Open Source im professionellen Einsatz

Linux- und Windows-Server per Microsoft Management Console administrieren

Leiharbeiter

Will ein Windows-Admin auch Linux-Server verwalten oder wenigstens seinen Linux-Kollegen bei der täglichen Systempflege helfen, dann wünscht er sich dafür ein Snap-in für die Microsoft Management Console. Das neue Produkt Interstructures verspricht genau dies. Wie viel die Snap-ins halten, untersucht dieser Test.

Die Mischung ist weit verbreitet: Linux- und Windows-Server bedienen gemeinsam ein Netz mit Windows-Clients. Viel seltener sind die dazu passenden janusköpfigen Administratoren, die sich in beiden Welten gleichermaßen wohl fühlen und gekonnt Dienste, Freigaben, Benutzerkennungen und mehr einrichten. Meist gibt es eigene Spezialisten für jedes der beiden Systeme. Ist der Linux-Admin gerade nicht verfügbar, wäre es hilfreich, wenn einer der Windows-Verwalter wenigstens einen Teil seiner Aufgaben übernehmen könnte.

Admin ohne Grenzen

Die New Yorker Softwareschmiede QCD Microsystems will dafür sorgen, dass diese Leiharbeit auch ohne Linux-Kenntnisse klappt. Ihr neu entwickeltes Produkt Interstructures[1] gibt Windows-Administratoren über ihre gewohnte MMC (Microsoft Management Console) Zugriff auf Linux-Dienste. Die Software arbeitet als Client-Server-System, der Server läuft unter Linux und nimmt Kommandos vom Windows-Client entgegen. Die Kommunikation läuft per SOAP (Simple Object Access Protocol) über eine SSL-verschlüsselte HTTP-Verbindung. Der Interstructures-Server benutzt dazu Apaches Tomcat[5].

Unter Windows startet und beendet der Admin Dienste auf seinen Linux-Maschinen (Interstructures nennt das entsprechende Modul NT-Services). Dazu kommen Konfigurationsmodule für DHCP, Squid und Samba, bei Letzterem als AD-Mitglied (Active Directory,[3]) oder als PDC (Primary Domain Controller).

Fernwartung

Diese Fernwartung von Windows aus wäre bei Samba beispielsweise auch mit SWAT zu erledigen, dem Samba Web Administration Tool[4]. Dieses Webfrontend ist Teil der Samba-Distribution. Die QCD-Software ist aber mehr als ein SWAT-Ersatz, sie erleichtert die Arbeit für den Windows-Admin erheblich. Interstructures nimmt viele Einstellungen vorweg oder beschränkt sie auf bestimmte sinnvolle Funktionen. Der wichtigste Vorteil ist aber: Die Module sind in der Windows-Welt kein Fremdkörper, sondern fügen sich nahtlos in die vorhandene MMC-Struktur ein, während SWAT, Webmin[6] und ähnliche Programme Browser-basiert arbeiten.

Interstructures

Produkt: Interstructures, [http://www.interstructures.com]

Getestete Version: 1.2.0-4

Aufgabe: Administration von Linux-Servern von einem Windows-Client aus über MMC-Snap-ins (Microsoft Management Console).

Hersteller: QCD Microsystems, [http://www.qcdmicrosystems.com]

Windows-Konsole: Windows 2000/XP/2003 mit MMC (Microsoft Management Console)

Linux-Server: Zertifiziert für Fedora Core, Red Hat Enterprise Linux 2, 3 und 4 sowie Suse Linux Enterprise Server 8 und 9. Die Active-Directory-Integration braucht ACL-Unterstützung (Access Control Lists) sowie Samba 3.

Windows-Server: Windows 2000/2003 Active Directory

Module: Derzeit für Samba als PDC (Primary Domain Controller) oder AD-Mitglied (Active Directory), Squid, DHCP und NT-Services. Angekündigt: FTP, Apache, DNS und Syslog-Integration mit dem Windows-Eventlog.

Preis: QCD arbeitet noch an der Preisliste. Geplant sind rund 500 US-Dollar pro Dienst und Server sowie eine Small-Business-Box mit eigener Preisgestaltung.

Abbildung 1: Das QCD-GUI sucht auf dem Linux-Server nach Diensten. Installieren meint, den Dienst unter die Kontrolle der NT-Services zu stellen.

Abbildung 1: Das QCD-GUI sucht auf dem Linux-Server nach Diensten. Installieren meint, den Dienst unter die Kontrolle der NT-Services zu stellen.

Hersteller QCD erwähnt auf seinen Webseiten, dass die Software auf allen großen Linux-Distributoren läuft und nennt explizit Red Hat und Suse. Bei den ersten Versuchen der Tester (mit »NTServices20040002u1«) beschränkte sich die Suse-Kompatibilität aber auf SLES 3 (Suse Linux Enterprise Server).

Die Entwickler hatten offensichtlich nur mit dieser Suse-Ausgabe sowie auf RHEL (Red Hat Enterprise Linux) getestet. Darauf hingewiesen sandte QCD aber ein Patch, mit dem Interstructures auch auf einem gewöhnlichen Suse Linux 9.2 lief. Der Hersteller verspricht, bei distributionsabhängigen Fehlern dem Kunden mit Patches beizustehen.

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