Abbildung 1: Das Programm Digikam baut per PTP eine Verbindung zur Digitalkamera auf und zeigt Thumbnails aller Fotos an. Die Handhabung ist sehr einfach, auch wenig erfahrene Benutzer haben kaum Probleme.
Seit Ende März ist die lange erwartete Version 2.0 des Grafikprogramms Gimp erhältlich. Neben der neuen GTK-2-Oberfläche hat sich auch unter der Haube einiges getan. Es gibt neue Grafikfunktionen und die Werkzeuge wurden verbessert. Das Textwerkzeug macht es nun möglich, Text auch im Nachhinein zu verändern. Außer dem Programm hat sich auch die Gimp-Website[1] erneuert. Und nun zu einem verwandten Thema: der digitalen Fotografie.
Digitalkameras unter Linux
Mit dem Neuerwerb einer Digitalkamera steigt erfahrungsgemäß auch die schiere Anzahl der geschossenen Fotos. Programme wie Digikam und Gtkam helfen dabei, diese Menge an Fotos zu verwalten. Doch vorher muss der Anwender die Kamera noch dazu bringen, ihre Bilder dem Linux-System preiszugeben.
Das war nicht immer ganz einfach. Mittlerweile gibt es aber Bibliotheken, Tools und sogar Protokolle, die solche Probleme lösen sollen. Fast alle gängigen Digitalkameras lassen sich heute unabhängig von Hersteller und Modell unter Linux betreiben, meist über die USB-Schnittstelle. Sollte eine Kamera partout nicht mit Linux zusammenarbeiten wollen, gibt es dennoch einen Ausweg: über die Speicherkarte.
Herkömmliche USB-Kartenleser kosten um die 20 Euro, sie unterstützen gleich eine Vielzahl von Speicherkarten. Compactflash (CF) ist wohl das bekannteste Format, gefolgt von Secure Digital (SD) und den Multimedia Cards (MMC). Nur Sonys Memorystick wird von vielen Kartenlesern nicht unterstützt.
Linux erkennt USB-Kartenleser wie USB- Memorysticks als SCSI-Festplatte. Um sie anzusprechen, muss lediglich das Kernelmodul »usb-storage« geladen sein. Für Notebookbesitzer gibt es spezielle PCMCIA-Adapter für CF, SD und MMC, die ebenfalls als SCSI-Festplatte angesprochen werden. Wer sich keinen Kartenleser kaufen will, zweckentfremdet einfach einen MP3-Player oder einen PDA mit Speicherkartenslot.
Die Digicam direkt an den Computer anschließen ist jedoch die beste Lösung. Man spart sich den Kauf weiterer Geräte und muss nicht mit der Speicherkarte hantieren. Zur Kommunikation zwischen Kamera und Computer sind standardisierte Protokolle nötig. Mit deren Hilfe spricht eine Software alle Kameratypen gleichermaßen an, die Konfiguration derartiger Software lässt sich automatisieren und ist daher auch für wenig erfahrene Benutzer unproblematisch.
Digitalkamera-Protokolle
Ein recht verbreitetes und mittlerweile auch standardisiertes Protokoll, das den Datenaustausch zwischen Kamera und Computer regelt, ist das Picture Transfer Protocol (PTP). Infos zu freier Software, die PTP unterstützt, gibt es bei[2]. Dort finden sich auch Infos zu USB und einer Reihe von Kamerasoftware für Linux. Die Programmsuite GPhoto 2[3] ist eines der Linux-Programme, die PTP sprechen. Doch auch für jene, deren Kamera dieses Protokoll nicht versteht, ist GPhoto 2 sehr nützlich, es kennt Hunderte von weiteren Modellen.
Die Suite besteht aus der Bibliothek und dem Command Line Interface (CLI). Die Bibliothek stellt die wichtigsten Befehle zur Kommunikation mit den verschiedenen Kameras bereit. Das CLI namens »gphoto2« ist dafür zuständig, angeschlossene Digicams zu erkennen, und übernimmt das Kopieren von Bildern auf die Festplatte. GPhoto 2 allein macht aber noch nicht glücklich. Endanwender wollen ein Programm mit einem komfortablen GUI, das ihnen einfache Aufgaben wie zum Beispiel das Archivieren oder Drucken von Bildern ermöglicht. Gtkam[4] ist ein solches Programm. Die Bedienoberfläche ist sehr schlicht, aber funktionell und einfach zu bedienen. Mit ihr lassen sich Bilder anzeigen und organisieren.
Auch die KDE-Fraktion hat ein GUI für GPhoto 2 kreiert: Digikam[5]. Es bringt eine grafische Oberfläche und die Applikation »digikamcameraclient« mit, die die Kommunikation zwischen dem GUI und GPhoto 2 steuert. Optisch bietet das KDE-Programm weitaus mehr als Gtkam. Der Clou an Digikam ist die Möglichkeit, Plugins zu laden, um die Funktionalität zu erweitern. Etliche solcher Plugins bringt das Programm von Haus aus mit.
Wer GPhoto 2 mit einer Digitalkamera zusammenbringen möchte, hat in der Regel kaum Probleme. Unterstützung für viele gängige Kameras ist vorhanden - auf der GPhoto-2-Website von ist von mehr als 400 unterstützten Modellen die Rede.
Mit Gtkam und Digikam stehen bereits zwei praktische grafische Programme für die Verbindung der Kamera mit dem Computer bereit. Jetzt ist nur noch zu wünschen, dass die Hersteller ihre Kameras flächendeckend mit PTP ausrüsten, um das Manko der unterschiedlichen Protokolle zu beseitigen.
Abbildung 2: Gtkam, ein Frontend für die GPhoto-2-Suite. Das Programm bietet bequemen Zugriff auf die Bilder einer Digitalkamera, die Oberfläche ist jedoch etwas spartanisch ausgefallen.
Abbildung 3: Das KDE-Programm Digikam hilft Fotos von Digitalkameras zu archivieren und zu verwalten. Im Hauptfenster zeigt es links alle Alben und rechts Thumbnails der Fotos an.