Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2004

Workshop: Distributionen bei dedizierten Servern austauschen, am Beispiel von Fedora und Debian

Tapetenwechsel

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Welche Linux-Distribution Ihr Hoster auf dem dedizierten Server installiert, können Sie als Kunde nur selten frei wählen. Mit Root-Zugriff, einer Möglichkeit zum Reset der Maschine und einem Rettungssystem spielen Sie Ihre Wunsch-Distribution selbst auf.

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Linux ist nicht gleich Linux, trotz aller Standards entwickelt jeder Administrator früher oder später Vorlieben für eine bestimmte Distribution. Darauf können Server-Hoster aber nur selten Rücksicht nehmen, meist stellen sie nur ein oder zwei Distributionen in verschiedenen Versionen zur Auswahl.

Wenn Sie Ihren Server selbst auf die Wunsch-Distribution umstellen wollen, ist dafür unbedingt ein Root-Zugang erforderlich. Weiterhin sollten Sie die Möglichkeit haben, den Rechner neu starten zu lassen, entweder über ein Webfrontend oder mit einem manuellen Reset durch den Hoster. Ein Reset ist dann wichtig, wenn der neue Kernel oder das neue System falsch konfiguriert ist und Sie sich damit selbst ausgesperrt haben, im Idealfall, bei fehlerfreier Installation geht es auch ohne.

Ein separates Rettungssystem vereinfacht die Umstellung sehr: So können Sie die ursprüngliche Distribution in aller Ruhe vollständig entfernen oder gar die Festplatte nach eigenen Vorstellungen partitionieren, ohne Gefahr zu laufen, dass der Server nicht mehr bootet.

Hilfreiches Grub-Patch

Muss die Umstellung bei laufendem Ur-System erfolgen, hilft der Bootloader Grub[1] weiter. Wenn Sie ihn mit dem »savedefault«-Patch übersetzt haben, lässt sich die Bootreihenfolge mit dem Grub-Kommando »savedefault --default= Nummer --once« nur für den nächsten Systemstart umstellen. Funktioniert der neue Kernel oder die Systemkonfiguration nicht, startet Grub nach dem nächsten Reset wieder den bisherigen Bootabschnitt.

Das »savedefault«-Patch hat bis einschließlich der aktuellen Version 0.95 keinen Eingang in die Standardversion gefunden, Sie finden es im Debian-Quellpaket von Grub im Verzeichnis »debian/patches/savedefault.diff« oder alternativ bei[2].

Ein Distributions-Wechsel ohne Rettungssystem ist nicht zu empfehlen. Der kleinste Fehler hat ein nicht mehr lauffähiges System zur Folge, sodass eine oft kostenpflichtige Neuinstallation durch den Hoster fällig ist. Wenn Sie dennoch umstellen wollen, sollten Sie zunächst ein eigenes Rescue-System aufsetzen, das im laufenden Betrieb keine Festplatte benötigt.

Ein solches System finden Sie unter[3], es besteht aus dem Rescue-Kernel und einer Initial-RAM-Disk, die das komplette Linux-System enthält. Kopieren Sie die Dateien »vmlinuz-rescue« und »rescue-initrd.gz« nach »/boot« und erweitern Sie die Grub-Konfigurationsdatei um folgende Zeilen:

title Rescue
  root (hd0,0)
  kernel /vmlinuz-rescue init=/sbin/init ramdisk_size=8192 root=/dev/ram0 devfs=nomount ramdisk_blocksize=4096 console=tty1 console=ttyS0,57600 ip=IP-Adresse netmask=Netzmaske gateway=Gateway-IP dns=Nameserver-IP
  initrd /initrd-rescue.gz


Die kursiv gedruckten Netzwerk-Einstellungen müssen Sie an Ihre Bedürfnisse anpassen. Dann können Sie mit Hilfe des »savedefault«-Befehls von Grub gefahrlos ausprobieren, ob das Rescue-System startet und Sie sich per SSH anmelden können.

Funktioniert das Rescue-System, stellen Sie es als Standardsystem in Grub ein. Anschließend benutzen Sie das Rescue-System, um Ihre Festplatte zu mounten, die alte Distribution zu löschen und die neue aufzuspielen. Dabei müssen Sie »/boot« auslassen, da Sie sonst auch die beiden Dateien des Rescue-Systems löschen und sich damit aussperren.

Rettungssystem als Werkzeug

Mit einem vom Provider bereitgestellten Rettungssystem ist die Umstellung nicht nur einfacher, sondern auch deutlich ungefährlicher: Im Zweifelsfall starten Sie den Rechner im Rettungssystem neu und beheben die Fehler von dort aus. Je nachdem, ob das Rettungssystem auf der gleichen Festplatte liegt wie das Arbeitssystem oder aus dem Netz geladen wird, können Sie die Partitionierung den eigenen Wünschen anpassen.

Die eigentliche Installation verläuft für alle Distributionen etwa gleich: Nachdem ein Basis-System aufgespielt ist, folgt eine reguläre Installation übers Netzwerk. Bei Debian ist dafür »debootstrap« zuständig, für Red-Hat-basierte Linux-Distributionen wie Fedora Core 2 oder Red Hat Enterprise benutzen Sie am besten das komfortable Kickstart.

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