und unter Linux sowie Mac OS X ausführen soll.
Das Lizenzmodell von Realbasic ist etwas ungewöhnlich. Zusammen mit der Nutzungslizenz erwirbt der Käufer für eine bestimmte Zeit das Recht auf kostenlose Bugfixes und Verbesserungen. Danach gilt die Lizenz weiter, Bugfixes bekommt der Kunde allerdings nicht mehr. Real Software verspricht alle 90 Tage eine neue Version fertigzustellen, sodass Käufer einer Lizenz regelmäßig auch in den Genuss neuer Features kommen sollen.
Realbasic gibt es direkt beim Hersteller oder beim deutschen Vertrieb Application Systems Heidelberg [6]. Die Standard-Edition für Linux ist kostenlos, die Professional-Version kostet inklusive der Bugfixes in 18 Monaten 500 Euro, mit sechs Monaten gibt es sie für 330 Euro. Studenten bezahlen 350 Euro, Schüler 230. Die Standardedition für Linux und Mac OS kostet mit 18 Monaten Bugfixes 120 Euro, mit sechs Monaten 80 Euro. Tabelle 1 zeigt die Unterschiede zwischen beiden Varianten.
Realbasic für Linux erzeugt in der Professional-Version Programme für alle Windows-Versionen von 95 bis XP. Diese benötigen keine zusätzlichen DLL-Dateien, ebenso bestehen Realbasic-Programme unter Linux nur aus einer ausführbaren Datei. Da das Basic-Runtime-Modul enthalten ist, sind die entstehenden Programme aber nicht gerade klein. Eine ansonsten funktionslose Anwendung mit einigen Menüpunkten war im Test knapp 2 MByte groß und trotzdem noch mit 40 dynamischen Bibliotheken gelinkt. Auch die Standardversion erzeugt zum Testen Binaries für Windows und Mac OS, allerdings laufen diese Programme nur fünf Minuten lang.
Die Installation der Binärpakete gestaltet sich erfreulich einfach. Für Benutzer von Red Hat Desktop und Novell Linux Desktop stehen RPM-Pakete zum Download bereit, außerdem gibt es Realbasic in einem TGZ-Archiv. Unter den aktuellen Distributionen funktionieren beide Varianten problemlos. Die Dokumentation steht in Form von PDF-Dokumenten ebenfalls auf der Realsoftware-Homepage zur Verfügung.
Beim ersten Start erfragt das Programm Name und E-Mail-Adresse, bevor es den Lizenzschlüssel aus dem Netz herunterlädt. Ein Upgrade von der Standard- auf die Professional-Version setzt lediglich einen entsprechenden Lizenzschlüssel voraus, der die gesperrten Funktionen freischaltet. Eine Neuinstallation ist dazu nicht erforderlich.
Die Realbasic-Oberfläche selbst steht anderen modernen Entwicklungsumgebungen in nichts nach (siehe Abbildung 1). Umsteiger von Visual Basic finden sich ebenso schnell zurecht wie Kenner anderer IDEs. Der Editor verfügt über Syntax-Highlighting und vervollständigt Schlüsselwörter, Variablen, Klassen sowie Methoden automatisch. Indem er Codeblöcke auf Wunsch ein- oder ausblendet, bleibt die Übersicht auch bei größeren Programmen erhalten.
Abbildung 1: Die Realbasic-Oberfläche kann sich in puncto Übersicht und Funktionsvielfalt mit anderen modernen Entwicklungsumgebungen messen.
Der Formulareditor enthält alle auf den drei unterstützten Plattformen existierenden Steuerelemente. Zusätzlich gibt es noch OLE-Elemente, um Microsoft-Word- und Excel-Objekte einzubetten. Sie funktionieren zwar wegen fehlender Betriebssystem-Unterstützung unter Linux nicht, tauchen aber dennoch in der Werkzeugleiste auf.
Beim Platzieren und Ausrichten der Elemente hilft ein Fadenkreuz-Cursor, der mit einer grünen Linie die Kanten anderer Objekte anzeigt und einrastet, wenn das aktive Element rechtwinklig zu einem anderen ausgerichtet ist (Abbildung 2). Unter Linux greift Realbasic zur Darstellung des GUI auf das GTK-Toolkit zurück.
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