Linuxkongress in Dornbirn
Geben und nehmen
Auf dem Vorarlberger Linuxkongress kamen erstmals IT-Verantwortliche aus der öffentlichen Verwaltung zusammen und gaben ein klares Bekenntnis zu Open Source ab.
Auf dem Vorarlberger Linuxkongress kamen erstmals IT-Verantwortliche aus der öffentlichen Verwaltung zusammen und gaben ein klares Bekenntnis zu Open Source ab.
Sie wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten, um die Position von Open Source in der öffentlichen Verwaltung zu stärken: Peter Pfläging (Wien), Heinz-Markus Gräsing (Treuchtlingen), Horst Bräuner (Schwäbisch Hall), Wilhelm Hoegner (München) und Hugo Leiter (Gemeindeverband Südtirol).
Die Entscheidung von Kommunen wie München, auf den städtischen PC-Arbeitsplätzen Linux einzusetzen, hat das freie Betriebssystem in die Schlagzeilen gebracht. Die Linux-Usergroup Vorarlberg griff das Thema auf und stellte den ersten Linuxkongress im österreichischen Dornbirn unter das Motto "Freie Software in der öffentlichen Verwaltung". Rund 80 Entwickler, Dienstleister und Entscheider aus dem öffentlichen Sektor nahmen die Einladung an und freuten sich über den persönlichen Kontakt zu Fachkollegen.
In ihren Vorträgen machten Wilhelm Hoegner (München) und Heinz-Markus Gräsing (Treuchtlingen) klar, dass die Migration von Desktop-Rechnern auf Open-Source-Systeme eine besondere Herausforderung darstellt. Hier gehe es nicht nur um Technik und Budgets, sondern vor allem um Emotionen. Es dürfe, so Gräsing, bei den Angestellten nicht als einziger Eindruck entstehen: An meinem Arbeitsplatz wird gespart.
Die Referenten berichteten von erstaunlich kreativen Strategien bei der Einbeziehung der Mitarbeiter. Die vorgestellten Mittel reichten von regelmäßigen Schulungen über interne Newsletter bis zu Pinguin-Maskottchen und kleinen Spaßprogrammen für den Desktop.
Überraschend positive Reaktionen gab es bei der Stadt Wien: Dort war der Ansturm auf ein Web-basiertes Anwenderforum so überwältigend, dass die Plattform vorübergehend eingestellt werden musste. Einen weiteren Ansatz stellte Hugo Leiter vor. Im Gemeindeverband Südtirol wurde als Anregung zum "sanften Umstieg" Open Office parallel zu Microsoft-Produkten installiert. Das Benutzerverhalten analysiert ein Forschungsprojekt der Universität Bozen.
Im Bereich Server und Netzwerk mochte keiner der Teilnehmer mehr auf Linux und Open Source verzichten. Dafür konnten die Entscheider ganz pragmatische Gründe vorbringen: Die Integration der heterogenen IT-Landschaften ist oft nur dank der Flexibilität freier Software möglich. In großen Kommunen sind Systeme vom Großrechner über zahlreiche kommerzielle Unix-Plattformen bis zu verschiedenen Windows-Versionen an den Arbeitsplätzen im Einsatz.
Peter Pfläging aus Wien berichtete von Anwendungen, die noch an Betriebssysteme wie VMS gebunden sind, und löste im gut gefüllten Konferenzraum verständnisvolles Schmunzeln aus.
Als wichtigstes strategisches Ziel nannten die meisten Verantwortlichen daher Plattformunabhängigkeit und offene Standards, die Interoperabilität auf lange Sicht gewährleisten. Städte wie Wien und München setzen bereits Web-basierte Lösungen ein, wo immer es möglich ist.
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