Open Source im professionellen Einsatz

Notensatz unter Linux - eine Übersicht

Digitale Notenstecher

Noten schreiben ist eine aufwändige Kunst, Computerhilfe also jederzeit willkommen. Auch unter Linux ist dafür spezielle Software verfügbar, die ansehnliche Resultate produziert. Dieser Beitrag vergleicht die populärsten Satzprogramme.

»r8 g\' g g | es2fermata«. So klopft das Schicksal an die Pforte: »r8 f f f | d2 ~| dfermata«. Jedenfalls würde Lilypond [1] das berühmte Motiv [2] aus Beethovens Fünfter, der Schicksalssinfonie, so umschreiben, in einen Ascii-Slang für musizierende Rechenknechte.

Computer können nicht Noten lesen, also muss man ihnen die Flötentöne anders beibringen. Wo es um die Steuerung von computerisierten Tonerzeugern geht, hat sich dafür Midi etabliert [3]. Das ist jedoch als Binärformat von Hand kaum editierbar und daher dort ungeeignet, wo Menschen Musik maschinenlesbar niederschreiben wollen. Notensatzprogramme bieten einen Ausweg: Zwar importieren sie in der Regel auch Midi-Dateien, die man mit einem Instrument einspielen kann. Daneben verfügen sie aber entweder über grafische Editoren oder lesen spezielle Eingabefiles, die die gewünschte Partitur beschreiben.

Besonders die textbasierte Fraktion ist unter Linux mit leistungsfähigen Maschinensetzern am Start. Wer bei ihnen die letzten Hits der Garagenband, die Partitur für den Kirchenchor oder das Liederbuch fürs Lagerfeuer in Auftrag geben möchte, muss jedoch mit einer gewissen Einarbeitungsphase rechnen.

Abbildung 1a: Hier hat der menschliche Setzer die Bindebögen spiegelbildlich angeordnet, damit sie sich nicht überschneiden. Die Hälse der Noten für die linke Hand zeigen bevorzugt nach unten.

Abbildung 1a: Hier hat der menschliche Setzer die Bindebögen spiegelbildlich angeordnet, damit sie sich nicht überschneiden. Die Hälse der Noten für die linke Hand zeigen bevorzugt nach unten.

Abbildung 1b: Die zwei Takte aus einem Ragtime während der Eingabe in Noteedit: Die Darstellung der einzelnen Stimmen ist etwas unübersichtlich.

Abbildung 1b: Die zwei Takte aus einem Ragtime während der Eingabe in Noteedit: Die Darstellung der einzelnen Stimmen ist etwas unübersichtlich.

Abbildung 1c: Dieselben Takte, jetzt gerendert mit Abcm2ps. Das Ergebnis sieht manierlich aus, kleines Defizit im Vergleich zum Handsatz aus der Vor-Computer-Ära: Bindebögen überscheiden sich.

Abbildung 1c: Dieselben Takte, jetzt gerendert mit Abcm2ps. Das Ergebnis sieht manierlich aus, kleines Defizit im Vergleich zum Handsatz aus der Vor-Computer-Ära: Bindebögen überscheiden sich.

Sprachprobleme

Die Schriftsprache der Musik ist nun mal ziemlich komplex, was zwangsläufig zu einer größeren Menge an Schlüsselwörtern und Syntaxelementen für den Ascii-Tonsatz führt. Außerdem gibt es zwar Regeln für das Partiturlayout, aber auch ebenso viele Ausnahmen. Ein gutes Satzprogramm muss es dem Anwender daher erlauben, an einer Stelle Fähnchen zu setzen, wo es sonst automatisch Balken verwendet, oder dort die Notenhälse entgegengesetzt auszurichten. Solche Justagemöglichkeiten vergrößern den Sprachumfang ebenfalls merklich.

Musiker hierzulande kämpfen noch mit einer kleinen Zusatzschwierigkeit: Die Dokumentation der Programme ist fast durchweg englisch - und wie sagt man da gleich noch mal zum Auflösungszeichen? Das Linux-Magazin hilft mit einem kleinen Glossar (siehe Tabelle 1).

Das Grundprinzip der Tonsatzsprachen ist immer dasselbe: Die Noten werden beim Namen genannt, Apostrophe, Kommas oder ähnliche Zeichen markieren die gewünschte Oktave. Ziffern drücken die Dauer aus. Man muss sie aber nicht ständig notieren, weil sonst entweder ein Defaultwert gilt oder der Wert der vorangegangenen Note übernommen wird. Klammern zeigen Akkorde an, verschiedene Stimmen schreibt man in der Regel nacheinander auf und gruppiert sie bei Bedarf mit Hilfe besonderer Anweisungen. Was darüber hinausgeht, ist stark sprachabhängig.

Mup

Mup (Music Publisher) von Arkkra Enterprises [4] behauptet sich als Shareware für etwa 30 Dollar seit mehr als zehn Jahren neben der ansonsten freien Konkurrenz. Bei der Eingabe verlässt es sich ausschließlich auf seine eigene Beschreibungssprache, bei der Ausgabe produziert es Postscript-Dateien oder Midi-Files. Bis zu 40 Notensysteme pro Partitur und maximal 70 gleichzeitig erklingende Stimmen sollten für die meisten Einsatzfälle reichen.

Das Satzergebnis ist sehr ansehnlich, die Eingabesyntax mächtig, aber noch gut verständlich. Kleine Wermutstropfen sind vielleicht die mangelnde Unterstützung für ein neutrales Austauschformat wie Music XML [14] und das Fehlen eines grafischen Frontends.

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Ausgabe 07/2013

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