Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2005

Open Embedded: PDA-Pakete selber schnüren

Zwerge aufpäppeln

Eigene Programmpakete oder Installationsimages für kleine digitale Begleiter basteln ist kompliziert und fehlerträchtig. Open Embedded hilft den Besitzern von Zaurus-PDAs, I-PAQs und Simpads umfassend.

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PDAs verwalten Termine und Adressen, verarbeiten Office-Dokumente, spielen MP3s und Videos vor und verbinden sich mit dem Internet. Die meisten der persönlichen digitalen Assistenten laufen mit proprietären Betriebssystemen - einige jedoch mit einem eingebetteten Linux. Dank der Arbeit zweier Community-Projekte stehen sich die Pinguin-Pfleger keineswegs schlechter als die anderen. OPIE (Open Palmtop Integrated Environment,[1] und[2]) benutzt zur Grafikausgabe den Videoframebuffer von Linux und fußt auf Qt Embedded. GPE (GPE Palmtop Environment,[3]) setzt auf X11 und GTK+.

Punkte gegenüber anderen PDA-Betriebssystemen sammeln mobile Linuxe mit der von großen Rechnern ererbten Softwarevielfalt. Wer seinen PDA zum Schweizer Taschenmesser eines Systemadmininstrators mit Tools wie Minicom, SSH, Nessus oder Ethereal ausbauen will oder wer auch in der Bahn Doom oder Monkey Island mit der Scumm-VM daddeln muss oder zu Hause einen Strom sparenden ADSL-Router mit Webinterface braucht, den wird Embedded Linux nicht enttäuschen.

Kreuz und quer

Für die ohnehin mit Linux ausgelieferten Zaurus-PDAs von Sharp (Abbildung 1), für Hewlett-Packards I-PAQ-Modellreihe (Abbildung 2) und für das Simpad von Siemens gibt es gut gepflegte Distributionen: Open Zaurus[4], Familiar (I-PAQ,[5]) und Open Simpad[6]. Auf den jeweiligen Projektseiten liegen so genannte Flashimages zur erstmaligen Installation zum Download, meist mehrere Ausführungen unterschiedlichen Umfangs der vorinstallierten Programme.

An gleicher Stelle lagert eine Vielzahl fertiger Programmpakete in Form von IPK-Dateien, die der Itsy Package Manager IPKG, eine schlanke Abwandlung von Debians DPKG, zu verarbeiten weiß.

Illusion: Kompilieren auf dem PDA

Problematisch wird's, sobald man ein distributionsfremdes Linux-Programm auf dem mobilen Begleiter installieren will oder fehlerhafte Treibermodule oder gar den ganzen Kernel ersetzen muss. Denn PDAs eignen sich mit ihren knapp bemessenen Ressourcen nicht oder nur sehr bedingt zum Übersetzen und Linken komplexer Programme.

Die Binaries auf einem Desktop-Rechner erzeugen wäre allein schon wegen der unterschiedlichen Prozessor-Plattformen nicht leicht. Hierzu bedarf es einer so genannten Crosscompiler-Toolchain, die den plattformfremden Maschinencode generiert. Bis zum fertigen IPK-Paket wollen aber zuvor alle möglichen Bibliotheken erzeugt, die sich daraus ergebende Abhängigkeiten aufgelöst und allerlei Umgebungsvariablen angepasst werden - ein Zeit raubendes und fehlerträchtiges Verfahren, das nach Automatisierung schreit.

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