Open Source im professionellen Einsatz

Grundlagen: Voice-over-IP

Anders telefonieren

Telefonieren übers Inter- und Intranet galt während der Dotcom-Blase als hippe Technologie - nur damals war VoIP denkbar unkomfortabel. Heute dürfen Privatanwender und Unternehmen dagegen mit ausgereifter VoIP-Software arbeiten und spezielle Provider verbinden preisgünstig VoIP-Netz und Festnetz.

Als Ersatz für den Zweidraht, über den heute die analoge oder ISDN-Telefonie läuft, drängt sich Voice-over-IP (VoIP) auf, das Sprache in IP-Pakete verpackt und kostengünstig über das Internet transportiert. Das Transportmedium Zweidraht bleibt dabei zwar erhalten, aber die Zugangstechnologie ändert sich, da für VoIP ein Internetzugang genügt. Der teure Festnetzanschluss darf endgültig in Rente gehen.

Für private Telefonkunden, die lediglich einen Anschluss besitzen, kommt die VoIP-Telefonie recht günstig daher. Als Endgerät empfiehlt sich ein Softphone für den Linux-PC - bis auf Soundkarte und Headset verlangt dies keine weiteren Investitionen (siehe auch Artikel "Wähl mal virtuell").

Anwender, die nicht ständig am Computer telefonieren wollen, besorgen sich ein Hardware-VoIP-Telefon. Die sind auf dem freien Markt mit 150 bis 250 Euro zwar relativ teuer, aber wer sich die Hardware von einem VoIP-Provider sponsern lässt, kommt günstiger weg. Zudem kann er sicher sein, dass das VoIP-Telefon auch alle nötigen Technologien unterstützt, um über den Provider zu telefonieren. Was man als Privatkunde oder im Firmennetz an VoIP-Hardware benötigt, zeigt der Artikel "Weg mit dem Schrott".

Global erreichbar mit VoIP-Providern

Wem es zu dumm ist, sich per E-Mail zu einem VoIP-Gespräch verabreden zu müssen, und wer zudem aus dem Fest- und Mobilfunknetz anwählbar sein möchte, kommt nicht um einen VoIP-Provider herum. Der versorgt seine Kunden mit echten Telefonnummern. Zusätzliches Bonbon: Gespräche innerhalb eines Providernetzes sind kostenlos. Allerdings muss ein DSL-Anschluss bereitstehen, da ein Gespräch mit rund 80 KBit/s in beiden Richtungen die Kapazität eines ISDN-B-Kanals mit 64 KBit/s deutlich übersteigt.

Bis Redaktionsschluss tummelten sich in Deutschland gerade mal vier Anbieter, die lediglich einen Datenanschluss voraussetzen und somit als vollwertiger Ersatz für die Festnetztelefonie gelten dürfen. Alle setzen auf den offenen Standard SIP[12] und liefern die VoIP-Hardware wie Terminaladapter oder SIP-Hardwaretelefon kostenlos oder gegen einen Aufpreis.

Vor dem Eintritt in die schöne neue VoIP-Welt sollte der Interessent in Ruhe die Preise in Tabelle 1 vergleichen. Broadnet-Mediascape und Nikotel verlangen eine Grundgebühr, in der bereits Gesprächsminuten enthalten sind. Andere, etwa Indigo Networks, verzichten auf eine Grundgebühr, verlangen aber, dass der Kunde die Gesprächskosten vorschießt (Prepaid).

Tabelle 1:
VoIP-Provider

 

Anbieter

Broadnet-Mediascape

Freenet

Indigo Networks

Nikotel

Web

[http://www.broadnet-mediascape.de]

[http://iphone.freenet.de]

[http://www.sipgate.de]

[http://www.nikotel.de]

Kosenstruktur

Grundgebühr monatlich

9,99 Euro

keine

keine

6,99 Euro

Abrechnungstakt: Erster/Folge

60/60 s

60/60 s

60/60 s

60/60 s

Postpaid/Prepaid

Postpaid

Postpaid

Prepaid

Prepaid

Minutentarife (Auswahl)

netzintern

kostenlos

kostenlos

kostenlos

kostenlos

Deutschland: Festnetz/mobil

2,52/31,52 Cent

1,0/19 Cent

1,79/22,9 Cent

1,9/22,7 Cent

USA: Festnetz/mobil

5,1/37,0 Cent

4,9/- Cent

2,3/2,3 Cent

2,9/- Cent

Japan: Festnetz/mobil

88,07/119,97 Cent

85,0/- Cent

3,6/18,2 Cent

3,9/28,4 Cent

Anschluss

Protokoll

SIP

SIP

SIP

SIP

Anschluss HW-Telefon möglich

ja

nein

ja

ja

gestellte Hardware

Terminaladapter, SIP-Telefon

keine

Terminaladapter, SIP-Telefon

Terminaladapter, SIP-Telefon

Roaming

nein

ja

ja

ja

Firewall-Support

ja

nein

ja

ja

Kurz anrufen für 1 Cent

Bei den Kosten pro Anruf in externe Netze bieten Provider, die viele Gateways ins Festnetz unterhalten, die günstigeren Tarife pro Abrechnungszeitraum. Bei Indigo Networks oder Nikotel kostet ein Gespräch ins deutsche Festnetz knapp 2 Cent pro Minute. Etwas teurer ist das Gespräch bei Broadnet-Mediascape. Der DSL-Provider verlangt rund 2,5 Cent pro Minute, da er viele Gespräche übers reguläre Festnetz leitet.

Am günstigsten telefoniert der VoIP-Kunde zurzeit bei Freenet für 1 Cent pro Minute. Allerdings erlaubt der Provider gegenwärtig nur Gespräche innerhalb Deutschlands. Bei allen anderen Anbietern erreichen die VoIP-Nutzer auch Teilnehmer in vielen Staaten Europas und Asiens sowie in den USA.

Da der VoIP-Markt in Deutschland gerade erst in Fahrt kommt, sollten Kunden öfter die Preise vergleichen und das eigene Gesprächsverhalten analysieren. Hinzu kommt, dass nicht jeder Staat im Provider-eigenen VoIP-Netz liegt und auch Gespräche zu anderen VoIP-Providern bisher nicht kostenlos sind. Das liegt daran, dass jeder Provider einen eigenen Registrar betreibt, der sich nicht mit den anderen austauscht. Abhilfe wird hier erst der globale Messaging-Verzeichnisdienst ENUM schaffen.

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