Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2004

QT-Programmierung und barrierefreies Webdesign

Tux liest

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"Practical Qt" erklärt fortgeschrittenen Programmierern die GUI-Bibliothek, auf der auch KDE basiert. Das zweite Buch richtet sich an Webdesigner und möchte ein Internet schaffen, das behinderten Benutzern nicht unnötig Steine in den Weg legt.

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Publikationen zur GUI-Bibliothek QT sind rar, besonders bei Themen für Fortgeschrittene. Hier setzt das Buch der Autoren Matthias Kalle Dalheimer und Jesper Pedersen an, die im Linux-Umfeld keine Unbekannten sind. Als Geschäftsführer beziehungsweise Chefentwickler des QT-Dienstleisters KDAB haben sie in vielen Schulungen und Workshops intensiven Kontakt zu QT-Anwendern und plaudern in ihrem Buch aus dem Nähkästchen. Das Werk besteht fast zur Hälfte aus reinem Quelltext. Zwar lassen sich die Quelldateien herunterladen, aber der Abdruck hat trotzdem Sinn, da die Autoren im Text oft auf die sehr präzisen Codebeispiele verweisen.

Widgets und GUI-Builder

In den ersten neun Kapiteln behandelt das Buch mehrere Arten von Widgets und deren Eigenheiten. So erfährt der Leser, wie er Zeilen in Listen abwechselnd farbig darstellt, Spaltenköpfe in Tabellen unterdrückt und Reiter eines Tab-Widget neu anordnet. Im Kapitel zu Grafik mit QT zeigen die Autoren, wie Programmierer beliebig geformte Grafikbereiche ausschneiden, Alpha-Blending verwenden und mit verschiedenen Koordinatensystemen arbeiten. Aus dem Bereich der Systemprogrammierung gibt es nur zwei kleine Beispiele: Event Handling und Threading.

Nach einigen Informationen zum Designer, dem QT-eigenen GUI-Builder, liefert das letzte Kapitel Tipps, die eher am Rande mit QT zu tun haben, aber trotzdem interessant sind. Die präsentierten Beispiele sind größtenteils praxisnah und wirken nicht konstruiert, man merkt den Autoren ihre Erfahrung an. Das Buch kann auch didaktisch überzeugen, wenngleich es sich stellenweise wie eine FAQ-Liste liest.

Web für alle

Informationen im Internet sollten für alle zugänglich sein. Aber wie gestaltet man Websites, die älteren, blinden oder motorisch behinderten Benutzern keine Steine in den Weg legen? Ein Experte auf diesem Gebiet ist Jan Eric Hellbusch. Er ist selbst sehbehindert und berät im Rahmen des Projekts "Barrierefrei informieren und kommunizieren" Firmen bei Angeboten, die auch von Behinderten benutzbar sind. Seine Erfahrungen hat er nun zusammen mit vielen Koautoren in dem Werk "Barrierefreies Webdesign" zusammengefasst.

Das Buch erläutert zunächst die Hintergründe. Hellbusch sensibilisiert Entwickler für die Schwierigkeiten, die Benutzer mit verschiedenen Behinderungen haben, und stellt Hilfsmittel wie Sprachausgabe, Vergrößerungssoftware, Braille-Display und spezielle Eingabegeräte vor. Er geht auch auf die relevanten deutschen Gesetze und die Web-Accessibility Guidelines des W3C ein.

Den größten Teil des Buches nimmt jedoch zu Recht der praktische technische Teil ein, der sich an erfahrene Webentwickler richtet und die Kenntnis von (X)HTML und CSS voraussetzt. Hier zeigt sich, dass Hellbusch ein Mann der Praxis ist. Er diskutiert die Hindernisse, beispielsweise beim Ausfüllen von Webformularen, bis ins Detail. Wer denkt beim Programmieren von Kontaktformularen schon daran, dass manche Menschen Schwierigkeiten mit der Eingabe des @-Zeichens haben? Zu jedem Problem bietet der Autor mindestens einen Lösungsvorschlag mit Codebeispiel an, selbst mit den Bugs einzelner Browser-Versionen ist er vertraut.

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