Wer oft an verschiedenen Rechnern arbeitet, will es nicht mehr missen. IMAP (Internet Message Access Protocol[1]), der Nachfolger von POP3 (Post Office Protocol[2]), speichert E-Mail zentral. Der Server verwaltet die Information, welche Mails der Nutzer gelesen oder beantwortet hat, die Clients greifen von jedem Rechner aus auf denselben Datenbestand zu. Damit entfällt die Frage, welche Nachricht gerade auf welchem Computer liegt. Inhalte laden IMAP-Clients erst, wenn der User sie lesen will. Vorher beziehen sie vom Server nur die Header. Soweit die Theorie.
Schmückt sich heute fast jedes Mail-Programm mit IMAP-Fähigkeit, zeigen sich doch in der Praxis beträchtliche Unterschiede. Im folgenden Test mussten drei beliebte Clients zeigen, wie gut sie die Features des IMAP-Protokolls tatsächlich umsetzen, vor allem beim Verwalten der Mailordner und beim Suchen. Die Testkandidaten waren Evolution 1.4.6[3], Thunderbird 0.7[4] und KMail 1.6[5] aus der KDE-3.3-Beta-Release.
Account einrichten
Ein Account ist in allen drei Clients schnell eingerichtet. Thunderbird und Evolution bringen dafür Assistenten mit, bei KMail ist der Einstellungsdialog zuständig. Er kennt zwei Modi: herkömmliches IMAP und Disconnected IMAP, das seit KDE 3.3 als stabil eingestuft ist. Alle Kandidaten beherrschen IMAP über SSL. Auf Wunsch verwenden sie SSL bei jeder Verbindung oder nur dann, wenn sich der Server dazu bereit zeigt. In KMail muss der User dies nicht einstellen, das Programm prüft von sich aus, welche Login- und Verschlüsselungsmethoden der Server anbietet. Wenn vorhanden wählt KMail automatisch SSL. Evolution bringt eine ähnliche Funktion zum Wählen der Login-Methode mit, die Funktion verweigerte im Test aber mehrfach den Dienst.
Nach dem Start präsentieren sich KMail und Thunderbird in der klassischen Dreieraufteilung: links die Ordnerliste, rechts oben Ordnerinhalt und rechts unten Mailansicht (Abbildungen 1 und 2). In Evolution gestaltet sich die Navigation etwas mühsam. Erst wenn man im Ansichtsmenü die Ordneransicht aktiviert, zeigt das Gnome-Programm Konten und Ordner in einer zweiten Seitenleiste an (Abbildung 3).
Abbildung 1: IMAP-Ordner, in denen der Client keine E-Mails ablegen kann (beispielsweise »foo« und »shared«), stellt Thunderbird grau dar.
Abbildung 2: Ein IMAP-Konto in KMail. Die Anzahl der Mails in Unterordnern aktualisiert KMail nicht automatisch, sondern nur auf Anfrage.
Alle drei Programme bewältigten den Test recht stabil. KMail stürzte nach dem Entfernen eines Accounts einmal ab. Thunderbird hängte sich dagegen öfter beim Verbinden mit dem Server auf.
Hantieren mit Ordnern
Eines der interessantesten Features des Maildir-Formats von IMAP ist das bequeme Arbeiten mit Ordnern. In seiner »INBOX« kann jeder Nutzer weitere Ordner anlegen, ein Mülleimer (»Trash«) sowie Ordner für Entwürfe und gesendete Mails gehören zum Standardrepertoire. Ordner dürfen Nachrichten und weitere Ordner enthalten. Intern benutzt der im Test verwendete IMAP-Server Courier[6] dazu Punkte als Trennzeichen und verwaltet alle Ordner flach in einem Verzeichnis. Mailclients präsentieren sie dagegen in einer Baumstruktur.
Während Evolution sich prinzipiell weigerte, Ordner mit Punkten im Namen anzulegen, führten Thunderbird und KMail die Anweisung getreulich aus: »foo .bar« zeigten sie als zwei hierarchisch sortierte Ordner »foo« und »bar« an. Der benutzte IMAP-Server legte den Ordner »foo« aber nicht an. In Thunderbird ließ sich das Malheur nachträglich korrigieren. KMail behauptete dagegen nach dem Versuch, »foo« als neuen Ordner anzulegen, dass der schon existiere.
Unterordner verschieben ist in KMail nicht möglich. Evolution zeigte sich dagegen besonders störrisch, wenn sich die Ordnerstruktur auf dem Server änderte. So geisterten längst gelöschte Phantomordner noch in der Übersicht herum, während neu erzeugte erst nach wiederholtem Unsubscribe-Subscribe auftauchten. Beim Umbenennen interpretierte Evolution schon mal einen Bindestrich als Punkt (Abbildung 4).
Abbildung 4: Das Mitsniffen der IMAP-Verbindung mit Ethereal deckt manche Fehlfunktionen auf. Beim Verschieben des Ordners »INBOX.evolution-3« unter den Ordner »INBOX.archiv« interpretierte Evolution den Bindestrich als Punkt.
Beim Umgang mit Ordner-Abonnements (Subscription) unterscheiden sich die Clients deutlich. Evolution zeigt per Default nur abonnierte Ordner. Alle drei Programme können Ordner abonnieren und abbestellen, auch wenn sich die Funktion zum Beispiel in KMail hinter der kryptischen Bezeichnung »Eintragung« im Kontextmenü versteckt.
Komplett verinnerlicht hat KMail das IMAP-Prinzip noch nicht. Es verschiebt Mails nicht in den Trash-Ordner auf dem Server, sondern in den lokalen Mülleimer, auch Entwürfe und gesendete Mails speichert es lokal. Über den Einrichtungsdialog lässt sich das umstellen, was bei Mülleimer und Sent-Folder auch klappte. Versuche in den Draft-Ordner auf dem Server zu speichern, ignorierte KMail im Test jedoch beharrlich. Auch Evolution speichert Entwürfe und gesendete Mails per Default lokal.