Mit SSH und Systemmanagement-Programmen lassen sich kleinere administrative Aufgaben und der tägliche Blick in die Server-Logs bequem vom Arbeitsplatz aus erledigen - solange der Server per Netzwerk erreichbar ist. Bootet der Rechner hingegen nicht mehr, etwa weil sich Werte im CMOS unerwartet verstellt haben, der automatische »fsck« schief ging oder die IP-Adresse falsch eingetippt wurde, muss der Administrator vor Ort die Tastatur bedienen.
Mit Remote-KVM-Lösungen lassen sich nicht nur mit wenig Aufwand viele Rechner gleichzeitig überwachen, sie ersparen auch den einen oder anderen Weg ins Rechenzentrum.
Das Competence Center Hardware des Linux-Magazins suchte aus dem reichhaltigen Angebot von KVM-Lösungen am Markt drei Systeme aus, die sich sowohl für kleine als auch mittlere Unternehmen eignen.
Raritan Z-4200U Kit
Das Komplettset Z4200U von Raritan ist mit rund 925 Euro relativ günstig. Es besteht aus einer analogen Bedienkonsole für einen Benutzer und drei so genannten Z-CIMs (Computer Interface Modules). Bei den Z-CIMs handelt es sich um KVM-Interfaces, die der Administrator auf den VGA-Anschluss des zu verwaltenden PC schraubt und zusätzlich mit den PS/2-Anschlüssen verbindet.
Für den Kontakt der Z-CIMs zur Bedienkonsole, an der Monitor, Tastatur und Maus des Benutzers oder Administrators angeschlossen sind, verwendet Raritan herkömmliche Cat-5-Kabel. Zudem führt nur ein einziges Kabel von den Z-CIMs zur Bedienkonsole: Alle CIMs besitzen zwei RJ45-Ports und werden hintereinander geschaltet. Bei bis zu 42 CIMs pro Kette vereinfacht das die Verkabelung in Server-Racks spürbar.
Der Nachteil der CIM-Ketten ist, dass pro Kette lediglich ein CIM aktiv sein kann. Wird die Kette etwa an den Mehrbenutzer-fähigen Paragon-Switch von Raritan statt an der mitgelieferten Bedienkonsole angeschlossen, kann trotzdem immer nur ein Benutzer auf einen Server in der Kette zugreifen.
Das Verbindungsprotokoll der Z-CIMs untereinander und mit der Bedienkonsole ist nicht IP-basiert und lässt sich damit nicht in das normale Netzwerk integrieren - es ist eine separate Leitung erforderlich, die bis zu 300 Meter lang sein darf. Für den Remote-Zugriff per Browser und Java-Bedienkonsole bietet Raritan optional den IP-Reach-Server an.
Einer nach dem anderen
Die Verkabelung und Konfiguration der Z-CIMs erscheint zunächst ungewöhnlich umständlich: Das Handbuch weist ausdrücklich darauf hin, dass jedes Z-CIM einzeln angeschlossen und konfiguriert werden müsse. Tatsächlich erkennt die Bedienkonsole aber auch mehrere fabrikneue Z-CIMs ohne weiteres.
Einzig die anschließende Zuordnung ist dann etwas unkomfortabler: Im On-Screen-Menü der Bedienkonsole tauchen die neuen Z-CIMs lediglich mit ihrer Seriennummer als Identifikationsmerkmal auf, der Administrator muss also schon wissen, welches Z-CIM an welchem Rechner steckt, um nicht schnell den Überblick zu verlieren.
Zum Glück lassen sich die Seriennummern durch Klarnamen ersetzen, die das Z-CIM intern speichert, sodass man die Rechner selbst dann noch wiedererkennt, wenn mehrere Z-CIMs vor und hinter den bestehenden angefügt werden. Dabei ist tunlichst zu beachten, die beiden RJ45-Anschlüsse für Ein- und Ausgang nicht zu vertauschen - sonst bleibt der Monitor dunkel, selbst wenn die Z-CIMs korrekt im On-Screen-Menü auftauchen.
Die Benutzeroberfläche (Abbildung 1) ist komplett in Englisch gehalten und bietet nur wenige Funktionen zum Verwalten der Z-CIMs. Einen Zugangsschutz wie beim Cat-Center von Guntermann & Drunck (siehe nächsten Absatz) gibt es nicht, der Administrator muss notfalls einen entsprechenden Bildschirmschoner mit Passwortabfrage auf allen Maschinen installieren.