Am 6. und 7. März findet an der technischen Universität in Chemnitz der sechste Chemnitzer Linuxtag[1] statt. Anders als der Name suggeriert, steht diese Veranstaltung nicht in Konkurrenz zum Linuxtag in Karlsruhe, sondern soll eigene Akzente setzen und die Menschen in Chemnitz und Umgebung für Linux begeistern. Das Programm ist voll gepackt mit Vorträgen und Workshops (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Das Programm des sechsten Chemnitzer Linuxtags. Vorgesehen sind nicht weniger als vier Vortrags-Threads, die mit interessanten Themen voll gepackt sind.
Internet Relay Chat
Viele Internetuser ziehen die Kommunikation über Internet Relay Chat (IRC) der E-Mail vor, da IRC einen schnelleren und zeitnäheren Austausch von Informationen ermöglicht. Das von Jarkko Oikarinen im Jahr 1988 entwickelte IRC beschreibt ein Protokoll, das es vielen Clients ermöglicht, über einen Server direkt miteinander zu kommunizieren. Neben fünf Requests for Comment (RFC) gibt es heute unzählige Servervarianten mit sehr unterschiedlichem Funktionsumfang.
Noch im Jahr 1990 waren die bekanntesten IRC-Server zu einem losen Netzwerk ohne festgelegte Struktur verbunden. Dieses Netzwerk war unter dem Namen Anarchie-Net oder kurz A-Net bekannt. Auf 38 Server kamen im Schnitt zwölf Benutzer. In jenem Jahr entstand noch ein weiteres Netzwerk, das ausschließlich Tests des neuen IRCd in Version 2.6 diente und aus 25 Servern bestand. Im August 1990 schlossen einige Admins dann einen offenen Server an das A-Net an. Dieser Server erlaubte es auch Außenstehenden, ihre IRC-Daemons in das Netzwerk zu integrieren. Sein Hostname war »eris.berkeley.edu«. Da Eris wegen seiner Offenheit heftige Diskussionen unter den Netzbetreibern auslöste, entstand als Alternative wenig später das eigenständige EF-Net[2] (Eris Free Net), heute eines der größten IRC-Netzwerke der Welt.
Da das EF-Net sehr schnell wuchs, waren die Leitungen oft überlastet und es kam zu Netsplits, was bedeutet, dass ein Server die Verbindung zu einem anderen Server verliert. Das machten sich findige IRC-User zunutze: In IRC-Netzen gibt es einen Channel auf jedem der angeschlossenen Server. Verliert ein Rechner nun die Verbindung zum Netzwerk, existiert der Channel sowohl auf diesem Rechner als auch im Netzwerk weiter. Betritt ein Angreifer den Channel auf einem der beteiligten Server und ist dieser Kanal dort leer, dann erhält er automatisch Operator-Rechte.
Bei der erneuten Zusammenführung der Channels behielt früher der Angreifer seine Privilegien und konnte die Kontrolle über den Channel als Chanop übernehmen. Diese Sicherheitslücke missfiel den Benutzern und Serverbetreibern. Der IRCd von damals musste also erweitert werden, um das Problem zu beheben. 1992 entstand ein weiteres Testnetzwerk, das aber kurze Zeit später auch normale Anwender nutzten. Das Undernet[3] war geboren.
Ziel der Undernet-IRCd-Entwickler war es, das Netzwerk gegen Missbrauch abzusichern. Dazu integrierten sie Timestamp-Funktionen, die dafür sorgten, dass Benutzern der Operator-Status wieder entzogen wird, falls sie während eines Splits einen Kanal betreten. Die Programmierer implementierten außerdem den ersten so genannten C-Service, der es Benutzern erlaubte, einen Kanal zu registrieren. Sie hatten damit die Möglichkeit, immer Operator-Status in diesem Kanal zu erhalten.
Viele neue IRC-Netze
Im Sommer 1994 entstand als weiteres IRC-Netzwerk das DAL-Net[4], benannt nach dem Nickname seines Gründers Dalvenjah. Als Daemon kam der IRCd aus dem Undernet zum Einsatz. Neu beim DAL-Net war unter anderem, dass Nicknames mehr als neun Zeichen enthalten durften. Außerdem erlaubte es der DAL-Net-IRCd, Benutzer netzwerkweit auszuschließen. Zum C-Service, der im DAL-Net Chanserv hieß, gesellte sich der Nickserv, der es ermöglichte, Nicknames zu registrieren.
Der letzte große Split in der IRC-Welt fand im Jahr 1996 statt. Die Betreiber des EF-Net waren sich uneinig, wie sie das Netzwerk bei Netsplits am besten vor Angriffen schützen sollten. Die EF-Net-Admins aus Europa starteten daraufhin kurzerhand das IRC-Net[5]. Das EF-Net-USA-Netz behielt seinen Namen.
Das Quakenet[6] wurde 1997 aus dem Boden gestampft. Es richtet sich besonders an Spieler und ist seit seinem Bestehen explosionsartig gewachsen, es besitzt sogar seine eigene Serversoftware. Ein Jahr nach dem Quakenet entstand das Open Projects Network, heute Freenode[7]. Es dient als Kommunikationsplattform für Projekte, die sich mit freier Software beschäftigen. Zur Zeit nutzen es rund 13000 User.
Die heutzutage eingesetzte Serversoftware ist so unterschiedlich wie die Netzwerke selbst. Das IRC-Net setzt immer noch auf den Ur-Server IRCd[8]. Er ist aber sehr rudimentär, vom ursprünglichen Code seines Erfinders Jarkko Oikarinen ist kaum noch etwas übrig. Christophe Kalt ist maßgeblich an der Weiterentwicklung von IRCd beteiligt. Services wie den Chanserv oder Nickserv sucht man im IRCd vergebens.
Das EF-Net verwendet heute den eigens entwickelten Hybrid[9], der auf dem originalen IRCd aufbaut. Einer der Hauptunterschiede zwischen Hybrid und IRCd ist das System für den Schutz bei Netsplits. Hybrid ermöglicht aber auch Services[10] und hat Neuerungen gebracht, die sogar in den originalen IRCd eingeflossen sind. Dazu gehören die Channel-Modi »+I« und »+e«, mit denen ein Benutzer oder Host von Bans ausgeschlossen wird.
Gelegentlich trifft man im EF-Net auch auf den Ratbox-IRCd[11], einen Fork von Hybrid, der vollständig kompatibel zu Hybrid ist. Ein weiterer Hybrid-Fork ist Bahamut[12], der heute im DAL-Net zum Einsatz kommt und einige interessante Features bietet. Er verhindert beispielsweise die Verbreitung von Viren und Würmern, indem er entsprechende DCC-Verbindungen abfängt.
Abbildung 1: Das Programm des sechsten Chemnitzer Linuxtags. Vorgesehen sind nicht weniger als vier Vortrags-Threads, die mit interessanten Themen voll gepackt sind.