Open Source im professionellen Einsatz

Konferenz Wizards of OS

Auf Freiheit programmiert

,

Zum dritten Mal fand in Berlin die Konferenz Wizards of OS statt. Auf dem Treffen diskutierten Programmierer, Künstler und Politaktivisten die Zukunft freier Software und der Gesellschaft.

Abbildung 1: Laptop-Generation: Kongressbesucher an ihren Maschinen. Nur der Strom kommt aus der Dose.

Abbildung 1: Laptop-Generation: Kongressbesucher an ihren Maschinen. Nur der Strom kommt aus der Dose.

Knallrot gekleidete Mädchen flitzen auf Rollerblades durch die Gänge, in der Hand kleine Koffer, aus denen Antennen ragen. Darin stecken Computer, drahtlos per Meshing vernetzt. Es ist eine Aktion der Londoner Künstlergruppe TAKE2030 auf der diesjährigen Konferenz Wizards of OS[1] - sie zeigen, dass es nicht nur um Technologie geht. Die Veranstalter um Volker Grassmuck vom Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik wollen vielmehr ergründen, ob die Prinzipien freier Software auf andere Sphären übertragbar sind. Um darüber zu diskutieren, trafen sich vom 10. bis 12. Juni über 100 Politaktivisten, Künstler und Programmierer in Berlin.

Freie Software, freie Hardware, die der Anwender, nicht der Hersteller kontrolliert, freier Zugang aller Menschen zu Kulturgütern und die Befreiung des Radiospektrums von staatlichen Beschränkungen, so umriss Eben Moglen, Jura-Professor und Rechtsberater der Free Software Foundation, in seiner Keynote die vier Ziele, die es zu erreichen gelte. Der härteste Kampf stehe aber noch bevor: Die Telekommunikationsfirmen hätten viele Nutzer davon überzeugt, für drahtlose Kommunikation bezahlen zu müssen. Moglen setzte dagegen die Vision von freier Bandbreite für alle.

Abbildung 2: Im Kreise der Jünger: Eben Moglen, Rechtsexperte der FSF, doziert in der Cafeteria des Berliner Congress Centrums.

Abbildung 2: Im Kreise der Jünger: Eben Moglen, Rechtsexperte der FSF, doziert in der Cafeteria des Berliner Congress Centrums.

Freie, drahtlose Netze

Die Wireless-Aktivisten in Berlin waren jedenfalls schon dabei, diese Vision in kleinem Rahmen zu realisieren, ob es sich nun um das bekannte Mesh-Networking handelt (siehe Linux-Magazin 12/03) oder die technisch neue Nutzung des Open Spectrum[2].

Dewayne Hendricks, Vertreter letzterer Gruppe, forderte in seinem emphatischen Vortrag dazu auf, sich nicht durch den heutigen Stand der Technik die Visionen rauben zu lassen. Auch er warnte vor bevorstehenden Auseinandersetzungen mit Breitbandbetreibern, sollte wirklich ein privates, freies Breitbandnetz in Städten möglich werden. Auf dem Kongress selbst wurde mit Mesh-Cubes der Firma 4G ein drahtloses Netz realisiert, das zuverlässig funktionierte.

Thomas Krag von Wire.less.dk wies angesichts der großen Verbreitung von Handys auf die wichtige Rolle freier, drahtloser Netze in Entwicklungs- und Schwellenländern hin und stellte entsprechende Projekte in Indonesien und Namibia vor.

Digitale Brücke

In diese Richtung ging es auch beim Panel "Globalization II - Bridging the digital Divide". Um diese "digitale Kluft" zu überwinden, stellte die indische Firma Encoretech schon vor einiger Zeit die freie Spezifikation des Simputers ins Netz, eines tragbaren und günstigen Computers mit besonderen Usability- Features wie Sprachausgabe. Nun ist die Spezifikation Hardware geworden, die aber nicht alle Wünsche erfüllt: Der Simputer kann zwar lesen, aber seine Handschrifterkennung bleibt zunächst auf Englisch beschränkt.

Auch der Preis ist höher als erwartet, denn bisher werden nur recht geringe Stückzahlen produziert. Daher sucht Encoretech Kunden, die das Gerät für einen größeren Markt zuschneidern möchten, und Programmierer, die interessante Anwendungen schreiben. Das ist verhältnismäßig leicht, denn auf dem Simputer läuft ein StrongARM-Kernel mit X11 und den GTK-Bibliotheken[3].

Anderswo hat man andere Sorgen, so schilderte der Münchner Grüne Jens Mühlhaus die Migration der Stadtverwaltung auf Linux, die recht schleppend vorangeht. Für öffentliche Stellen sei es wichtig, der Bindung an einen einzigen Hersteller zu entkommen, meinte auch der Niederländer Mark Bressers, und betonte, wichtiger als Open Source seien deshalb offene Standards[4]. Mehr utopisches Potenzial besaß der Argentinier Federico Heinz : "You can't run a democracy with proprietary software" - eine Demokratie funktioniert nicht mit proprietärer Software.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook