Von links: Alan Cox diskutiert über die Natur von Bugfixes im Linux-Kernel; Theo de Raadt bedankt sich für den Free Software Award; Richard Stallman im Gespräch mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales; die Community trägt Selbstgestricktes im Zeichen des Pinguins.
Auch im fünften Jahr ihres Bestehens bleibt die Entwicklerkonferenz Fosdem (Free and Open Source Developers European Meeting) puristisch und ihren Prinzipien treu: kostenlos, so technisch wie möglich und nur so kommerziell wie nötig. Das Konzept zieht immer mehr Entwickler aus ganz Europa und den USA an. Darunter wie immer einige bekannte Namen: Alan Cox, Wikipedia-Gründer Jimbo Wales, Richard Stallman, Theo de Raadt von Open BSD, KDE-Gründer Matthias Ettrich.
Die Veranstalter gaben die Teilnehmerzahl mit 3500 an, wobei sie aber die Besucher des ersten und zweiten Tages einfach addierten. Da die meisten an beiden Tagen erschienen, dürfte eine Zahl zwischen 2000 und 2500 realistischer sein.
Alan Cox zeigte bei einer Keynote, dass der Linux-Kernel immer noch für volle Säle sorgen kann. Etwa 700 Zuhörer amüsierten sich über seine deftigen Beschreibungen der Release-Politik und der Probleme bei der Fehlersuche im Kernel ("Linus is an excellent developer, Linus is a crap engineer"). Seine Forderungen: Nicht mehr alle Bugs reparieren, sondern sich auf die wichtigsten beschränken und den Patch-Prozess stärker formalisieren.
Freies Wissen und freie Software
Auch beim Vortrag von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales war das Auditorium dicht besetzt. Er zeigte, dass in der Wikipedia, ähnlich wie in den meisten freien Softwareprojekten, nur ein kleiner Teil aller Beteiligten die meiste Arbeit leistet. So kommen 80 Prozent aller Einträge von zehn Prozent der angemeldeten Nutzer. Er bat anwesende Techniker, sich bei der Entwicklung der Wikipedia und ihrer Software Mediawiki zu beteiligen.
Scott Wheelers KDE-Vortrag[3] thematisierte den Desktop als durchsuchbares Kontext-Web. Als eines der Negativbeispiele für die Grenzen der herkömmlichen Desktop-Ordnung führte er KControl aus dem eigenen Projekt an, das mit über 1000 hierarchischen Optionen die Nutzer überfordert. In einem nicht hierarchischen Desktopmodell soll der Nutzer auf die gleiche Art und Weise Informationen finden wie im Web mit Google.
Sarge im Frühjahr?
Die eigentliche Stärke der Konferenz liegt jedoch nicht in den großen Keynotes, sondern in Vorträgen und Diskussionen im kleineren Kreis. So diskutierten Debian-Entwickler über den künftigen Release-Zyklus und die Chancen, Sarge bald zu veröffentlichen. Am Rande hieß es, Ende April könne als Release-Datum realistisch sein. Immer noch sind aber hunderte kritischer Bugs zu reparieren und am Installer viel Arbeit zu leisten.
Zum ersten Mal auf einer Entwicklerkonferenz vertreten war das von der EU-Kommission finanzierte Calibre-Projekt, das die Organisationsformen freier Softwareentwicklung erforscht[2].