Open Source im professionellen Einsatz

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Auch vorigen Monat gab es Neuigkeiten in der Welt der freien Software. Wir picken die Leckerbissen heraus. Dieses Mal: DRBD als Netzwerk-Raid für kleine Ansprüche, Linux-Programme auf Mac OS X mit Fink und alles über die Wahl zum Debian Project Leader. Für Gourmets gibt's Birnen-Streuselkuchen.

Abbildung 1: Fink installiert unter anderem die Bildbearbeitung Gimp unter Mac OS X.

Abbildung 1: Fink installiert unter anderem die Bildbearbeitung Gimp unter Mac OS X.

Aus den Chemnitzer Linuxtagen 2005 lässt sich eine Lehre ziehen: Linux ist bereit - auch für die Lehre an Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen. Die Projekteküche berichtete bereits über die Distribution Skolelinux[1]. Deren Mitarbeiter basteln an einer neuen Major-Release, die auf der bis dahin hoffentlich stabilen Debian-Version 3.1 (Sarge) basieren wird. Dabei wollen die Entwickler viele Features wie die genauere Körnung des Internetzugriffs für einzelne Gruppen integrieren.

Mac OS X und Fink

Mac OS X und sein Unterbau Darwin[3] gehören zu den Produkten, die die FOSS-Gemeinde spalten. Einerseits verwenden viele Linux-Benutzer auch Mac OS X. Zum Teil weil dieses System auf frisch gekauften Macintosh-Rechnern bereits vorinstalliert ist, aber auch, weil die Oberfläche den Ruf genießt, sich intuitiv und benutzerfreundlich bedienen zu lassen.

Andererseits lehnen viele das Betriebssystem mit dem Apfel kategorisch ab - Oberfläche hin oder her. Vor allem die Tatsache, dass Apple sich eines BSD-Kernels bedient hat und diesen nun als Bestandteil seines Systems verteilt, stößt viele ab, auch wenn die BSD-Lizenz das Verfahren durchaus erlaubt. Dass Apple außerdem beispielsweise beim Entwickeln von Treibern für seine Standard-WLAN-Lösung Airport Extreme den freien Betriebssystemen jede Mithilfe verweigert, entspricht auch nicht gerade dem Give-back-Prinzip.

So installieren viele Mac-OS-X-Gegner, ob aus politisch-philosophischen oder aus technischen Gründen, auf ihren Apple-Rechnern Linux. Die Installation birgt jedoch neben dem Zeitaufwand gerade für Umsteiger von 386-basierten PCs einige Klippen. Aber zumindest für alle Anwender, die Mac OS X nicht aus Prinzip ablehnen, sondern nur ihre Linux-Anwendungen einsetzen wollen, führt ein Weg um die aufwändige Linux-Installation herum.

Das Fink-Projekt[2] hat es sich zum Ziel gesetzt, die gängigsten Tools und Programme aus der Unix-Welt auf Mac OS X und Darwin zu portieren. So lässt sich mit Fink praktisch eine komplette Linux-Oberfläche unter Mac OS X installieren und ohne lähmende Emulationsschicht ausführen. Die Fink-Entwickler nutzen dabei die Tatsache, dass Darwin der Unix-Welt entstammt. Läuft ein Programm also auf einem BSD-System oder auf Linux, dann kompiliert es zumindest in der Theorie auch auf Mac OS X. Die entsprechenden Entwicklungsdateien stellt Apple unter[4] bereit.

Mac-Anwender, die Fink einfach ausprobieren möchte, brauchen den Compiler gar nicht anzufassen. Sie installieren Fink aus einem Binärpaket von der Homepage[2], aktualisieren die Paketliste und gegebenenfalls auch Fink mit dem grafischen Installer. Über das Frontend lassen sich auch Pakete zur automatischen Installation wählen.

Alte Bekannte

Wer die Textkonsole dem grafischen Frontend vorzieht, kommt bei Fink ebenfalls auf seine Kosten. Denn im Terminal steht »apt-get« zur Paketinstallation bereit, für Debian-Nutzer ein bekanntes Programm. Das weist bereits auf das Paketsystem hin, das die Fink-Entwickler auserkoren haben: Der Debian Paketmanager DPKG[5] verwaltet die per Fink installierten Pakete, sie lassen sich mit Fink nicht nur bequem installieren, sondern auch ohne Rückstände wieder entfernen. Die Liste der von Fink unterstützten Pakete beeindruckt durch ihre Länge.

Wer die Mac-OS-X-Oberfläche nicht mag, installiert XFree86 und KDE oder Gnome, danach ist der Unterschied zum Linux-Desktop an der Oberfläche kaum noch zu erkennen. Manche Pakete stehen noch nicht vorkompiliert zur Verfügung, aber meist sind die CVS- oder Rsync-Versionen im Fink-Verzeichnis auf dem aktuellen Stand. Damit bauen sich Anwender fehlende Programme mit wenigen Shellkommandos selbst - das Zusammenspiel zwischen Binär- und Quellpaketen gelingt Fink einwandfrei (Abbildung 1). Weitere Prunkstücke der Fink-Paketsammlung[6] heißen Wget, Apache oder Gimp.

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