Open Source im professionellen Einsatz

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive des GNU-Projekts und der FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software. In dieser Ausgabe: Loading Linux, ClusterSSH, Mister House, indigene Völker und geistiges Eigentum.

Abbildung 1: Mister House, die Software für das intelligente Haus. Über einen Webbrowser lässt sich jedes Gerät im Eigenheim steuern. Dazu bieten sich tragbare Computer wie dieses Aquapad an.

Abbildung 1: Mister House, die Software für das intelligente Haus. Über einen Webbrowser lässt sich jedes Gerät im Eigenheim steuern. Dazu bieten sich tragbare Computer wie dieses Aquapad an.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World. Diesen Monat wieder mit etwas mehr Projekten und etwas weniger Politik und Philosophie, obwohl auch diese nicht zu kurz kommen dürfen und sollen. Doch dazu mehr am Ende des Artikels.

Loading Linux

Loading Linux[1] ist eine GNU/Linux-Distribution für den Client- und Server-orientierten Betrieb kleiner Netzwerke ohne professionellen Administrator. Clients und Server funktionieren bei dieser Distribution direkt nach der Installation ohne weitere Konfiguration. Es ist also auch ohne Wissen um Netzwerk- und Systemadministration möglich, die Distribution einzusetzen. So muss beispielsweise ein Lehrer in der Schule nicht wissen, wie er einen NFS-Server genau konfiguriert, sondern lediglich, dass alle Dateien, die per NFS auf den Clients landen, vom Server dorthin exportiert werden.

Die Idee zu diesem Projekt hatte Thierry Wonner, der es Ende 2002 einigen Studenten der Epitech[2], einer Informatik-Hochschule im Pariser Süden, vorstellte. Das führte dazu, dass sich einige Studenten dem Projekt anschlossen, und so begann 2003 die Arbeit. Gegen Ende des Jahres war die erste Release als bootfähige CD-ROM fertig.

Die Distribution baut auf Standardkomponenten auf: Perl, C, Shell-Skripte für die Installationsroutinen und PHP für Web-Administrationswerkzeuge. NIS, NFS und Samba sind funktional vorkonfiguriert, ebenso wie Open Office, die Filemanager und andere Programme. Als Paketmanager nutzt die Distribution RPM, ein weit verbreitetes System mit einer großen Anzahl an verfügbaren Paketen. Viel Wert legen die Beteiligten auch auf die Unabhängigkeit und Kontinuität des Projekts. Für sie ist die Tatsache, dass es sich um ein nicht-kommerzielles Hochschulprojekt handelt, ebenso ein Garant für Freiheit wie die Verwendung der GNU General Public License (GPL).

Um dafür zu sorgen, dass das Projekt auch nach ihrem Studienabschluss weitergeführt wird, suchen die Maintainer gegenwärtig gezielt nach Zuwachs für ihr Team, und zwar sowohl unter den jüngeren Studenten als auch außerhalb ihrer Schule. Pläne für die weitere Entwicklung gibt es genug. Zum Beispiel würde es Einsteiger weniger abschrecken, wenn Loading Linux statt der einfachen Ascii-Fenster eine grafische Installationsroutine hätte.

Das Web-Administrationstool bedarf ebenfalls weiterer Arbeit und auch an der grafischen Installation zusätzlicher Pakete bastelt zurzeit eine Gruppe von Studenten. Für dieses wie für alle freien Projekte ist es außerdem sehr wichtig, dass Anwender, die ihre Software produktiv einsetzen, Feedback liefern.

ClusterSSH

Ist ein Netzwerk installiert und will der Admin Abläufe per Hand anpassen, ist es oft notwendig, dies auf allen Clients durchzuführen. Um die Arbeit zu erleichtern, gibt es Werkzeuge wie ClusterSSH[3] von Duncan Ferguson, das SSH-Konsolen zusammenfasst. Dabei bündelt es beliebig viele Rechner zu einer Gruppe, einem Cluster. Der Administrator führt über ein Terminalfenster an seinem Arbeitsplatz die Schritte auf allen Rechnern parallel aus. Über einzeln (de)aktivierbare Terminalfenster überträgt ClusterSSH alle Eingaben per SSH simultan auf die aktiven Rechner.

Geschrieben ist ClusterSSH in Perl und Tk. Daher dürfte es für Administratoren, der klassischen Zielgruppe dieses Projekts, recht problemlos einzusetzen sein. Als Lizenz setzt ClusterSSH die GPL ein. Ein vergleichbares nicht freies Werkzeug mit ähnlicher Funktionalität ist WCluster von Sun, das aber auf Klartext statt auf SSH setzt. Sun hat nach Informationen von Duncan auch nicht die Absicht, das zu ändern.

ClusterSSH läuft nachweislich auf Sun Solaris (x86 und Sparc) sowie Red Hat und Debian GNU/Linux. Duncan will in Zukunft noch mehr Plattformen unterstützen. Gerade dabei bittet er um Hilfe, da er selbst nur auf die bereits erwähnten Architekturen Zugriff hat.

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