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Linux-Magazin 06/2004

Linux-Settopbox Hauppauge Media-MVP ansteuern

Vorführeffekt

Kaum größer als ein Stapel von fünf DVDs ist Hauppauges Linux-Multimedia-Settopbox Media-MVP, die vom MPEG-Film bis zu Urlaubsfotos alles auf den Fernseher bringt. Mit dem Media-MVP-Plugin arbeitet das Gerät erstmals auch mit Linux zusammen, auch wenn es hier und da noch hakt.

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Hauppauges Media-MVP verbindet den PC komfortabel mit dem Fernseher: Statt den Rechner direkt über den TV-Ausgang der Grafikkarte mit all ihren Frequenzproblemen an die Flimmerkiste anzuschließen, verwendet die Media-MVP einen Scart-Ausgang und lässt sich die anzuzeigenden Bilder und Filme mundgerecht über den 100-MBit-Netzwerkanschluss servieren. Die Steuerung läuft per Infrarot-Fernbedienung. Über mehr Schnittstellen oder gar Laufwerke verfügt das Gerät nicht.

Die Settopbox läuft unter Linux und wird von Hauppauge auch damit beworben, sie lädt per TFTP die Firmware, einen PPC-Kernel. Das Kernelimage heißt »DONGLE.BIN« und ist auch im Windows-Softwarepaket der Media-MVP enthalten, das auf der Hauppauge-Homepage[1] zum Download steht.

Kein Quellcode

Die Quellen des Linux-Systems findet man allerdings nirgends auf Hauppauges Website, auch ein Hinweis auf die GPL ist in der Dokumentation nicht zu entdecken. Darauf angesprochen versprach der Hersteller, der Redaktion einige Links herauszusuchen, auf denen entsprechende Quellpakete verfügbar seien. Für detaillierte Einblicke sei jedoch ein NDA erforderlich, erklärte Pressesprecher Alexander Hoch am Telefon. Der Autor wird die Sache weiter verfolgen. Immerhin bot Hauppauge umfassende Hilfe dabei an, eine komplett offene und freie Firmware für die Media-MVP zu entwickeln.

Das Gerät ist mit einem leistungsfähigen PowerPC-Prozessor mit 300 MHz ausgestattet und verfügt über Ethernet. Mit rund 115 Euro ist es sehr preiswert und wäre deshalb auch eine interessante Hardwareplattform für kleine Mail- oder Webserver.

Ein Blick in die »DONGLE.BIN« verrät, dass Hauppauge den Kernel 2.4.17 benutzt. Allerdings wurde der Kernel entweder um zusätzliche Module erweitert oder es wurden Applikationen hinzugelinkt, denn einige in der »DONGLE.BIN« genannte Symbole stammen nicht aus dem Standardkernel.

Netzwerk-Boot

Unmittelbar nachdem die Media-MVP angeschlossen ist, startet das Gerät und besorgt sich per DHCP eine IP-Adresse. Anschließend lädt es die Datei »dongle .bin« aus dem TFTP-Boot-Verzeichnis und startet. Während dieser Phase zeigt die Media-MVP auf dem Fernsehschirm einen Fortschrittsbalken an, lässt sich jedoch nicht ausschalten. Erst wenn der Kernel erfolgreich geladen ist, reagiert die Media-MVP auf den Power-Knopf der Fernbedienung - und legt sich friedlich schlafen.

Solange das Gerät nicht von der Stromversorgung getrennt wird, bleibt der Kernel im RAM, die Startzeit verkürzt sich so von bis zu einer Minute auf eine Sekunde. Ist der Kernel gestartet, sendet die Media-MVP einen Broadcast an die Adresse 255.255.255.255, Port 16881. Dort muss die Serversoftware lauern und entsprechend antworten. Das heißt, dass in einem Netz jeweils nur ein Media-MVP-Server laufen kann.

Die Serversoftware hat den Löwenanteil der Arbeit zu leisten, denn die Media-MVP selbst verarbeitet lediglich MPEG-Datenströme und sendet alle Fernbedienungskommandos an den Server, über eigene "Intelligenz" verfügt das Gerät nicht. Entsprechend muss der Server alle Daten aufbereiten und der Media-MVP mundgerecht verabreichen. Unter Windows übernimmt das Softwarepaket von Hauppauge diese Aufgabe.

Beim Entpacken des Softwarepakets kommen etliche BMP- und JPG-Grafiken zum Vorschein, aus denen die Windows-Software die Bedienoberfläche förmlich zusammenpuzzelt und als MPEG 2 an die Media-MVP sendet. Genau so wird auch aus den diversen Grafik- und Tonformaten stets ein MPEG 2 generiert, das die Media-MVP wiedergibt.

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