Willkommen zu einer weiteren Ausgabe der Brave GNU World, in der es diesmal unter anderem um freie Software im mobilen Einsatz mit UMTS, GPRS, SMS & Co. geht. Unbemerkt von vielen Nutzern entwickelte sich in den letzten Jahren hier eine große Vielfalt.
Abbildung 1: Gnocky ist Gnokiis neue grafische Schnittstelle zum Mobiltelefon, mit der sich alle wichtigen Daten abfragen lassen.
Gnokii
Gnokii[5] gehört sicherlich zu den bekanntesten freien Projekten für die Kommunikation mit Mobiltelefonen. Es entstand im Februar 1999 aus dem Zusammenschluss zweier Projekte, die die Funktionalität der Nokia Cellular Data Suite (CDS) auf anderen Plattformen, insbesondere auf Linux zur Verfügung stellen wollen.
Das eine Projekt bestand aus Interessierten um Francois Dessart und Hugh Blemings, die im Oktober 1998 mit der Entwicklung begannen. Staffan Ulfberg initiierte das andere und hatte bis dahin noch keinen Code produziert. Mit gebündelten Kräften machte die Arbeit jedoch große Fortschritte, bis das Projekt in der zweiten Hälfte des Jahres 2000 ins Straucheln kam: Pavel Janik und Hugh Blemings, zwei Hauptentwickler, konnten nur noch wenig Zeit einbringen. Dank der aktiven Gemeinschaft war es jedoch möglich, dass andere Freiwillige die Betreuung des Projekts übernahmen, und so ist Gnokii mittlerweile weit entwickelt.
Das Projekt besteht im Wesentlichen aus drei Anwendungen: einem Gnokii-Daemon, der mit Supernutzer-Rechten im Hintergrund läuft, einer Kommandozeilen-Anwendung sowie einer Anwendung mit grafischer Benutzeroberfläche. Eine Hilfsapplikation vervollständigt die Programmsuite. Sie sucht bei Bedarf automatisch das Mobiltelefon als Modem für die Einwahl.
Geschrieben in C und als freie Software unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht, unterstützt Gnokii mittlerweile eine ziemlich große Zahl an Telefonmodellen, speziell die Nokia-Serien 3810, 6110, 7110 und 6510. Daneben sind einigen Telefone von Bosch, Siemens, Motorola und Sony-Ericsson ebenfalls kompatibel, wenn sie mittels AT-Kommandos steuerbar sind.
Die Programmsuite erlaubt die Einwahl über das Mobiltelefon ins Internet ebenso wie das Sichern des Telefonbuchs in einer Textdatei auf der Festplatte oder das Retten des Telefonbuchs in umgekehrter Richtung. Zusätzlich lassen sich Kurznachrichten bequem über eine Frontend verfassen oder lesen. Wem die üblichen Logos nicht individuell genug sind, dem bietet Gnokii die Möglichkeit, eigene Icons mit Hilfe eines kleinen Editors zu erstellen und ins Telefon hochzuladen.
Da Gnokii in den meisten Distributionen bereits enthalten ist, bereitet die Installation keine größeren Probleme. Für die weniger Furchtsamen bietet sich zudem die Chance, zwei neuere Entwicklungen auszuprobieren: Es gibt auf der Gnokii-Webseite[5] die neue grafische Benutzeroberfläche Gnocky sowie das Gnokii-Applet »gnapplet«, beide sind noch nicht umfangreich getestet und erfordern daher Handarbeit.
MyGnokii
Mit MyGnokii[6] teilte sich das Gnokii-Projekt in der zweiten Hälfte des Jahres 2000. Damals ging das ursprüngliche Projekt gerade durch schwierige Zeiten. Hauptautor von MyGnokii wurde Marcin Wiacek, der es gemeinsam mit Gabriele Zappi, Ralf Thelen und anderen weiterentwickelte.
Der Fork eines Projekts wird oft als Nachteil freier Software beschrieben. Dabei stellt er in Wahrheit eine große Stärke dar. Historisches Beispiel ist die Gabelung von GCC und EGCS, die mit einer Wiedervereinigung und erheblich verbesserten C++-Fähigkeiten des GCC endete. Wenn sich in einem Projekt Gruppen bilden, die einerseits ausreichend motiviert und andererseits ausreichend uneins sind, kommt es vor, dass diese Gruppen das Projekt unterschiedlich weiterentwickeln und nicht selten in Konkurrenz zueinander stehen.
Das gibt nicht nur beiden Ansätzen eine echte Chance, sich zu beweisen und herauszufinden, welcher der Bessere ist, sondern führt oft zur Wiedervereinigung oder zumindest zu einem Quertransfer von Konzepten und Ideen.