Linux-Distributoren wollen Anwendern den Einstieg in Linux so schmackhaft wie möglich machen und Systemadministratoren von der Stabilität ihrer Produkte überzeugen. Da sich die Integration neuester Anwendersoftware und das Streben nach Stabilität nicht immer vertragen - Fehler einer Software sind oft nicht von Anfang an ersichtlich oder treten erst im Zusammenspiel mit anderen Programmen zu Tage - führen die meisten Distributoren deshalb zwei oder mehrere Produktlinien.
Für Endanwender liefern Mandrake, Novell und Red Hat Produkte, die die jeweils aktuelle Kernelversion und stets neue Versionen der grafischen Oberflächen KDE und Gnome enthalten. Auch bei den übrigen Paketen achten sie darauf, die Versionen so aktuell wie möglich zu halten. Diese Produkte bringen die Distributoren unter den Namen Suse Linux Professional, Mandrakelinux und Fedora Core alle sechs bis acht Monate auf den Markt. Die darin enthaltene Software ist zwar in der Regel auf dem neuesten Stand, bringt aber selten die Stabilität und Kontinuität mit, die sich der professionelle Anwender wünscht.
Business-Lösungen
Für Administratoren von Servern in Firmen bietet sich deshalb eine der Enterprise-Lösungen an: Mandrakelinux Corporate Server, Red Hat Enterprise Linux oder Suse Linux Enterprise Server. Bei diesen Produkten geht es den Distributoren darum, möglichst stabile und langlebige Softwareversionen einzusetzen. Der Release-Zyklus beträgt folglich auch 18 Monate.
Auf Updates der Kernelversion verzichten die Distributoren in der Regel, um die Kontinuität des bestehenden Systems zu gewährleisten. Falls nötig bauen die Entwickler Funktionen aus neueren Kernelversionen in den alten Kernel ein (so genanntes Backporting). Weitere große Unterschiede zwischen den Endanwender- und den Businessprodukten sind die Lizenzierung und der Support.
Während die Software für Heimanwender in der Regel frei verfügbar ist und der Distributor dazu kaum Support anbietet, sind die Enterprise-Lösungen meist per Server oder per CPU lizenziert und mit einem umfangreichen Support-Angebot verbunden (siehe Kasten "Preise, Support und Zertifizierung"). Die Enterprise-Produkte und der damit verbundene Support bilden entsprechend auch das wichtigste Standbein von Red Hat & Co.
Enterprise Linux 4
Red Hat verwendet in Enterprise Linux 4 (RHEL 4, [1]) Kernel 2.6.9-5EL. Als besondere Neuigkeiten sind die Integration von SE-Linux [2] und LVM in der Version 2 zu nennen. Mit Hilfe von SE-Linux lässt sich der Zugriff von Applikationen auf Dateien und Geräte beschränken. So dürfen beispielsweise Programme nur noch Dateien modifizieren, die ihnen zugeordnet sind. Das begrenzt den Schaden, den ein Angreifer über ein kompromittiertes Programm anrichtet. Zusätzlich zu diesen Neuerungen entfällt in RHEL 4 das Storage-Limit der Vorgängerversion von 2 GByte.
Red Hat hat sich mit Enterprise Linux 3 zum Linux-Marktführer etabliert. Mit Version 4 möchte das amerikanische Unternehmen nun offiziell Solaris den Rang als Enterprise-Serversystem streitig machen. Dazu hat die Firma in RHEL 4 das Red Hat Networks Management um einige Solaris-spezifische Funktionen erweitert. So ist es jetzt möglich, Solaris-Rechner über einen zentralen RHEL-4-Server zu updaten. Red Hat garantiert für den Enterprise Server sieben Jahre Maintenance. Das Produkt gibt es in zwei Versionen: RHEL 4 ES ist für den Einsatz auf kleinen und mittleren Servern gedacht, die AS-Version richtet sich an große Datenzentren. Dem folgenden Test lag die ES-Variante zu Grunde. Informationen zu den unterstützten Plattformen zeigt Tabelle 1.
Abbildung 1: Mandrakes Corporate Server 3.0 enthält eine Reihe von Server-Assistenten, die bei der Konfiguration verbreiteter Servertools helfen. Zu sehen ist der DCHP-Wizard.
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