Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2004
467

ACPI für Notebooks

Die hier genannten ACPI-Features gehen vor allem Notebook-Benutzer an. In »/proc/acpi/battery/BAT x/info« stehen Informationen über die Akkus Ihrer Geräte. Ladezustand, Kapazität und Spannung ist »/proc/acpi/battery/BAT x/ state« entnehmbar. Unterschreitet der Wert eine gewisse Schwelle - die mittels »echo Schwelle /proc/acpi/battery/BAT x/ alarm« definierbar ist - warnt ACPI über die »/proc/acpi/events«.

Der Eintrag »/proc/acpi/ac_adapter/ ADP x/state« erteilt Auskunft darüber, ob am Gerät ein Netzteil hängt. Das Ein- und Ausstöpseln der Stromzufuhr hat eine Meldung über »/proc/acpi/events« zur Folge. Denselben Kanal benutzen außerdem der Buttontreiber (Kerneloption »CONFIG_ACPI_BUTTON«) und der Temperaturtreiber (»CONFIG_ACPI_ THERMAL«).

Der Buttontreiber teilt mit, sobald der Power-, Sleep- oder Lid-Taster (im Notebook-Display) betätigt wird. Der Temperaturtreiber kontrolliert die Wärmeentwicklung der CPU (auszulesen unter »/proc/acpi/thermal_zone/THRM/tem-perature«) und reagiert beim Erreichen von in »/proc/acpi/thermal_zone/THRM /trip_points« definierten Limits.

Unter Zuhilfenahme des ACPI-Daemon Acpid[9] können Notebookbesitzer mit den Meldungen von »/proc/acpi/events« auf ihre Geräte angemessen reagieren. Acpid sorgt dann beispielsweise beim Schließen des Deckels dafür, dass das Gerät automatisch in den Zustand Suspend-to-Disk geschickt wird.

Trotz der vielen ACPI-Funktionen wird die Begeisterung der Besitzer aktueller Notebooks bald der Ernüchterung weichen. Sie werden feststellen, dass sie unter Linux weder die Helligkeit des Displays mit den vorgesehenen Tasten variieren können noch die Funktionstasten [F n] ihrem Namen Ehre machen.

Eine gute Nachricht für Asus- und Medion-Notebooks: Der Treiber hinter der Option »ASUS/Medion Laptop Extras« (»CONFIG_ACPI_ASUS«) stellt Einträge unter »/proc/acpi/asus«, die die Display-Helligkeit und die LEDs des Systems steuern. Die [F n]-Kombinationen setzt der Treiber in ACPI-Events um. Für die restlichen Funktionen ist ein Userspace-Daemon verfügbar[10].

Auch Toshiba-Notebooks profitieren von einem speziellen ACPI-Treiber, den »Toshiba Laptop Extras« (»CONFIG_ACPI _TOSHIBA«). Leider reicht das Modul die [F n]-Tasten nur über den Eintrag »/proc/acpi/toshiba/keys« im Proc-Dateisystem weiter, statt Standard-ACPI-Events auszulösen. Die anderen »/proc/ acpi/toshiba«-Einträge steuern die Display-Helligkeit und den Lüfter. Auch für die Toshiba-Erweiterung sind Userspace-Daemons verfügbar[11].

Und was ist mit Doku?

Wer Probleme mit dem Gespann Linux 2.6 und ACPI hat, wird wohl seinem Instinkt folgen und im Netz nach Dokumentationen suchen. Kleiner Tipp: Die gibt\'s nicht. Auch aktuelle Fachliteratur umschifft kollektiv gekonnt die Thematik "ACPI als Ersatz für Plug&Play-Bios". Die Dokumentation zum und im Kernel selbst macht hier keine Ausnahme, neben ein paar Informationen zum Powermanagement via ACPI findet sich nicht viel Greifbares. Die besten Anlaufstellen bleiben neben Google die Acpi4linux-Mailingliste[12] und Newsgroups - hier kann man wenigstens versuchen, mit Leidensgenossen einen Weg zu finden.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Kern-Technik

    Kennen und unterstützen alle Treiberprogrammierer das Interface fürs Powermanagement, steht einem funktionierenden Suspend-to-Ram und Suspend-to-Disk nichts mehr im Wege.

  • Patch eingereicht: Intels Rapid Start in Kernel 3.11?

    Der Entwickler Matthew Garrett beschreibt in seinem Blog, wie Intels Schnell-Boot-Technology Rapid Start funktioniert und wie sich das auch mit einem Linux-Kernel nutzen lässt.

  • Weitere Tools und Tipps zur Überwachung des Energieverbrauchs

    Der Artikel "Stromfresser entlarven" im aktuellen Linux-Magazin zeigt anhand von Benchmarks den Einfluss verschiedener Optimierungsversuche, unterschiedlicher Distributionen und OSS-Desktops auf den Energieverbrauch eines Linux-Notebooks. Einige Tools und Tricks, die im Artikel keinen Platz fanden, sind hier zusammengefasst.

  • Projekteküche

    Der Klimabericht der Vereinten Nationen mahnt zum Stromsparen - angesichts ihres stetig wachsenden Verbrauchs gilt dies auch für die IT. Über Funktionsweise, Probleme und Zukunftspläne mit Stromsparmodi unter Linux berichtet ein neuer Statusbericht zu Suspend und Hibernate.

  • Kern-Technik

    Wer schläft, spart. Daher organisiert der Linux-Kernel das kollektive Schlafen der Rechnerkomponenten, bis das komplette System ruht. Er strukturiert Abhängigkeiten baumartig und verwendet ein Phasenmodell. Damit sind bei Bedarf alle Komponenten schnell wieder hellwach.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.