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Linux-Magazin 01/2005

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Die Kolumne berichtet aus der Perspektive des GNU-Projekts und der FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software. Dieser Ausgabe beleuchtet die Konsequenzen beim Einsatz kommerzieller JREs, zeigt Alternativen auf und berichtet zudem über Neues aus der FSFE.

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Abbildung 1: Java erfreut sich auch in der Welt freier Software großer Beliebtheit. Jedoch schränkt der Einsatz von kommerziellen Runtime-Environments die Verteilbarkeit der Programme ein.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World. Diese Ausgabe beschäftigt sich im Schwerpunkt mit dem Aspekt der Freiheit in der Java-Programmierung und Alternativen zu proprietären Runtime-Environments.

Freiheit in Ketten?

Als ich in einer der letzten Ausgaben die Mindmapping-Software Freemind vorstellte, erhielt ich zum Teil recht wütende E-Mails. Der Grund für den Proteststurm lag in meiner Behauptung, dass das Tool - wie viele andere - unreflektiert auf einer unfreien Java-Implementation aufsetzt und somit die Freiheit der Software gefährdet. Tenor zahlreicher Zuschriften war, dass Java zwar nicht frei sei, aber auch nicht unfrei. Sicherlich gibt es unterschiedliche Abstufungen der Freiheit, jedoch sind die Java-Implementationen von Sun und IBM nach der Definition freier Software beide unfrei. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es zu diesen Implementationen Umgebungen und zusätzliche Bibliotheken gibt, die wiederum unter einer freien Lizenz stehen. Wer ein bisschen mit den Fingern wackeln kann, sprengt damit nicht die Ketten, in die er geschlagen ist.

Die Zusammenhänge erklärt Richard Stallman in seinem Artikel "Free But Shackled - The Java Trap"[5]. Diese Java-Falle schnappt immer genau dann zu, wenn ein Entwickler glaubt, die proprietären Implementationen seien frei genug oder kein Problem.

In der Java-Falle

Einige Distributionen denken sogar darüber nach, die freien Java-Implementationen von ihren CDs zu entfernen, da zahlreiche Programme nur mit den unfreien funktionieren. Zudem gibt es rechtliche Probleme, wie das Debian-Projekt richtig feststellt[6]: Die Runtime-Lizenz von Sun erlaubt keine gemeinsame Verbreitung mit Alternativen - das Unternehmen geht also aktiv gegen eine Verbreitung von freiem Java-Umgebungen vor.

Damit behindert freie Software, die von Suns JRE abhängig ist, effektiv die Entwicklung von Alternativen und zwingt die Distributoren in die Entscheidung zwischen der Aufnahme des Programms ohne die für seine Benutzung notwendige Umgebung oder den aktiven Boykott freier Alternativen. Die erste Lösung ist offensichtlich nutzlos, die zweite ist aus der Perspektive freier Software nicht akzeptabel.

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