Heute ist es mir ein bisschen peinlich, aber ich bekenne es: In der Erinnerung der Leute, die mich damals kannten, und auch in der meinen war ich ein superbraves Kind. Kein Erwachsener musste mich von einer Fahrbahn vor einem herannahenden Auto retten, nie ging eine Scheibe durch einen von mir getretenen Fußball zu Bruch. Im Vergleich zu Gleichaltrigen war ich ein totaler Langweiler.
Trotz meines geringen Terrorpotenzials passierten manchmal Sachen, die meinem erstgradig verwandten Aufsichtspersonal negativ aufstießen. Dinge wie mit nassen Haaren im Freien rumtoben oder zerbrechliche Gegenstände betatschen. Wenn dann das Unvermeidliche passierte, fiel der Satz: "Siehst du, ich hab's dir ja gleich gesagt!" Dieser kassandröse Spruch bringt jeden Täter - hier: mich - jedes Mal in eine bis heute unvergessliche Defensive.
Nicht ohne selbstreflexive Ironie erwische ich mich heute das eine oder andere Mal dabei, den Satz "Siehst du, ich hab's dir ja gleich gesagt!" selber zu denken oder zu sagen. Gleich, wenige Zeilen weiter unten schreibe ich ihn gar in voller Absicht. Nein, nicht was Sie denken: Das Scheitern der EU-Richtline zu Softwarepatenten (siehe Seite 18) hab ich nicht vorhergesehen. Kein Stück! Brüssel ist für mich ein komplett nicht-deterministisches System.
Ich meine die SCO Group und deren gerichtsnotorische Anstrengungen, Linux-Anbietern urheberrechtlich die Pinguinfedern über die Ohren ziehen zu wollen. SCO hat nämlich gerade wieder eine empfindliche juristische Niederlage in den USA gegen IBM einstecken müssen. Es ging um den SCO-typisch vertrackten Vorwurf, IBM habe beim seit fünf Jahren mausetoten Monterey-Projekt Lizenzbestimmungen verletzt und seine Linux-Aktivitäten verschleiert.
Seht ihr, ich hab's euch ja gleich gesagt! SCO wird Schiffbruch erleiden. Gleiches prognostiziere ich für den Ausgang des anhängigen Gesamtprozesses. Dazu passt wie die Faust auf Anwalts Auge, dass jetzt eine SCO/Caldera-interne E-Mail an Darl McBride aus dem Jahr 2002 aufgetaucht ist, der kurz drauf CEO wurde. Aus der als echt eingestuften und unter Groklaw.net einsehbaren Nachricht geht hervor, dass das hausinterne Durchforsten des Linux-Quellcode irgendwann vorher keinerlei Beweise für Urheberrechtsverletzungen gefunden hatte. Das will so gar nicht zu den jüngeren Behauptungen der Amerikaner passen ...
Etwa mit 15 Jahren mutierte der brave Jan zum Leidwesen der
Pädagogen, denen ich übertragen war, zu einem
langhaarigen, faktisch unzähmbaren, Kunstlederjacke tragenden
Teenager. Entsprechend erhöhte meine Umwelt die "Siehst
du, ich hab's dir ja gleich gesagt!"-Freq
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