Open Source im professionellen Einsatz

Linuxtag 2005

Gebremster Andrang

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Mehr Vorträge und zusätzlicher Platz für freie Projekte bereicherten den Linuxtag 2005. Dass die Veranstaltung erstmals Eintritt kostete, scheint allerdings Besucher abgeschreckt zu haben.

Das Foyer der Karlsruher Gartenhalle hat schon besser besuchte Linuxtage gesehen (links). Freie Softwareprojekte konnten sich über eine vergrößerte Ausstellungsfläche freuen (rechts).

Das Foyer der Karlsruher Gartenhalle hat schon besser besuchte Linuxtage gesehen (links). Freie Softwareprojekte konnten sich über eine vergrößerte Ausstellungsfläche freuen (rechts).

Am 22. Juni startete bei hochsommerlichem Wetter der Linuxtag in Karlsruhe. Europas größte Linux-Veranstaltung ging damit in ihr elftes Jahr. Erstmals kosteten Messe und Vorträge Eintritt: das Tagesticket 15 Euro, eine Karte für alle vier Tage 35 Euro - Studenten erhielten 5 Euro Rabatt je Karte.

Weniger Besucher, mehr Vorträge

Diese Veränderung machte sich bei der Besucherzahl bemerkbar: Der Linuxtag 2005 konnte nur 12000 Besucher verbuchen, im Vorjahr waren es noch 16000. Andreas Gebhard, Pressesprecher des Veranstalters Linuxtag e.V. gab sich dennoch zufrieden: Es sei gelungen, mit 180 Vorträgen ein noch umfangreicheres Programm als in der Vergangenheit zu bieten.

Daneben wuchs die Ausstellungsfläche für freie Softwareprojekte um 400 Quadratmeter. Während sich mancher Aussteller gegenüber dem Linux-Magazin über geringes Laufpublikum beklagte, will Gebhard kaum Kritik gehört haben. Ein genaueres Bild erwartet er von der Auswertung der Fragebögen, die an Besucher und Aussteller verteilt wurden. Der Linuxtag sei der Community außerdem mit einem großzügigen Freikarten-Kontingent entgegengekommen. Über ein Schneeballsystem verbreiteten die Veranstalter rund 2500 elektronische Tickets.

Zahlreiche Softwareprojekte nutzten den Linuxtag als Treffpunkt. Die Fedora-Community etwa hielt in Karlsruhe die zweite FUDCon (Fedora User and Developer Conference) ab und stellte unter anderem den jüngst von Red Hat freigegebenen Fedora Directory Server vor. Scott Wheeler und Matthias Kretz von KDE begründeten in ihrem Vortrag den Abschied vom veralteten Arts-Daemon und nutzten den Linuxtag, um für ein neues KDE-Multimedia-Framework Kontakt zu den vielen anwesenden Audio-Entwicklern aus anderen Projekten zu suchen.

Ubuntu Linux, das Distributions-Wunderkind des letzten Jahres, war auch auf dem Linuxtag Thema. Unter anderem erörterte Benjamin Mako Hill in seinem unterhaltsamen Vortrag die bisweilen spannungsreiche Beziehung zwischen Debian und dessen Derivat Ubuntu. Mako ist Mitglied des Debian-Projekts und arbeitet gleichzeitig als Angestellter der Firma Canonical Ltd. an Ubuntu.

"Fork is a four letter word"

"Debian ist längst mehr als eine Distribution", sagte er, "es ist vielmehr das Zentrum eines Distributions-Ökosystems." Debian-basierte Linux-Distributionen seien keine Forks im traditionellen Sinn, so Mako. Sie benutzten vielmehr die Technologie des "Super project" Debian, um konkrete Anwenderbedürfnisse zu befriedigen - vollkommen legitim, solange man wie Ubuntu Verbesserungen wieder an das Debian-Ökosystem zurückgebe.

Mehrere Premieren feierte das Free-NX-Projekt, vertreten durch Kurt Pfeifle (KDE) und Fabian Franz (Knoppix). Die neue Release der Remote-Desktop-Software erlaubt es, das Fenster mit dem Schreibtisch des entfernten Rechners beliebig zu skalieren. Darüber hinaus läuft eine Session nach dem Trennen weiter. Ein ehrgeiziger Versuch der Entwickler, den Free-NX-Client noch während der Veranstaltung in Karlsruhe auf das neue Mobilgerät Nokia 770 zu portieren, schlug fehl. Das Team ist aber zuversichtlich und möchte diese Hürde bald nehmen.

Neben der Technologie hat die Politik auf dem Linuxtag einen festen Platz: Auf dem Business- und Behördenkongress berichtete Staatssekretärin Ute Vogt (Bundesinnenministerium) über den Einsatz freier Software bei Bund, Ländern und Kommunen. Eindringlich warnte sie vor möglichen Auswirkungen der geplanten EU-Patentrichtlinie. Vogt dürfte mittlerweile froher gestimmt sein: Am 6. Juli lehnte das EU-Parlament den Entwurf der Europäischen Kommission ab (siehe Artikel "Abgelehnt!").

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