Open Source im professionellen Einsatz

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Wir haben wieder Heißes aus der freien Softwareküche aufgetischt: einen DVD-Player aus Schweden, Ärger beim XFree86-Projekt und alles über die anstehende Wahl zum Debian-Projektleiter. Wer den Kochlöffel schwingen möchte, darf sein Können am Chili-Gulasch unter Beweis stellen.

Abbildung 1: Der Videoplayer Ogle. In der Grundausstattung lässt er sich lediglich über die Kommandozeile steuern, ein grafisches Interface müssen die Anwender nachinstallieren.

Abbildung 1: Der Videoplayer Ogle. In der Grundausstattung lässt er sich lediglich über die Kommandozeile steuern, ein grafisches Interface müssen die Anwender nachinstallieren.

Linux ist toll - zumindest meistens. Ab und zu bereitet uns der Betriebssystem-Liebling aber doch Probleme, es ist schier zum Verzweifeln. Wer nach einem besonders frustrierenden Erlebnis Lust hat Dampf abzulassen, tut das am besten mit Ping Win[1]. In diesem blutigen Flash-Spiel geht es darum, süße Pinguine mit einer Keule möglichst weit in die Eiswüste zu kicken. Aber zu einem weniger makaberen Projekt, dem Videoplayer Ogle.

Video unter Linux mit Ogle

Die Flut an Videoformaten für das Internet hat eine Vielzahl verschiedener Abspielprogramme hervorgebracht. Viele von ihnen sind Allroundtalente, die mit fast allen Formaten umgehen. Die meisten bringen nebenbei auch DVD-Filme auf den Monitor. Der Wald an Playern lichtet sich allerdings schnell, wenn man nach Applikationen sucht, die auf das Abspielen von DVDs spezialisiert sind. Das Programm Ogle soll hier Abhilfe schaffen. Zum Redaktionsschluss war Version 0.9.2 aktuell.

Gestartet wurde das Ogle-Projekt von Studenten der Technischen Universität Chalmers in Schweden. Durchaus reißerisch gestaltet sich die Frontpage der Ogle-Website[2]: "Ogle, bringing you what you\'ve always wanted" wird dort verlautbart: "Ogle bringt euch das, was ihr immer wolltet." An einem Problem kann aber auch Ogle nichts ausrichten: Das Desaster mit der Libdvdcss zur Entschlüsselung von DVDs. Damit ein Player auf legalem Wege verschlüsselte DVDs entschlüsseln darf, muss er dazu lizenziert werden.

Die Firma Intervideo arbeitete vor einiger Zeit an LinDVD, dessen Namensähnlichkeit zu WinDVD wohl nicht von ungefähr kommt und das auch verschlüsselte DVDs legal abspielen sollte. Allerdings wurde das Programm nie veröffentlicht. Die einzige Möglichkeit, mit Linux kopiergeschützte DVDs anzuschauen, ist zurzeit der illegale Weg über die Libdvdcss. Es bleibt zu hoffen, dass sich für dieses Problem in nächster Zeit eine Lösung findet.

Eine Menge Features

Ogle ist bei den meisten aktuellen Distributionen schon dabei. Wer den Code lieber aus den Sourcen übersetzen möchte, findet diese unter[3]. Dort gibt es auch eine Liste der benötigten Bibliotheken. Ist der Player installiert, sollten sich Anwender vergewissern, dass der DMA-Modus für ihr Laufwerk aktiviert ist, nur so erreicht es eine möglichst hohe Übertragungsgeschwindigkeit. Ogle funktioniert übrigens nicht nur mit Linux, sondern arbeitet auch mit den freien BSD-Derivaten zusammen.

Die Feature-Liste von Ogle ist umfangreich: Es zeigt DVD-Menüs an und spielt DVD-Images von der Festplatte ab. Das ist vor allem dann nützlich, wenn sich Anwender ein Videoarchiv aufbauen möchten und über entsprechenden Plattenplatz verfügen. Ogle erkennt automatisch das richtige Verhältnis von Höhe und Breite bei Filmen und macht somit Eierköpfen ein Ende. Außerdem erlaubt es das Programm, DVDs auf ihre Titel und Kapitel hin zu untersuchen.

Natürlich besitzt Ogle auch die Standardfunktionen, die jedes Programm zum Abspielen von DVDs beherrschen muss. Digitaler Sound über S/PDIF gehört genauso dazu wie die Wiedergabe im Vollbildmodus und die Darstellung von Untertiteln. Außerdem erstellt Ogle auf Wunsch Screenshots, was bei anderen Playern oft ziemlich umständlich ist. Auch einzelne Mpeg-2-Dateien spielt der Player ohne Probleme ab.

Aus den Nachteilen von Ogle machen die Entwickler keinen Hehl. So muss der Anwender nach dem Abspielen einer DVD das Programm komplett neu starten, um eine weitere DVD anzusehen. Für viele Benutzer verschmerzbar ist wohl, dass es keine Funktion für den Rückwärtslauf von Filmen gibt.

Den normalen Desktop-Benutzer dürfte Ogle allein kaum glücklich machen: Es hat lediglich eine Kommandozeilen-Oberfläche. Ein grafisches Interface müssen Anwender extra installieren. Am einfachsten ist es, sich die GTK-Oberfläche der Ogle-Entwickler herunterzuladen. Wer lieber auf QT und KDE setzt, dem sei Okle[4] empfohlen.

Alles in allem hinterlässt Ogle einen positiven Eindruck. Das Tool funktioniert gut und spielt DVDs zuverlässig ab. Einziger Wermutstropfen beim DVD-Genuss ist das völlig verquere Urheberrecht in Deutschland, das die Wiedergabe von verschlüsselten DVDs mit Libdvdcss legal unmöglich macht.

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