Mobilfunkprovider haben im Jahr 2000 die UMTS-Lizenzen (Universal Mobile Telecommunications System) für knapp 50 Milliarden Euro ersteigert. Dann war Funkstille - sie mussten den UMTS-Start mehrmals verschieben. Erst Anfang 2004 lieferte Vodafone als erster Anbieter eine UMTS-Datacard (Abbildung 1), sie dient nur der schnellen Datenübertragung und eignet sich nicht zum Telefonieren. E-Plus startete wenig später ebenfalls mit einer Datenkarte (Abbildung 2). Inzwischen bieten auch O2 und T-Mobile UMTS-Datacards an.
Abbildung 1: Die Vodafone-UMTS-Mobilfunkkarte stammt vom Hersteller Option. Sie simuliert einen USB-Controller und drei USB-Serial-Devices.
Abbildung 2: Die E-Plus-Karte wird von Novatel Wireless unter dem Namen Merlin hergestellt. Sie meldet sich wie ein normales Modem als serielles Device.
PC-Card für UMTS
Die UMTS-PC-Cards eignen sich für Linux. Vodafone setzt dabei auf den Hersteller Option, E-Plus auf Novatel Wireless mit seiner Merlin-Karte. Letztere wird auch von T-Mobile und O2 verwendet. Für beide Karten benötigt der Besitzer eine neue SIM-Karte (Subscriber Identity Module), genauer eine USIM-Karte. Bei UMTS sind mehr Funktionen auf der Chipkarte implementiert, zum Beispiel bessere Krypto-Funktionen. Ohne USIM-Karte darf sich die Datacard nicht in das UMTS-Netz einbuchen. In der Regel liefert der Provider die USIM aber bereits mit.
Sendefrequenzen besser nutzen
Das UMTS-Netz setzt zur Datenübertragung WCDMA (Wideband Code Division Multiple Access) ein, statt TDMA (Time Division Multiple Access) wie beim herkömmlichen GSM. TDMA teilt die Pakete nach Zeitschlitzen auf: Erst darf der erste Absender eine tausendstel Sekunde lang senden, dann der nächste. Bei WCDMA senden alle Mobilstationen gleichzeitig, kodieren ihre Signale aber unterschiedlich. Das ermöglicht eine bessere Ausnutzung der Funkfrequenzen (UMTS arbeitet in einem Bereich um 2 GHz), also mehr Bandbreite.
Wenn es eine Datenverbindung aufbaut, verbindet sich das mobile Gerät (MT, Mobile Terminal) mit dem SGSN, dem Serving GPRS Support Node. Er kümmert sich um die weitere Übertragung und um die Abrechnungsdaten. Die vom GSM-Netz bekannte Abkürzung GPRS[1] darf hier nicht verwirren: Das interne Netz des Providers behandelt UMTS fast wie GPRS, es kommen lediglich einige QoS-Parameter neu hinzu.
Das SGSN sucht anhand des vom Mobilgerät übermittelten APN (Access Point Name) per DNS einen passenden GGSN (Gateway GPRS Support Node). Der stellt die Verbindung zwischen GPRS-Netz und Internet her. Vorher prüft das SGSN noch, ob der Benutzer überhaupt Datendienste verwenden darf. Hat das GGSN noch Ressourcen frei, weist es dem Endgerät eine IP-Adresse zu.
Aus Sicht des Computers sprechen alle Endgeräte PPP, egal ob Datacard oder Mobiltelefon. GPRS und UMTS unterscheiden sich dabei nur in der Übertragungsgeschwindigkeit. Die recht komplexen Details im Zusammenspiel der Telefon- und Datennetze sind in den GSM-Standards 23.060 und 29.060 spezifiziert[2].
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