Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2004
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Lang gereift

Durch die lange Entwicklungszeit ist WX zu einem robusten Werkzeug gereift, das den GUI-Entwickler auf vielfältige Weise unterstützt. Das wichtigste Feature ist das einheitliche API, WX unterstützt zudem mehrsprachige Programme, lässt die Software auch Original-Konfigurationsformate der jeweiligen Zielplattform benutzen und verwendet ein XML-basiertes Ressourcensystem.

Darüber hinaus erklären rund 70 mitgelieferte Beispiele den Umgang mit der Bibliothek und helfen beim Einstieg in komplexere Techniken wie dem Document-View-Framework, Debugging und Logging, der Datenbankunterstützung sowie dem Printing-API.

Eigenheiten

Seine lange Vorgeschichte führt allerdings auch dazu, dass das Framework heute mit einigen Altlasten zu kämpfen hat. So stellt WX eigene Datencontainer zur Verfügung, die vom C++-Standard abweichen. Diese Container haben eine ähnliche Funktionalität wie die entsprechenden STL-Klassen (Standard Template Library), sie sind jedoch nicht miteinander kompatibel.

Die Dokumentation weist als Hauptgrund für diesen Sonderweg neben der langen Geschichte die unterschiedlichen Voraussetzungen der unterstützten Systeme aus. Zu Beginn des WX-Projekts waren Compiler, die mit C++-Templates umgehen konnten, noch rar. Die STL trägt schon im Namen, dass sie diese Technologie intensiv nutzt, und kam somit als Basis des Frameworks nicht in Frage. Seit kurzem wollen einige WX-Entwickler aber die STL in ihr Framework einbinden.

Eine weitere Schwäche ist die fehlende Ausnahmefestigkeit, sie ist auf dieselben Gründe zurückzuführen. Das Entwicklerteam will zwar in einer der nächsten Versionen eine ausnahmefeste Bibliothek anbieten, das erweist sich jedoch laut Mailingliste wegen der gewachsenen Codestrukturen als recht schwierige Aufgabe.

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