Open Source im professionellen Einsatz

Das 10. Global Grid Forum 2004 in Berlin

Deutschstunde

Berlin war vom 9. bis 13. März Zentrum der internationalen Grid-Aktivitäten. Umgeben vom Sammelgut längst verstorbener Naturforscher fand in der Humboldt-Universität das 10. Global Grid Forum statt. Bildungs- und Forschungsministerin Bulmahn kündigte in der ehrwürdigen Kulisse die deutsche Grid-Initiative D-Grid an. Rüdiger Berlich

Abbildung 1: Auf dem 10. Global Grid Forum in Berlin versammelten sich im März dieses Jahres die Grid-Spezialisten aus Forschung und Industrie. Notebooks gehören zu den Pflichtaccessoires der Branche.

Abbildung 1: Auf dem 10. Global Grid Forum in Berlin versammelten sich im März dieses Jahres die Grid-Spezialisten aus Forschung und Industrie. Notebooks gehören zu den Pflichtaccessoires der Branche.

"Wann kommen wir drei uns wieder entgegen, in Donner, in Blitzen oder in Regen?" fragen sich drei Hexen zu Beginn von Shakespeares Drama Macbeth. Die Teilnehmer des Global Grid Forum (GGF) leben nicht mit solcher Ungewissheit - sie treffen sich dreimal jährlich an verschiedenen Orten der Welt und besprechen neue Entwicklungen des Grid Computing. Diesmal kamen über 600 Grid-Spezialisten nach Berlin. Mit Hexenkunst hat diese Konferenz auch nur insofern etwas zu tun, als die Koordinierung der vielen Initiativen und Strömungen des Grid Computing den Organisatoren gelegentlich übermenschliche Anstrengungen abverlangt.

Das 10. GGF stand unter dem Eindruck einer Ankündigung der Globus-Allianz, in absehbarer Zeit die gerade erst verfügbare - im Vergleich zur weithin verwendeten Version 2 radikal unterschiedliche - Version 3 des Globus-Toolkits durch Version 4 zu ersetzen. Der Weg führt somit vom monolithischen Globus-Toolkit 2 über Grid Services bei Version 3 hin zu Webservices (siehe beide Globus-Artikel in diesem Schwerpunkt).

Initiationsritual für Grid-Neulinge

Im dreitägigen Hauptteil des GGF liefen unter der Schirmherrschaft von Professor Alexander Reinefeld (Zuse Institut Berlin,[1]) 80 teilweise parallele Sessions von je 90 Minuten. Das Programm wäre ohne die mitgelieferte Übersetzungstabelle für die vielbuchstabigen Akronyme nicht zu verstehen. Neulinge taten auch gut daran, sich zuerst die Einführung für neue Mitglieder anzuhören, und für Eingeweihte war es ratsam, sich auf Arbeitsgruppen zu beschränken, mit deren Wissensgebiet sie wenigstens ansatzweise vertraut waren.

Das GGF ist weltweit der konzentrierteste Informationspool in Sachen Grid Computing. Diesmal beschäftigten sich die Arbeits- und Forschungsgruppen mit so unterschiedlichen Themen wie Grid Checkpoint/Recovery (GridCPR-WG), dem Open Grid Service Common Management Model (CMM-WG), Life Sciences (LSG-RG), dem Semantic Grid (SEM-RG) und 45 anderen Bereichen[2]. Die organisierten Sitzungen der Arbeitsgruppen wurden ergänzt durch "Birds of a Feather"-ad-hoc-Treffen (BOF) zu drängenden Themen.

Von der Wiege bis zur Bahre: Seminare, Seminare

Besser geeignet für Neuzugänge war das Rahmenprogramm aus Workshops und Seminaren [3] zur "Zukunft der Grid-Datenumgebungen", zu "Arbeitsabläufen in Grid-Systemen" und "Grid Services in der Teilchen- und Kernphysik". In der Physiksparte dominierten Vorträge über "Experimental High Energy Physics and Grid Activities in Australia" oder "Data Storage in High Energy Physics". Wer jedoch nach Informationen zu Grid Services in der Teilchenphysik suchte, schaute in die (Beschleuniger-)Röhre.

Entschädigung bot der Workshop "Fallstudien zu Grid-Applikationen"[4]. Im 20-Minuten-Rhythmus stellten zwölf Vortragende bestehende Grid-Anwendungen vor - Raritäten im immer noch sehr forschungszentrierten Grid Computing. So sprach Lee Liming vom Argonne National Lab (USA) über das MOST-Experiment (Earthquake Engineering on the Grid) in der Erbebenforschung.

Argonne-Kollegen von Liming behandelten in ihrem Vortrag "Grid Enabled Server for High-Throughput Analysis of Genomes" die Genomanalyse. Sprecher des Fraunhofer Institute for Computer Architecture and Software Technology (FIRST) aus Berlin präsentierten eine interessante Fallstudie zum Thema "Grid-based Environmental Risk Analysis and Management System".

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