Open Source im professionellen Einsatz

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Ähnlich wie Köche arbeiten auch Softwareautoren an immer neuen Kreationen für die Benutzer. Wir picken die Leckerbissen heraus. Diesmal: Free Priority, das Windows-NT-kompatible Betriebssystem React OS, "Software in the Public Interest" sowie Ärger bei GNU Hurd. Die Feinschmecker bekommen Apfelplattenkuchen.

What\'s cooking? Wir servieren diesmal Free Priority, mit dem Mitarbeiter pädagogischer Einrichtungen ihre Arbeit effizient organisieren. Das Betriebssystem React OS tritt an, eines der ganz großen Desktopsysteme zu werden. Außerdem stellen wir "Software in the Public Interest" vor und berichten über den Rauswurf des Hurd-Maintainers Thomas Bushnell. Als Leckerbissen gibt es Apfelplattenkuchen, den Christoph Krol auf [www.linux-community.de] vorgestellt hat (siehe[15]).

Abbildung 1: Die Website des Windows-NT-kompatiblen React OS beweist: Der Taschenrechner von Windows 2000 lässt sich mit dem System bereits nutzen.

Abbildung 1: Die Website des Windows-NT-kompatiblen React OS beweist: Der Taschenrechner von Windows 2000 lässt sich mit dem System bereits nutzen.

Free Priority

Bei einem pädagogischen Team, zum Beispiel in einem Behindertenheim, ist es wichtig, die Arbeit der einzelnen Teammitglieder an einer zentralen Stelle zu dokumentieren. Das KDE-Programm Free Priority[1] von Olaf Radicke ist genau für diesen Zweck gedacht. Es soll helfen die Arbeit pädagogischer Teams effektiv zu organisieren, um Zeit zu sparen.

Gepackt bringen die Sourcen von Free Priority gut 2 MByte auf die Waage - ein Zeichen dafür, dass der Funktionsumfang des Programms sehr groß ist. Das Ziel von Free Priority ist klar definiert: Die Oberfläche soll so einfach wie möglich und gut dokumentiert sein.

Für Anfänger ist es daher tatsächlich möglich, das Programm zu benutzen, ohne die Dokumentation intensiv studiert zu haben. Free Priority signalisiert dem Benutzer durch farbige Buttons, welchen Dialog er als nächsten aufrufen muss. Grüne Schaltflächen kann er getrost anklicken, weil sie lediglich zu Informationsboxen führen; rote Schaltflächen dagegen beenden zum Beispiel das Programm. Die Farben sind zwar nicht glücklich gewählt - besonders das Rot wirkt sehr grell und die schwarze Schrift ist nur schlecht erkennbar - dennoch erfüllen sie ihren Zweck.

Beim ersten Start präsentiert sich Free Priority wie in Abbildung 2 zu sehen. Als Erstes muss der Benutzer ein so genanntes Dachprojekt einrichten. Dort speichert Free Priority generelle Informationen wie die Liste der Mitarbeiter oder die Adresse der entsprechenden pädagogischen Einrichtung. Außerdem gibt der Benutzer hier optional eine kurze Beschreibung der Einrichtung, die Vorgehensweise der Teams sowie eine Bewertung einzelner Projekte ein.

Abbildung 2: Das Programm Free Priority hilft pädagogischen Teams dabei, ihre Arbeit zu organisieren. Die Oberfläche ist sehr intuitiv gestaltet.

Abbildung 2: Das Programm Free Priority hilft pädagogischen Teams dabei, ihre Arbeit zu organisieren. Die Oberfläche ist sehr intuitiv gestaltet.

Danach erstellt er unterhalb des Dachprojekts die eigentlichen Projekte. Ein Klick auf »Projekte« öffnet den entsprechenden Dialog, in dem der gelbe Button »Neues Projekt anlegen« sofort auffällt. Der anschließende Dialog bietet die Möglichkeit, bestimmte Parameter des neuen Projekts wie den Titel oder den Leiter zu definieren. Ein Klick auf »Speichern« hält alles fest.

Aufgaben verwalten

Projekte öffnen alle Anwender mit einem Klick auf »Projekte« im Hauptmenü und dann auf den entsprechenden Projektnamen. Hier lassen sich zwei wesentliche Aufgaben erledigen: Erstens verfasst ein Mitarbeiter einen Kommentar oder einen Bericht über seine Arbeit. Ein Mitarbeiter der Nachtschicht hinterlässt zum Beispiel eine Nachricht für die Frühschicht.

Zweitens fügen die Mitarbeiter in diesem Projektfenster Aufgaben hinzu, die es zu erledigen gilt. Stellt ein Mitarbeiter beispielsweise fest, dass ein bestimmtes Medikament oder ein Hygieneartikel knapp wird, hält er dies hier fest. Eine eventuell vorhandene Aufgabenliste bekommt jeder Mitarbeiter per Klick auf den »Button Aufgaben« im Hauptfenster des Programms zu sehen.

Bereits erledigte Aufgaben werden einfach von den Anwendern abgehakt. Fast immer gibt es Aufgaben, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholen. Die legt der Anwender beim Erstellen eines Projekts fest. Achtung: Es ist nicht möglich, nachträglich permanente Aufgaben einzutragen oder zu entfernen.

Es lohnt sich, die Aufzeichnungen über besondere Vorkommnisse oder über erledigte Arbeiten sehr genau und detailliert zu führen. Braucht man später nämlich eine Gesamtübersicht über den Status eines Projekts, erstellt die Schaltfläche »Berichte/Reports« ein entsprechendes Dokument. Free Priority beherrscht dafür die Ausgabeformate DVI, PDF, Postscript und HTML.

Das Programm verwaltet auch Termine, es startet dazu die KDE-Applikation KOrganizer[2] mit einer modifizierten Konfigurationsdatei. Wenn Buchhaltungsaufgaben anfallen, ist das auch kein Problem: Ist Gnucash[3] installiert, startet es der Anwender mit einem Klick auf »Buchhaltung«. Auch für Gnucash bringt Free Priority eine eigene Konfigurationsdatei mit.

Der Funktionsumfang von Free Priority ist weitaus größer als hier beschrieben. Alles in allem lässt sich ein sehr positives Fazit ziehen. Zwar begegnet der Benutzer unterwegs dem einen oder anderen Rechtschreibfehler bei den Bezeichnungen der Menü-Einträge (der Autor des Programms nimmt Hilfe in diesem Punkt dankend an), das schmälert den Nutzen von Free Priority aber nicht. Wer seine Teamaufgaben detailliert unter Linux dokumentieren will, sollte sich Free Priority unbedingt anschauen.

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Ausgabe 07/2013

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