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Projekteküche

Ähnlich wie Köche arbeiten auch Software-Entwickler an immer neuen Kreationen. Wir picken die Leckerbissen heraus: Das Entwicklungs-Framework Gnustep und das Subversion-Frontend ViewSVN. Außerdem ein Kommentar zur Sarge-Release. Wem das nicht genug ist, der probiert sich an Wiener Fleischrollen.

Während die einen es vorziehen, eine Linux-Distribution mit fertig kompilierter Software zu verwenden, setzen andere lieber auf ein System Marke Eigenbau. Für all jene, die sich ihre Distribution komplett selbst zusammenstellen wollen, ist Linux From Scratch[1] genau das Richtige. Es bietet die nötigen archaischen Tools, um sich sein System aus den Quellen zu bauen. Im Gegensatz zu Metadistributionen wie Gentoo ist hier jedoch nicht mal der Compiler dabei. Die aktuelle Version 5.1.1 steht seit Juni samt ausführlicher Dokumentation auf[1] zur Verfügung.

Gnustep

Die meisten Linux-Anwender kennen wohl die Kombinationen QT/KDE und GTK/Gnome. Deutlich weniger bekannt ist hingegen Gnustep. Dabei hat es durchaus das Potenzial, es mit seinen populären Pendants aufzunehmen. Gnustep basiert auf der Openstep-Spezifikation[2], deren erste Version die Firma Next 1994 veröffentlichte. Apple übernahm Next 1997 und integrierte Openstep später in Mac OS X. Gnustep ist ein komplettes Entwicklungs-Framework, das unter anderem ein Widget-Toolkit enthält. Es ist damit ein vollwertiger Ersatz für QT und GTK.

Es gibt auch mehrere Gnustep-Window-Manager, sie sind aber noch in einem sehr frühen Stadium - oder die Programmierer haben die Entwicklung ganz aufgegeben. Wer wissen möchte, wie Gnustep aussieht, sollte einen Blick auf Windowmaker werfen. Dieser Window-Manager nutzt allerdings nicht die Gnustep-Bibliotheken, sondern eigene, das Look & Feel ist aber identisch.

Dank des zugrunde liegenden Openstep hat Gnustep den Ruf, effizient, schlicht, schnell und durchdacht zu sein. Außerdem bietet die Software Qualitäten, die sie von anderen Desktop-Environments unterscheiden: Es gibt viele RAD-Tools (Rapid Application Development), mit deren Hilfe sich Anwendungen extrem schnell entwickeln lassen. Ein besonders interessantes Feature ist die Möglichkeit, Postscript-Dateien nativ darzustellen, was ebenfalls eine Errungenschaft aus Openstep ist. Das Programm AClock[3] beispielsweise ist eine simple Desktop-Uhr, die die Zeit direkt als Display-Postscript darstellt.

Weitere Anwendungen sind der grafische Mailclient Gnumail[4], der Audioplayer Cynthiune[5] und Gnuwash[6], ein Countdown-Timer. Wer ab und zu die Rezepte der Projekteküche ausprobiert, wird sich über Gnuwash freuen: Es gibt Alarm, bevor die Fleischrollen im Ofen verbrennen. Für kommunikative Leser gibt es Talksoup[7], einen grafischen IRC-Client. GWorkspace ist der Dateimanager von Gnustep[8].

Abbildung 1: Die Gnustep-Umgebung kann es durchaus mit KDE und Gnome aufnehmen. Sie ist performant und einfach zu bedienen. Die Gnustep Live-CD ermöglicht es, den Desktop unverbindlich zu testen.

Abbildung 1: Die Gnustep-Umgebung kann es durchaus mit KDE und Gnome aufnehmen. Sie ist performant und einfach zu bedienen. Die Gnustep Live-CD ermöglicht es, den Desktop unverbindlich zu testen.

Gnustep-Live-CD

Wer jetzt Gnustep testen möchte, benutzt am besten die Live-CD von Gürkan Sengün[9]. Sie präsentiert sich mit einem voll funktionsfähigen Desktop, bei dem die wichtigsten Programme installiert sind. Dank des Programms Morphix-Installer lässt sich das System auch über eine grafische Oberfläche auf der Festplatte installieren. Ein Sahnebonbon ist die Möglichkeit, einen Hurd-Kernel zu installieren. Wem KDE und Gnome zu viele Ressourcen beanspruchen, der wird mit Gnustep durchaus glücklich.

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Ausgabe 07/2013

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