Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2006

Linux New Media Award 2005

Am Puls der Zeit

Software, Hardware und Akteure - wer im abgelaufenen Jahr eine bedeutende Rolle in der Open-Source-Welt spielte, den prüften die kritischen Augen einer internationalen Jury aus Community und Industrie beim Linux New Media Award 2005. Die Sieger erhielten ihre Preise auf der Linux World Expo in Frankfurt.

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Abbildung 1: Besonderes Engagment für freie Software bewies Mark Shuttleworth (rechts). Dafür bedachte ihn die Jury mit einem der Awards (links).

Die Open-Source-Gemeinde setzt sich aus Menschen rund um den Globus zusammen. Dementsprechend lud die Linux New Media AG auch zur sechsten Auflage des gleichnamigen Awards eine internationale Jury ein (siehe Kasten "Die Jury 2005"). Rund 200 Mitglieder prämierten herausragende Leistungen auf dem Gebiet der freien Software. Neben Entwicklern, Autoren und Fachleuten aus der Industrie votierten im Jahr 2005 auch Vertreter aus der öffentlichen Verwaltung, die wachsendes Engagement für Open-Source-Software zeigt.

Trend VoIP

Die Award-Kategorien spiegeln einmal mehr aktuelle Trends wider: Linux erschließt sich immer neue Einsatzbereiche, beispielsweise die Internet-Telefonie. In der neuen Kategorie Voice-over-IP vereinte die freie PBX-Software Asterisk [http://www.asterisk.org] die meisten Stimmen auf sich, gefolgt von Skype [http://www.skype.com], durch das viele Endanwender erstmals in den Genuss der IP-Telefonie kamen.

In vielen Unternehmen läuft ohne Groupware heute gar nichts mehr. Sie vereint E-Mail, Adressverwaltung und Terminplanung. Open-Source-Software schickt sich an, den Platzhirsch Exchange in zahlreichen Firmen abzulösen. Kolab [http://kolab.org] errang unter den Groupwareservern den ersten Platz, dicht gefolgt von Open-Xchange [http://www.open-xchange.com].

Der Unternehmenseinsatz stellt besondere Anforderungen an Linux-Betriebssysteme, denen die Hersteller mit Enterprise-Distributionen Rechnung tragen. Über die Hälfte der Juroren vertraten die Ansicht, dass Novell-Produkte diesem Bedürfnis am besten entsprechen. Ein anderer Klassiker, Red Hat Enterprise, gewann rund ein Drittel der Stimmen und belegte damit Platz zwei.

Branchenriese IBM trennte sich zwar von seinem PC-Geschäft, setzt aber bei Servern wie der Open-Power-Reihe konsequent auf Linux. Das anhaltende Engagement honorierten die Preisrichter ebenfalls und verliehen dem Hersteller den ersten Preis in der Kategorie Linux-freundliche Hardware.

Ein Rückblick auf den Award 2004 verdeutlicht einen weiteren Trend: Im vergangenen Jahr war Ubuntu [http://www.ubuntulinux.org] noch ein viel versprechender Neuling und belegte in der Kategorie der Newcomer-Distributionen den zweiten Platz hinter dem ebenfalls Debian-basierten Skole Linux.

Shootingstar Ubuntu

Die Vorschusslorbeeren waren nicht vergeblich: Die Distribution hält 2005 den versprochenen Release-Zyklus durch, war auf Community-Veranstaltungen wie dem Linuxtag prominent vertreten und konnte sich eine beachtliche Benutzerbasis aufbauen. Das äußert sich in einem klaren ersten Platz mit 43,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Das "Linux for human beings" landete gar ein zweites Mal unter den Bestplatzierten: Auf Platz drei rangiert die KDE-Variante Kubuntu. Mit rund einem Viertel der Stimmen behauptete sich Knoppix, das Synonym für Linux-Live-CDs, auf Platz zwei.

Vor dem Hintergrund des Ubuntu-Booms überrascht es wenig, dass Mark Shuttleworth persönlich eine dritte Trophäe mitnehmen konnte. Sein Unternehmergeist ermöglichte erst das Projekt Ubuntu. Für sein herausragendes Engagement in Sachen Linux und freie Software - nicht nur bei Ubuntu, sondern für viele weitere Open-Source-Projekte in seiner Heimat Südafrika und darüber hinaus - erhielt er den Special Award.

Diesen ersten Platz muss er sich allerdings mit jemandem teilen, ohne den es weder Linux noch andere freie Programme gäbe: "The anonymous developer" lautete in diesem Jahr eine Nominierung, die die Jury mit Begeisterung aufgegriffen hat. Damit ehrt der Linux New Media Award 2005 alle, die ehrenamtlich, haupt- oder nebenberuflich an freier Software arbeiten - das Herz der Open-Source-Bewegung.

Linux New Media
Award 2005

 

Hardware

Most Linux-friendly Hardware Vendor

1. IBM

23,5 %

2. HP

16,3 %

3. AMD

11,3 %

Software

Best Groupware Server

1. Kolab

22,2 %

2. Open-Xchange

21,5 %

3. Open Groupware

15,3 %

Best VoIP Software

1. Asterisk

42,4 %

2. Skype

18,8 %

3. Gnomemeeting

15,8 %

Best Debian Derivative

1. Ubuntu

43,5 %

2. Knoppix

23,7 %

3. Kubuntu

9,6 %

Best Enterprise Server Distribution

1. Novell/Suse

53,3 %

2. Red Hat

36,7 %

3. Mandriva

8,3 %

Special Award

Outstanding contribution to Linux / Open Source

1. Mark Shuttleworth

12,1 %

2. The anonymous developer

12,1 %

3. Nosoftwarepatents.com / Florian Müller

9,6 %

4. City of Munich

8,9 %

Die Jury 2005

Für ein kompetentes Votum braucht es erfahrene Juroren - und die finden sich am einfachsten dort, wo Linux und Open-Source-Produkte im Einsatz sind: in der Community, in der Industrie, im Programmkomitee der Linux World Expo und unter den zahlreichen Experten der IT-Szene. Sie beobachten die Trends und kennen die Zusammenhänge. Gemeinsam mit den Redaktionen von Linux-Magazin, "LinuxUser" und "EasyLinux" sowie der fünf ausländischen Linux-Zeitschriften der Linux New Media AG gaben rund 200 Personen aus dem gesamten Spektrum in diesem Jahr ihre Stimme ab. In einem zweistufigen Verfahren wählten sie aus der langen Liste der Kandidaten jene aus, die in den letzten zwölf Monaten durch besondere Aktivität oder Originalität auffielen. Unter anderen waren in der Jury vertreten:

Horst Bräuner ist EDV-Koordinator der Stadt Schwäbisch Hall, die als eine der ersten Kommunen auf Linux umstellte.

Joe Casad hat zahlreiche IT-Fachbücher geschrieben. Seit 2004 ist er Chefredakteur des englischsprachigen "Linux Magazine".

Alan Cox ist altgedienter Kernelhacker und nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Er arbeitet für Red Hat, lebt in Wales und schreibt sein Tagebuch auf Walisisch.

J.D. Frazer ist besser unter seinem Künstlernamen Illiad bekannt. Er ist der Schöpfer der Cartoon-Reihe "User Friendly", die sich mit der Welt der Unix- und Open-Source-Geeks beschäftigt.

Heike Jurzik arbeitet seit 1996 mit Linux und schreibt als freie Journalistin für deutsche und englische Computerzeitschriften

Michael Kofler aus Graz ist der Autor eines Linux-Buchs, das umgangssprachlich als "der Kofler" bekannt ist. Es erscheint mittlerweile in der siebten Auflage und gilt unter deutschsprachigen Linux-Anwendern als Standardwerk.

Peter Kreussel schreibt als Redakteur der Zeitschrift LinuxUser über aktuelle Open-Source-Software, vor allem für Grafik und Webdesign.

Yuwei Lin erforscht an den Universitäten York und Amsterdam soziale und wirtschaftliche Aspekte freier Software.

Jon Masters ist Linux Consultant. Der Brite beschäftigt sich neben der Systemadministration mit Embedded Linux und FPGAs.

Peter Pfläging arbeitet bei der Stadt Wien im Bereich Netzwerk und Security. Dort setzt er bereits seit vielen Jahren auf Open-Source-Software.

Florian Schießl ist Angestellter der Stadt München und arbeitet an der Linux-Migration der städtischen Arbeitsplatzrechner.

Franz Schmid kennt die Formate Postscript und PDF auswendig, denn er entwickelt das freie DTP-Programm Scribus.

Tom Schwaller war einer der Gründungsväter des Linux-Magazins und dessen erster Chefredakteur. Der langjährige Open-Source-Verfechter arbeitet bei IBM mit Linux-Clustern.

Ralf Spenneberg ist Linux-Trainer, Buchautor und schreibt für das Linux-Magazin über Systemadministration.

Marcelo Tosatti wurde bereits mit 18 Jahren der Maintainer des Kernels 2.4. Er arbeitet für den Hardwarehersteller Cyclades.

Ole-Björn Tuftedal ist Chief Technology Officer in der IT-Strategieabteilung der norwegischen Stadt Bergen, die sich 2004 für die Migration zu Linux entschied.

Andrew Tridgell, genannt "Tridge", ist der Begründer des Samba-Projekts. Der Australier ist Fellow der Open Source Development Labs (OSDL).

Luis Villa sitzt im Vorstand der Gnome Foundation. Seine Spezialität ist die Qualitätssicherung, zuletzt leitete er die Entwicklung des Novell Linux Desktop.

Scott Wheeler nutzt seit 1996 Linux und ist seit 2001 im KDE-Projekt. Der gebürtige Texaner arbeitet für das Linux-Labor von SAP.

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