Open Source im professionellen Einsatz

Drei Module für das Oracle-Online-Backup im Vergleich

Ohne Stillstand

Zentralisierte Backup-Lösungen sparen Zeit, Platz und Geld. Auch Datenbanken lassen sich auf diese Weise sichern, brauchen aber die Unterstützung spezieller Software. Ein Vergleich am Beispiel von Oracle.

Es bedarf keines Blicks in die statistischen Gruselkabinette auf den Webseiten der meisten Produzenten von Backup-Software oder der Datenretter (zum Beispiel[1]), längst ist für die meisten selbstverständlich, was die Schadenszahlen belegen: Wer seine Daten nicht sichert, wird sie früher oder später verlieren. Wer seine Daten verliert, ist unter Umständen ruiniert. Allerdings soll das unvermeidliche Backup zugleich kostengünstig, sicher und im Fall des Falles schnell rekonstruierbar sein, möge sich zeitlich gut in den Produktionsablauf einfügen und leicht administrieren lassen. Das erreicht nur eine maßgeschneiderte Strategie.

Ein besonderes Problem dabei verursachen Datenbanken. Ihre Dateien, die ständig zum Schreiben geöffnet sind, lassen sich im laufenden Betrieb nicht wie gewöhnliche Files sichern. Zudem sind sie oft sehr groß, weshalb das Back-up mehrere Medien und viel Zeit erfordert. Die Applikationen, die sich aus solchen Datenspeichern bedienen, dulden auf der anderen Seite häufig keine Auszeiten. Die Software-Industrie hat auf dieses Dilemma reagiert und Lösungen für die Online-Sicherung großer Datenbanken auf zentrale Tape Libraries entwickelt. Drei davon hat das Linux-Magazin in Augenschein genommen: Module für das Online-Backup einer Oracle-Datenbank mit den Linux-Versionen von Arkeia Network Backup, Legato Networker und Veritas Netbackup.

Schon solo sicher

Oracle[2] bietet bereits ohne zusätzliche Software eine breite Palette an Schutzmaßnahmen. So ist - erstens - jederzeit eine logische Sicherung möglich, die die Tabelleninhalte exportiert. Die Wiederherstellung einer komplett ausgefallenen Datenbank (Recovery) ist auf diesem Weg allerdings nicht möglich, lediglich bestimmte Inhalte lassen sich wiedergewinnen (Restore).

Ein physisches Backup aller beteiligten Files ist - zweitens - immer und dabei einfach durchführbar, wenn die Datenbank zuvor heruntergefahren wird (Offline oder Cold Backup). Jedoch fehlt meist die Zeit für die damit verbundene Zwangspause. Selbst wenn kein Betrieb rund um die Uhr nötig ist, sprengen große Datenmengen leicht das nächtliche Zeitfenster. Schließlich würde auch das Recovery eine ausgiebige Auszeit bedingen, die oft nicht zu tolerieren ist. Für Oracle-Datenbanken, die im so genannten Noarchivelog-Modus arbeiten, die ihre Redo-Logs also nicht sichern, bevor sie überschrieben werden, ist die Offline-Sicherung allerdings die einzige Möglichkeit.

Online-Backup manuell

Läuft Oracle im Archivelog-Modus, ist - drittens - jederzeit eine manuelle oder skriptgesteuerte Online-Sicherung möglich, bei der die Tablespaces in einen speziellen Backup-Modus versetzt werden. Danach kann der Admin die zugehörigen Datenfiles mit Betriebssystemmitteln kopieren:

alter tablespace Tablespacename begin backup;
# Kopie der Datenfiles auf
# Betriebssystemebene, Muster:
# cp /oracle/data/datafile_xy /backup/datafile_xy.bck
alter tablespace Tablespacename end backup;
archive log current;


Mit Hilfe der gesicherten Dateien und der archivierten Logs ist die Datenbank nun wiederherstellbar. Parameterfiles (»init.ora«, »SPFILE«), ein Controlfile und die Logs muss man zuvor zusätzlich auf ein sicheres Medium retten.

Als vierte Möglichkeit bietet Oracle dem Administrator ein mächtiges, seit der Version 8 stetig vervollkommnetes Tool, den Backup und Recovery Manager, kurz RMAN. Er kann interaktiv, per Kommandofile oder über den Oracle Enterprise Manager (OEM) bedient werden und beherrscht viele fortgeschrittene Sicherungstechniken. So bezieht er etwa nur tatsächlich verwendete Blöcke in das Backup ein, kann die Daten komprimieren und inkrementell sichern - was jeweils Zeit und Platz spart.

Er speichert selbstständig alle für eine Wiederherstellung benötigten Files und kann sie ab Version 10g in einem speziellen Directory sammeln (Flashback Recovery Area). Er erkennt und repariert nach Möglichkeit defekte Blöcke und versteht sich auf das Multiplexen mehrerer Datenströme auf ein Device. Außerdem verwaltet RMAN noch eine History und wichtige Metadaten aller Backups und hebt auf Wunsch auch die benötigten Skripte in einem eigenen Recovery Catalog auf.

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Ausgabe 07/2013

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