Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2005

Fernwartung seriell und per KVM

Überreichweite

Um schnell einen Blick auf den Monitor des Fileservers im Nebenraum zu werfen, braucht niemand einen langen Hals zu machen. Die Lösung sind Remote KVM-Switches (Keyboard, Video, Mouse) und serielle Konsolen-Server, die größere Distanzen überbrücken.

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Mit SSH und Systemmanagement-Programmen lassen sich kleinere administrative Aufgaben und der tägliche Blick in die Server-Logs bequem vom Arbeitsplatz aus erledigen - solange der Server per Netzwerk erreichbar ist. Bootet der Rechner hingegen nicht mehr, etwa weil sich Werte im CMOS unerwartet verstellt haben, der automatische »fsck« schief ging oder die IP-Adresse falsch eingetippt wurde, muss der Administrator vor Ort die Tastatur bedienen.

Mit Remote-KVM-Lösungen lassen sich nicht nur mit wenig Aufwand viele Rechner gleichzeitig überwachen, sie ersparen auch den einen oder anderen Weg ins Rechenzentrum.

Das Competence Center Hardware des Linux-Magazins suchte aus dem reichhaltigen Angebot von KVM-Lösungen am Markt drei Systeme aus, die sich sowohl für kleine als auch mittlere Unternehmen eignen.

Raritan Z-4200U Kit

Das Komplettset Z4200U von Raritan ist mit rund 925 Euro relativ günstig. Es besteht aus einer analogen Bedienkonsole für einen Benutzer und drei so genannten Z-CIMs (Computer Interface Modules). Bei den Z-CIMs handelt es sich um KVM-Interfaces, die der Administrator auf den VGA-Anschluss des zu verwaltenden PC schraubt und zusätzlich mit den PS/2-Anschlüssen verbindet.

Für den Kontakt der Z-CIMs zur Bedienkonsole, an der Monitor, Tastatur und Maus des Benutzers oder Administrators angeschlossen sind, verwendet Raritan herkömmliche Cat-5-Kabel. Zudem führt nur ein einziges Kabel von den Z-CIMs zur Bedienkonsole: Alle CIMs besitzen zwei RJ45-Ports und werden hintereinander geschaltet. Bei bis zu 42 CIMs pro Kette vereinfacht das die Verkabelung in Server-Racks spürbar.

Der Nachteil der CIM-Ketten ist, dass pro Kette lediglich ein CIM aktiv sein kann. Wird die Kette etwa an den Mehrbenutzer-fähigen Paragon-Switch von Raritan statt an der mitgelieferten Bedienkonsole angeschlossen, kann trotzdem immer nur ein Benutzer auf einen Server in der Kette zugreifen.

Das Verbindungsprotokoll der Z-CIMs untereinander und mit der Bedienkonsole ist nicht IP-basiert und lässt sich damit nicht in das normale Netzwerk integrieren - es ist eine separate Leitung erforderlich, die bis zu 300 Meter lang sein darf. Für den Remote-Zugriff per Browser und Java-Bedienkonsole bietet Raritan optional den IP-Reach-Server an.

Einer nach dem anderen

Die Verkabelung und Konfiguration der Z-CIMs erscheint zunächst ungewöhnlich umständlich: Das Handbuch weist ausdrücklich darauf hin, dass jedes Z-CIM einzeln angeschlossen und konfiguriert werden müsse. Tatsächlich erkennt die Bedienkonsole aber auch mehrere fabrikneue Z-CIMs ohne weiteres.

Einzig die anschließende Zuordnung ist dann etwas unkomfortabler: Im On-Screen-Menü der Bedienkonsole tauchen die neuen Z-CIMs lediglich mit ihrer Seriennummer als Identifikationsmerkmal auf, der Administrator muss also schon wissen, welches Z-CIM an welchem Rechner steckt, um nicht schnell den Überblick zu verlieren.

Zum Glück lassen sich die Seriennummern durch Klarnamen ersetzen, die das Z-CIM intern speichert, sodass man die Rechner selbst dann noch wiedererkennt, wenn mehrere Z-CIMs vor und hinter den bestehenden angefügt werden. Dabei ist tunlichst zu beachten, die beiden RJ45-Anschlüsse für Ein- und Ausgang nicht zu vertauschen - sonst bleibt der Monitor dunkel, selbst wenn die Z-CIMs korrekt im On-Screen-Menü auftauchen.

Die Benutzeroberfläche (Abbildung 1) ist komplett in Englisch gehalten und bietet nur wenige Funktionen zum Verwalten der Z-CIMs. Einen Zugangsschutz wie beim Cat-Center von Guntermann & Drunck (siehe nächsten Absatz) gibt es nicht, der Administrator muss notfalls einen entsprechenden Bildschirmschoner mit Passwortabfrage auf allen Maschinen installieren.

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