Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2004

Perl-Entwicklungsumgebung als Eigenbau

Workshop für Werkzeugmacher

Linux-taugliche Entwicklungswerkzeuge für Perl sind rar, doch eine Eigenbau-IDE ist mit JEdits Hilfe kein Problem und zudem kostenlos, maßgeschneidert und plattformunabhängig.

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Es ist paradox: Ausgerechnet unter Unix, also jenem Betriebssystem, auf dem Perl vor gut zehn Jahren entstand und zu dessen Standardinstallationen es bis heute gehört, gibt es kaum eine Handvoll Programmier-Umgebungen für diese Skriptsprache - die Windows-Welt bevölkern sie im Dutzend. Eine Erklärung mag sein, dass der Unix-User per se eine gut sortierte Werkzeugkiste mit mächtigen Editoren und Utilities zur Hand hat und womöglich eher zum Kommandozeilen-Puristen als zum Fenster-Fetischisten tendiert.

Dennoch ist der Nutzen mancher Features einer integrierten Entwicklungsumgebung (IDE) schwer von der Hand zu weisen - etwa die nahtlose Verbindung von Editor und Debugger, die automatische Quellcode-Formatierung oder die kontextsensitive Online-Referenz. Sicher ebenso nützlich sind CVS-Anbindung, Syntaxcheck oder Navigationshilfen für umfangreiche Programmtexte.

Wer sich dabei nicht für eine der seltenen Perl-IDEs unter Linux erwärmen mag - etwa das sehr gute, aber kommerzielle Kommodo (Activestate, [1]) oder das freie Perl-Plugin für das schwergewichtige Eclipse[2] - hat eine Alternative: Do it yourself.

Alleskönner

Als Fundament eines solchen Projekts dient hier der Open-Source-Editor JEdit, von dem erst kürzlich die lange erwartete Version 4.2 erschienen ist. In Java geschrieben ist er auf jeder Plattform zu Hause und in puncto Funktionsumfang, Konfigurationsmöglichkeiten und Erweiterbarkeit nimmt er es mit den Altvorderen seiner Gattung, Emacs und Vi nebst Nachfahren, leicht auf. JEdit[3] beherrscht das Syntax-Highlighting für mehr als 100 Sprachen von Actionscript bis XML, darunter natürlich auch für Perl. Für die Navigation durch das Dokument und die Textmanipulation bietet er zahlreiche ausgeklügelte Funktionen. Dabei können alle irrtümlichen Eingaben unbeschränkt zurückgenommen werden.

Das Arbeiten mit gleichzeitig geöffneten Fenstern dürfte kaum Wünsche offen lassen. Suchen und Ersetzen ist über mehrere Files hinweg und mit Hilfe regulärer Ausdrücke möglich. Textteile lassen sich in beliebig benennbare Clipboards kopieren und von dort aus an anderer Stelle einfügen. Eine leistungsstarke Makrosprache automatisiert wiederkehrende Aufgaben. Fast alle Funktionen sind auch über Menüs erreichbar - wer das wenig effizient findet, definiert sich seine eigenen Shortcuts oder freundet sich einfach mit den voreingestellten Tastaturbefehlen an.

Toolbox-Tuning

Schon die Grundausstattung ist also opulent. Um sie um jene Extras zu erweitern, die einen guten Editor in eine vollwertige Entwicklungsumgebung verwandeln, führt der kürzeste Weg über [http://plugins.jedit.org]. Dort finden sich mehr als 100 fertige, in Java programmierte Module, mit denen sich im Handumdrehen komplexe, häufig auch nach Gusto des Anwenders konfigurierbare Funktionen nachrüsten lassen.

JEdit bringt ein Hilfsmittel für die Verwaltung der Module bereits mit: den Plugin Manager, der eine Zusammenstellung verfügbarer Erweiterungen via Internet besorgt und in einer Auswahlliste präsentiert. Mit wenigen Klicks hat man damit seine Favoriten markiert, heruntergeladen und - inklusive Dokumentation in der Onlinehilfe - automatisch installiert.

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