Open Source im professionellen Einsatz

Neues Datenbank-Frontend: MySQL-Administrator

Übersichtliches Werkzeug

Die Firma MySQL AB veröffentlicht in diesen Tagen das grafische Datenbank-Frontend MySQL-Administrator, mit dem sich ein MySQL-Server konfigurieren und überwachen lässt. Weitere Werkzeuge sind geplant, um Datenbanken zu modellieren oder einen Datenbank-Cluster aufzubauen.

Der Datenbankhersteller MySQL AB verspricht: Wer sich als MySQL-Datenbank-Administrator bisher nicht an Konfigurationsdateien und die Kommandozeile gewöhnen konnte, dem machen die neuen GUI-Tools das Leben leichter. Im Laufe dieses Jahres soll eine ganze Sammlung mit grafischen Werkzeugen entstehen. Mit ihnen seien selbst komplexe Aufgaben einfach durchzuführen, zum Beispiel die Installation, Konfiguration und Überwachung eines MySQL-Clusters für Replikation und Load Balancing. All diese Tools werden, wie von MySQL bereits gewohnt, als GPL-Version unter einer kommerziellen Lizenz erhältlich sein.

Den Startschuss für diese Produktlinie gab MySQL im Januar mit der Vorstellung von MySQL-Administrator[1] auf der Linux World Expo in New York. Das Linux-Magazin hat die brandneue Software unter die Lupe genommen und mit dem Hauptentwickler Mike Zinner über die weiteren geplanten Administrationstools gesprochen.

MySQL-Administrator (MA) ist eine grafische Verwaltungskonsole für alle MySQL-Datenbankserver ab Version 4. Das Programm verbindet sich unverschlüsselt oder per SSL zum Server, am SSH-Tunneling arbeiten die Entwickler noch. Zum Funktionsumfang gehören die Benutzer-

verwaltung des MySQL-Servers, seine Zustandsüberwachung, Backup und Recovery der Daten sowie das Auslesen von Protokollen. Die Software läuft gegenwärtig auf Windows und Linux, im Laufe des Jahres soll noch MacOS X hinzukommen.

Kein Java-Ballast

Für diesen Artikel lief die Linux-Version unter Suse 9.0 mit KDE 3.1.4, die Windows-Variante unter Windows XP Professional. Da es sich bei der Testversion um eine noch unveröffentlichte Prä-Alphaversion direkt aus der Hand der Entwickler handelte, waren Kinderkrankheiten nicht auszuschließen, jedoch verhielt sich die Software unter Windows und Linux bereits recht stabil. Die Installation verlief sehr einfach.

Die Software reagierte unter beiden Systemen schnell auf Eingaben. Im Gegensatz zu manchen in Java programmierten und ziemlich trägen GUIs nutzt sie C-Bibliotheken. Die Oberfläche für Windows ist in Delphi VCL entwickelt, die für Linux setzt Gtkmm ein[2].

Wegen der Partnerschaft von MySQL mit SAP könnte man vermuten, dass der MySQL-Administrator auf dem SAPDB Database Manager GUI[3] aufbaut, er ist jedoch "eine komplette Neuentwicklung", versichert Mike Zinner. Auf den Vergleich mit dem Enterprise Manager für MSSQL angesprochen erläutert Zinner: "Der MA deckt im Moment nur einen Teil der Aufgaben des MSSQL Enterprise Managers ab. Erst wenn alle für dieses Jahr anvisierten MySQL-GUIs fertig sind, können wir die komplette Funktionalität bieten."

Zustandsüberwachung

Highlight des MA sind die Möglichkeiten der Zustandsüberwachung: Dynamische Graphen zeigen im laufenden Betrieb kritische Werte an, zum Beispiel die Auslastung des Arbeitsspeichers oder der Festplatte und die Anzahl der Verbindungen zum Datenbankserver (siehe Abbildung 1). Damit lassen sich für jeden Tabellentyp - egal ob MyISAM oder InnoDB - Engpässe schnell erkennen. Außerdem zeigt der MA auch Graphen für einzelne Statusvariablen an, zum Beispiel für die Variablen »bytes_sent« und »bytes_received«, um die Belastung des Netzwerks zu ermitteln.

Abbildung 1: Die dynamischen Zustandsanzeigen für viele kritische Werte sind ein Highlight des MA. Hier eine Übersicht über den Arbeitsspeicherbedarf unter Windows.

Abbildung 1: Die dynamischen Zustandsanzeigen für viele kritische Werte sind ein Highlight des MA. Hier eine Übersicht über den Arbeitsspeicherbedarf unter Windows.

Dem erfahrenen Datenbank-Admin bietet sich auch die Möglichkeit, über selbst definierte Formeln verschiedene Statusvariablen zu kombinieren und damit individuell zugeschnittene Zustandsanzeigen zu erstellen. Mit einer einfachen Formel erstellt er sich etwa einen Graphen, der die über das Netzwerk geflossenen Bytes pro Sekunde anzeigt. Dazu navigiert er in der hierarchischen Übersicht der Statusvariablen zu »Bytes_ sent«, klickt mit der rechten Maustaste auf den Wert und gibt in das Fenster, das sich daraufhin öffnet, folgende Formel ein: »^Bytes_sent«.

Das Zeichen »^« steht für Delta und bedeutet "pro Sekunde". MA zeigt dann den entsprechende Graphen mit den Laufzeitwerten an. Analog lassen sich komplexere Formeln erstellen, etwa eine, die den prozentualen Anteil der Cache-Hits an allen Cache-Anfragen pro Sekunde anzeigt:

(^[Qcache_hits]/(^[Qcache_hits]+^[QCache_
inserts]+^[QCache_not_cached]))*100


Damit eröffnen sich auch dem professionellen Datenbank-Administrator neue Monitoring-Möglichkeiten.

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