Open Source im professionellen Einsatz

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive von GNU-Projekt und FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software und versucht Einblicke in die zugrunde liegende Philosophie zu vermitteln. In dieser Ausgabe: Mind Mapping mit Freemind, semantische Netze und Google Newsmap.

Manche Programme, die Leser für diese Kolumne empfehlen, scheinen zunächst nichts Besonderes zu sein. Die Hintergründe und das Umfeld sind aber oft voll von interessanten Gedanken und Konzepten. So auch die Empfehlung von Wolfgang Romey, das Freemind-Projekt[5] vorzustellen. Freemind ist freie Software unter der GPL zum Erstellen so genannter Mind Maps. Diese gehen zurück auf den Engländer Tony Buzan, der sie während der Arbeit an "An Encyclopedia of the Brain and Its Use" in den späten 60er Jahren erfand.

Abbildung 1: Das auf der Ars Electronica ausgezeichnete Newsmap-Projekt zeigt durch die Fläche, wie viel Aufmerksamkeit Nachrichten in Online-Medien erhalten. Es nutzt dazu den News-Service von Google.

Abbildung 1: Das auf der Ars Electronica ausgezeichnete Newsmap-Projekt zeigt durch die Fläche, wie viel Aufmerksamkeit Nachrichten in Online-Medien erhalten. Es nutzt dazu den News-Service von Google.

Mind Maps und Freemind

Mind Maps bieten die Möglichkeit, Gedanken nicht-linear zu dokumentieren. Statt sie wie in einem Text linear von oben nach unten darzulegen, beginnt die Mind Map in der Mitte. Von der zentralen Frage oder dem zentralen Begriff ausgehend entwickeln sich Mind Maps radial nach außen in Form verzweigter Äste. Dabei entstehen oft weitere Knoten mit mehreren Ästen. Jeder einzelne Begriff kann so wiederum zum Zentrum einer neuen Mind Map werden.

Die Begriffe, Gedanken und Fragen werden dabei entweder in Form von Schlüsselwörtern oder - idealerweise - einfachen Schlüsselbildern symbolisiert. Unterfüttert wird dies so oft wie möglich mit Pfeilen, geometrischen Figuren, kleinen Bilder, gemalten Ausrufe-, Frage- oder anderen, auch selbst definierten Zeichen. Farbigkeit gestaltet das Ganze übersichtlicher.

Ähnliche oder zusammengehörige Begriffe erhalten die gleiche Farbgebung. So bietet eine Mind Map insgesamt einen Überblick über einen bestimmten Gedanken, ein Thema oder eine bestimmte Fragestellung, der mit seiner Nichtlinearität dem menschlichen Gehirn entgegenkommen soll, das auch nicht linear arbeitet.

Immer nicht-linear und subjektiv

Eine Mind Map ist immer subjektiv und spiegelt die Sicht desjenigen wieder, der sie erstellt hat. Allerdings ist es auch möglich, in einer Gruppe daran zu arbeiten. An einer Mind Map können viel mehr Leute sinnvoll mitwirken als an einem linearen Text.

Anwendungsgebiete von Mind Maps liegen daher auch im Bereich der Gruppenkoordination und -arbeit. Insbesondere bei Treffen zum kreativen Sammeln von Ideen, also Brainstorming Sessions, aber auch bei anderen Sitzungen können fortlaufend erzeugte Mind Maps als Protokoll dienen. Das führt zu kürzeren, prägnanteren und stärker fokussierten Beiträgen, da weitschweifige Betrachtungen nicht in der Mind Map und damit im Protokoll auftauchen.

Doch auch individuell lassen sich Mind Maps dazu einsetzen, beispielsweise Aufsätze oder Vorträge vorzubereiten, einige Buchautoren planen ihre Bücher damit. Auch bei einfachen persönlichen Notizen oder dem Lernen können Mind Maps eine Hilfe sein.

Aufgrund ihrer hohen Subjektivität erschließt sich die Mind Map ihrem Ersteller deutlich stärker als einem unbeteiligten Dritten. Wer Mind Maps nutzt, um seine eigene Sichtweise auf ein Thema an andere zu kommunizieren, sollte also allgemein verständliche Begriffe und Bilder verwenden. Dann kann eine Mind Map anderen dabei helfen, die eigene, individuelle Sichtweise zu einem Sachverhalt oder ein Problem zu verstehen, und so zur Lösung beitragen.

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Ausgabe 07/2013

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