Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2004

Fehlerdiagnose und Problembehebung unter Linux

Tux liest

Wer sein Linux-System besser kennen lernen will, ist mit Mathias Kettners Erstlingswerk gut bedient. Sowohl Neulingen als auch erfahrenen Administratoren bietet es eine durchdachte Mischung aus verständlich präsentiertem Basiswissen und kleinen Tricks, die im täglichen Leben weiterhelfen.

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Über die Administration von Linux-Systemen sind schon viele dicke Bücher geschrieben worden. Aber auch die dünnen haben es manchmal in sich. So wie dieses aus dem Verlag Suse Press. Auf knapp 400 Seiten bietet Autor Mathias Kettner eine kompetente Handreichung für die dunklen Seiten des Linux-Alltags. Ja, es hat sich wohl herumgesprochen, dass auch dieses System und besonders die dafür geschriebene Software zuweilen ihre Tücken haben. Da kommt ein solches Buch wie gerufen. Es empfiehlt sich sowohl für den geplagten Administrator als auch für Gelegenheitsnutzer, die eher zufällig in eine Falle des mittlerweile doch recht kompliziert gewordenen Systems tappen.

Aufs Wesentliche konzentriert

Die ersten drei Kapitel des Werks beschreiben in geraffter Form Konzepte und Strategien der Fehlersuche und -beseitigung und geben Hinweise zur Nutzung von Hilfsquellen und zur Informationsgewinnung aus dem System selbst. Daran schließen sich drei umfangreichere Kapitel an, die sich detailliert mit Diagnosewerkzeugen, der Analyse von Hardwarefehlern und der Netzwerkdiagnose auseinander setzen. Im Interesse eines möglichst großen Informationsgehalts verzichtet Kettner auf eine weitschweifige Darstellung von Programmoptionen und zeigt stattdessen an prägnanten Beispielen die Eignung der einzelnen Tools für den jeweiligen Zweck. Ganz nebenbei demonstriert er zweckmäßige Vorgehensweisen für den Fall des Falles.

In den Kapiteln 7 und 8 geht es schließlich ans Eingemachte. Erfahrenen Administratoren werden viele Dinge bekannt vorkommen, aber auch sie entdecken garantiert noch den einen oder anderen Bonbon in den Ausführungen über die Analyse von System- und Bibliotheksaufrufen, die Untersuchung von Binärdateien und die Eingrenzung von Fehlern im Quellcode.

Aus dem Erfahrungsschatz des Praktikers

Bei alldem spürt der Leser, dass hier ein Praktiker am Werke ist, der aus seinem Erfahrungsschatz kurzweilig und eingängig zu berichten weiß und sich dabei auch mal über die Schulter schauen lässt. So beschreibt er im Abschnitt über IDE-Diagnose eine Dateimanipulation, die dem Uneingeweihten etwas absonderlich, wenn nicht regelrecht gruselig vorkommt. Sie erreicht aber tatsächlich ihr Ziel: einen schnelleren Festplattenzugriff. Gegen Ende des Buches schildert der Autor eher beiläufig, wie er diese undokumentierte Funktion selbst entdeckt hat - ein glänzender Beweis für die Wirksamkeit der beschriebenen Werkzeuge und Methoden.

Das Buch wird abgerundet durch einen Anhang mit Zusammenfassungen zu immer wiederkehrenden Aufgaben und kleinen Tricks, die im Administrationsalltag viel Zeit sparen helfen. Nun könnte mancher Leser einwenden, dass Mathias Kettner an einigen Stellen schon Binsenweisheiten darbietet. Aber: So viele Binsenweisheiten in derart gedrängter Form, das ist schon fast wieder genial. Zumindest hilft es dem Einsteiger, einen Zugang zu der schwierigen Problematik zu erlangen - und das macht das Buch auch für diese Zielgruppe interessant. Warum der Verlag hierfür auf dem Cover nur einen Eignungspunkt von drei möglichen vergibt, bleibt sein Geheimnis.

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