Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2005

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Die Kolumne berichtet aus der Perspektive von GNU-Projekt und FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse im Umfeld freier Software. Diese Ausgabe stellt ein neues Projekt zum Konvertieren von Vektorgrafikformaten vor und berichtet über die Probleme freier Software in Entwicklungsländern.

637

Abbildung 1: Vektorformate wie diese mit Inkscape erzeugten Grafiken lassen sich gut in andere Formate konvertieren, wenn die Dateistruktur bekannt ist - ein Vorteil freier Software.

Eric L. Wilhelm, Bruno Postle und Massimiliano Mirra entwickelten unabhängig voneinander Konzepte für das Speichern und Konvertieren von Vektorgrafikformaten (Abbildung 1). Mirras Xspace-Projekt verfolgt dabei den interessanten Ansatz, die geometrischen Objekte in Dateisystem-ähnlichen Strukturen abzulegen. Erprobte Unix-Werkzeuge helfen anschließend beim Betrachten und Bearbeiten der Daten. Neugierige finden auf der Xspace-Homepage [1] mehr Informationen dazu und einige Beispiele.

Im Blickpunkt dieser Ausgabe steht jedoch ein anderes Projekt, das einen neuen Weg fürs Konvertieren von Vektordaten geht: Statt die entsprechenden Algorithmen in einer Bibliothek abzulegen, gruppieren sich hierbei Helferprogramme um eine zentrale Anwendung. Ähnlich Fluglinien, die nicht alle Verbindungen direkt fliegen, sieht das Konzepte eine Radnabe vor, an der die Formatwandler andocken. Und da eine Radnabe auf Englisch Hub heißt, liegt die Bezeichnung Hubbed Design nahe. Dabei bedingt jedes neue Format nur einen zusätzlichen Konnektor, der über den Hub das Übersetzen in alle anderen Formate erlaubt (Abbildung 2).

Uber-Converter

Unter dem Namen Uber-Converter [2] legte Eric L. Wilhelm eine Implementation dieses Konzepts vor, das unter anderem auf einem Papier von Bruno Postle basiert [3]. Er arbeitet dabei mit mehreren Hubs unterschiedlicher Komplexität, die miteinander interagieren. Im ersten Schritt plant Eric einen auf die üblichen 2D- und 3D-Anwendungen spezialisierten Hub namens Rhizopod. Als Programmiersprachen dienen Python, Perl und Javascript.

Etwas unklar sieht derzeit die Lizenzsituation aus: Eric spricht von Open Source, doch obwohl der Quellcode frei zur Verfügung steht, ließ sich bei der Recherche keine freie Lizenz finden. Erics Artikel über die technischen Vorteile freier Software sowie die Ankündigung des Unternehmens Xara Ltd., dass es das Vorhaben unterstützt, legen jedoch nahe, dass eine freie Lizenz noch folgt. Zudem sucht Eric nach Freiwilligen, was ohne Urheberrechtsübertragung eine proprietäre Lizenz erschwert.

Insgesamt sieht das Projekt nach einem guten Ansatz aus. Das Versäumnis einer sauberen Lizenzierung hebt jedoch die technischen Vorteile freier Software auf und schafft eine Situation der Ungewissheit. Die Freigabe der Software wäre eigentlich der richtige Weg, sie sollte aber konsequent erfolgen. Ein Programm aus ideellen Gründen lediglich freie Software nennen, ohne dies festzuschreiben, sorgt am Ende nur für Probleme.

Geld spielt eine Rolle

Häufig setzen sich Menschen nicht aus ideellen Gründen, sondern einfach aus finanziellem Interesse für den Einsatz freier Software ein. Dabei sorgt das Thema Lizenzkosten regelmäßig für große Verwirrung. Microsoft etwa weist darauf hin, dass Lizenzkosten bei den Gesamtkosten für eine IT-Infrastruktur weniger ins Gewicht fallen. Die so genannten Total Cost of Ownership (TCO) wären der wichtigere Faktor [4]. Kostenvergleiche erscheinen jedoch erst dann realistisch, wenn sie die Gesamtkosten des Betriebs mit einbeziehen, also die Total Cost of Operation. In diese Kalkulation sollten aber auch langfristige und durch Marktmechanismen verursachte Summen einfließen.

Fragen und
Anregungen

Für Ideen, Anregungen und Kommentare zur Brave GNU World steht die Adresse [column@brave-gnu-world.org]zur Verfügung. Die Homepage des GNU-Projekts findet sich unter [http://www.gnu.org]. Georgs Kolumne „Brave GNU World“ steht online unter [http://brave-gnu-world.org] und die Initiative „We run GNU“ betreibt eine Webseite unter: [http://www.gnu.org/brave-gnu-world /rungnu/rungnu.de.html]

Fehlender Wettbewerb, wie zurzeit in einigen Segmenten des IT-Markts zu beobachten, trägt zu minderer Qualität und höheren Preisen bei - wie jedes Monopol. Die versteckten Kosten einer Abhängigkeit von bestimmten Herstellern bedrohen zum Teil die Existenz der Kunden. Es gibt genau einen Anbieter von Microsoft-Software, aber viele tausend Anbieter freier Software. Daher bedeutet eine Entscheidung für einen Anbieter von freier Software einen Schritt hin zu mehr Markt und Wettbewerb; die Entscheidung für den Monopolisten Microsoft steht dagegen für zentralisierte Planwirtschaft.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Brave GNU World

    Die Kolumne berichtet aus der Perspektive von GNU-Projekt und FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse im Umfeld freier Software. Diese Ausgabe stellt den Mbox-Cleaner vor und berichten über das Weltsozialforum in Porto Alegre.

  • Brave GNU World

    Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive von GNU-Projekt und FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software und versucht Einblicke in die zugrunde liegende Philosophie zu vermitteln. In dieser Ausgabe geht es um das Kolab-Projekt.

  • Brave GNU World

    Die Kolumne berichtet aus der Perspektive von GNU-Projekt und FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse im Umfeld freier Software. Diese Ausgabe widmet sich vollständig den betriebswirtschaftlichen Fragen freier Software und beleuchtet die Debatte von zwei Seiten.

  • Brave GNU World

    Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive von GNU-Projekt und FSF über Aktionen und aktuelle Geschehnisse im Umfeld freier Software. Diese Ausgabe wirft einen Blick hinter die Kulissen der FSFE-Hauptversammlung und auf die Entwicklungen innerhalb der FSFE im vergangenen Jahr.

  • Brave GNU World

    Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive des GNU-Projekts und der FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software. In dieser Ausgabe: Südamerika - politische Perspektiven, Telecentros, Brasilien als Lehrmeister, Terminologie-Diskussion.

comments powered by Disqus

Ausgabe 10/2016

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.