Open Source im professionellen Einsatz

Vor- und Nachteile von Tools für das Rapid Application Development

Entwicklerturbo?

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Für die einen revolutionär, für andere Kinderkram - an RAD-Werkzeugen scheiden sich die Geister. Das Linux-Magazin hat Verfechter beider Standpunkte um Begründungen gebeten.

Kann ein ambitioniertes Programmierwerkzeug Laien zu Entwicklern befördern, indem es ihnen das Kodieren abnimmt? Oder macht es sie in Wahrheit damit nur zu Sklaven einer unverstandenen Technik? Klickt man sich rascher durch ein paar Dialoge, als man deren Optionen tippen könnte, oder ist es umgekehrt? Vertreter des Rapid Application Development meinen, mit einer schnellen Lösung komme der Programmierer oft weiter als mit einer perfekten. Gegner argumentieren, in Softwareprojekten ginge die Zeit ohnehin nicht beim Entwickeln im engeren Sinn verloren.

Für beide Seiten lassen sich gute Argumente finden, das Linux-Magazin hat zwei seiner Autoren gebeten, sie zu erläutern. Der erfahrene Java-Profi Bernhard Bablok sieht eher skeptisch auf die vermeintlichen Vorzüge von RAD-Werkzeugen. Solide Handarbeit, meint er, ist in vielen Fällen effizienter.

Der Mathematiker, Autor und Dozent Ralph Steyer dagegen schildert die Vorzüge grafisch unterstützter Programmentwicklung. Für ihn überwiegen unterm Strich die Vorteile.

Pro

Im Prinzip braucht der Programmierer nicht mehr als einen Texteditor, in den er den Quelltext tippt. Eine so asketische Ausrüstung wäre außerdem billig, schlank und flink - denn jedes Betriebssystem liefert das nötige Werkzeug mit. Doch die meisten Programmautoren geben sich nicht mit der Minimalausstattung zufrieden und bevorzugen zumindest einen spezialisierten Editor, viele auch eine integrierte Entwicklungsumgebung (IDE) und manche darüber hinaus spezielle Tools für schnelles Prototyping oder visuelles Programmieren - die Grenzen sind jeweils fließend, von Stufe zu Stufe winkt Komfortgewinn.

So verlangt ein grafisches Programmiertool sehr viel weniger Tipparbeit und entbindet den Benutzer zusätzlich von dem Zwang, alle Befehle mit allen Parametern in exakter Schreibweise im Kopf zu behalten. Das hilft besonders Programmierern, die permanent zwischen verschiedenen Sprachen wechseln und daher Gefahr laufen, Ausdrücke zu verwechseln. Solchen Irrtümern, aber auch einfachen Tippfehlern beugt eine intelligente Arbeitsumgebung wirksam vor.

Routinejobs für Assistenten

Programme schreiben heißt sich wiederholen: Bestimmte Standardaktionen müssen immer wieder kodiert werden - etwa das Erzeugen einer grafischen Benutzeroberfläche oder der Zugriff auf Datenbanken nebst Darstellung der Abfrageergebnisse. Warum soll ein Programmierer im Grunde triviale Dinge immer wieder neu manuell eingeben, wenn ein Programm das besser, schneller und fehlerfreier kann? Es ist sinnvoller, wenn sich ein Programmierer auf die Dinge konzentriert, die ihm kein Code-Assistent abnehmen kann. Bei Standards sollten jedoch wenige Mausklicks und ein paar Eingaben in Assistenten genügen, aus denen der Rechner selbstständig das Grundgerüst für ein umfangreiches Programm zimmert.

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Ausgabe 07/2013

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