Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2003

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Auch im vergangenen Monat hat sich viel getan in der Welt der freien Software. Wir haben die Leckerbissen herausgepickt: Das Icculus-Projekt, den Linux-Thementag an der Uni Düsseldorf, Neuigkeiten rund um Debian-Neuzugänge sowie den Debian-Installer. Für die Feinschmecker gibt's diesmal Klöße.

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What's cooking? Wir servieren diesmal Icculus, das Linux zum Eldorado für Computerspieler machen könnte. Außerdem gibt es eine Zusammenfassung des Linux-Thementages an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf, Informationen zum Debian-New-Maintainer-Prozess sowie zum Treffen der Debian-Installer-Entwickler. Wer nach der Lektüre des Artikels Lust darauf hat, den Kochlöffel zu schwingen, sollte das Kloßrezept ausprobieren.

Icculus

Die großen Entwicklungshäuser sehen Linux (noch) nicht als Absatzmarkt. Linux kämpft mit dem Ruf, für Spiele untauglich zu sein. Zwar gelingt es mit einer aktuellen Version von Wine[7] beispielsweise, den bekannten Ego-Shooter Half Life zu starten, der überwiegende Teil der Spiele für Windows läuft mit Wine aber nicht akzeptabel.

Nicht alle Linux-Entwickler finden sich damit ab: Ryan C. Gordon, der den Spitznamen Icculus trägt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Windows-Spiele auf Linux zu portieren, und gründete das Projekt Icculus[1]. Gordon wird dabei von den Spieleherstellern unterstützt, die ihn bei Unterzeichnung entsprechender "Non Disclosure Agreements" mit den Quelldateien der Spiele versorgen. Ein prinzipielles Interesse an Linux scheint seitens der Softwareschmieden also vorhanden zu sein.

Ryan Gordon macht sich bei seiner Portierungsarbeit die Eigenschaft zunutze, dass die meisten Spielehersteller ihre ».exe«-Dateien von den Sound-, Grafik- und Texturdaten trennen. Die ausführbare Datei verbindet lediglich die einzelnen Teile passend miteinander. Die Grafik-, Sound- und Texturdateien müssen also nicht portiert werden.

Außerdem kann Gordon auf diese Weise die Ergebnisse seiner Arbeit ins Internet stellen: Ohne die entsprechenden Daten ist die Binärdatei nutzlos, sodass jeder, der das Spiel unter Linux ausführen will, eine Originalversion besitzen muss. Der Nachteil ist, dass der Spieler auf eine installierte Windows-Version angewiesen ist, um deren Datendateien in ein Linux-Verzeichnis zu kopieren.

America's Army für Linux

Gordons Linux-Portierung von "America's Army" fällt aus diesem Schema etwas heraus. Das vom Pentagon unterstütze Original ist nur unter Windows lauffähig und wird komplett übers Internet verteilt, Gordon kann also auch seine Portierung inklusive aller Datendateien zur Verfügung stellen, sodass der Umweg über Windows entfällt. Der Linux-Port des Spiels ist kompatibel zur Windows-Version, was Netzwerkspiele zwischen Windows- und Linux-Anwendern ermöglicht. Mittlerweile hat Ryan Gordon America's Army sogar noch auf Mac OS X portiert.

Nicht nur die Spiele selbst stehen auf Gordons Liste: Auch die zugehörigen Serverprogramme. Die Spielehersteller entwickeln auch diese Programme nur für Windows, ungeachtet der Tatsache, dass es mittlerweile wohl mehr Linux- als Windows-Spieleserver gibt. Auf der Icculus-Seite stehen die beiden beliebtesten Serverprogramme bereits zur Verfügung: "Medal of Honor: Allied Assault" sowie "Battlefield 1942". Der Server für Medal of Honor ist bereits produktiv einsetzbar, Battlefield 1942 hingegen enthält noch einige Fehler, liefert bisweilen schlechte Ergebnisse und stürzt manchmal ab.

Das Funktionsprinzip bei der Linux-Servervariante ist dasselbe wie beim Client: Auch hier portiert Gordon nur die ausführbare Datei, die die Grafiken und Sounds miteinander verbindet. Der Nachteil, dass eine Windows-Version vorhanden sein muss, bleibt also auch in diesem Fall bestehen.

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